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| 02:48 Uhr

Auto „Hugo“ und der Sinn des Lebens

LÜBBEN. Wie kann eine leere Autobatterie zwischenmenschliche Beziehungen auslösen? Wie kann man in gut 70 Minuten dem Weihnachtsmann, einem Kobold, einer Beerdigung mit positivem Denken und schließlich einem hilflosen Finanzberater begegnen? Vier Lübbener Autoren haben das ermöglicht.

Sie trafen sich mit Literaturfreunden im Lübbener "Spreeblick" .

"Es könnte alles so schön sein, wenn nicht das schreckliche Lampenfieber wäre!" Ingrid Groschke, die Autorin, Grafikerin und Malerin aus Lübben, sprach ihren Autorenkollegen aus der Seele. Ilona Noack, Christa Schötz und Ralph Ronneberger hatten ihre Manuskripte mitgebracht, um daraus zu lesen. Die Zuhörer sparten bei den einzelnen Vorträgen nicht mit Beifall und aufmunternden Worten. Da war das Fieber bei den Lesenden rasch vorbei.

Nichts Erfundenes"Quergelesen", so hatte das literarische Quartett sein Lesungsprogramm benannt. Ingrid Groschke aus Lübben hielt es mit eher heiteren Geschichten aus dem Leben. "Hab' ich selbst erlebt oder glaubhaft gehört", versicherte sie, um von der Schmuckgeschäfts-Inhaberin Gitte Berthold zu lesen. Die hatte einen harten Arbeitstag hinter sich, den langen Heimweg mit ihrem kleinen Auto "Hugo" vor sich. Der streikte, weil "Frauchen" am Morgen die Scheinwerfer hatte brennen lassen und die Batterie den Dienst versagte.

Groschke erzählte von den Rettungsversuchen vieler Helfer, vom Anschieben bis schließlich zum Gebrauch eines Starthilfe-Kabels mit Anwendung der Gebrauchsanweisung. "Dann schnurrte ,Hugo' wieder über die Autobahn. Sein Frauchen auch - bei so viel Hilfsbereitschaft", so Ingrid Groschke.

Ralph Ronneberger schlug spannende andere Töne an, indem er die Zuhörer mit seiner Erzählung "Die Zeit der Glühwürmchen" lange im Unklaren ließ. Wären sie jetzt im Schützengraben nach einem Artilleriebeschuss mit Toten oder auf einer Wiese bei einem Liebespaar, das Glühwürmchen nachstellt? Ronneberger zeichnet in seiner Erzählung sowohl die Gräuel des Krieges als auch Liebeslyrik, bringt alles zu einem nicht harmonischen Schluss - und das setzte Akzente an diesem Abend kurz nach dem Totensonntag.

Nachdenklich und satirischChrista Schötz aus Groß Leuthen steuerte mit literarisch verarbeiteten Beobachtungen wie ihre Episoden "Ameise hat sich verlaufen" und "Lebenszeit und Lebensende" von einer Beerdigung Nachdenkliches bei, ohne ins Sentimentale zu verfallen.

Ilona Noack aus Lübbenau schildert in ihrem satirischem Gedicht "Bei Geld hört die Freundschaft auf" das Schicksal eines geprellten Anlegers, dessen Vermögen "sehr schnell versickert" und schlussfolgert höchst aktuell: "Vertraue niemals einem Mann, der beim Gespräch nur überlegt, was er an dir verdienen kann."

Ilona Noack ließ ihre Zuhörer auch noch die Bekanntschaft mit einem computer-besessenen Kobold machen, der seine weltweit verstreute Verwandtschaft nur noch über das Internet findet. Und der Weihnachtsmann soll nach gereimten Informationen von Ingrid Groschke eine Senioren-Akademie besucht haben, um statt Puppen und Teddys Playstation und Gameboy zu den Kindern bringen zu können.

Nach den Lesungen gab es viele persönliche Gespräche zwischen Autoren und Zuhörern, die unter anderem zur Ideenfindung und zu den monatlichen "Autoren-Werkstätten" diskutierten. "Das hat uns Mut gemacht, auch im neuen Jahr wieder zum ,Autorentreff' einzuladen", sagte Ilona Noack der RUNDSCHAU. -ds