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Ausstellung zur Stasi-Geschichte

Lübben.. „Ich war Staatsfeind Nr.1“ ist der Titel einer Wanderausstellung, die morgen nach Lübben kommt. Sie wird um 17.30 Uhr im Paul-Gerhardt-Gymnasium eröffnet und kann bis zum 2. Mai besichtigt werden.


Auf 16 Tafeln erhalten die Besucher Informationen zur Arbeitsweise der Staatssicherheit und den daraus resultierenden Folgen für die Menschen in den Regionen Cottbus und Frankfurt / Oder. Initiator der Ausstellung ist die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR.
Um 18.30 Uhr liest der Autor und Publizist Wolfgang Welsch aus seinem Buch „Ich war der Staatsfeind Nr. 1“ . Welsch wurde 1944 in Berlin geboren und studierte 1962 bis 1964 an einer Schauspielschule. Seine ersten, oft systemkritischen Gedichte las er öffentlich in der DDR und verbreitete sie auf Flugblättern, geht aus einer Pressemitteilung der Bundesbeauftragten hervor.
1964 wurde er bei einem Fluchtversuch von Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verhaftet und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Fast sieben Jahre verbrachte er als politischer Häftling in den Gefängnissen Bautzen und Brandenburg. Er wurde gefoltert und einer Scheinhinrichtung ausgesetzt, bevor er 1971 von der Bundesrepublik freigekauft wurde. In Gießen studierte er Politologie mit Schwerpunkt DDR, MfS und Widerstand. 1977 promovierte er in England mit einer Arbeit über das MfS.
In seiner Lesung berichtet Wolfgang Welsch über seine Verhaftung, über die Täter und wie aus ihm ein erfolgreicher Fluchthelfer wurde. Mehr als 200 Ostdeutsche wurden von seiner Organisation aus der DDR geschleust. Zur Liquidation dieses Staatsfeindes rief die Stasi eigens die „Operation Skorpion“ ins Leben, die mehrere Anschläge auf Welsch verübte. Die Hintergründe konnten erst Jahre später durch die Gauck-Behörde aufgeklärt werden. Der verantwortliche General Heinz Fiedler beging daraufhin Selbstmord. Ein ehemaliger „Freund“ entpuppte sich als Stasi-Mitarbeiter. Trotz neuer Identität konnte er überführt und verurteilt werden. Mit diesem Prozess wurde dem MfS 1994 erstmals nachgewiesen, dass es Staatsfeinde liquidieren ließ.
Wolfgang Welschs Lesung soll aufrütteln, erklären und nicht zuletzt zur Diskussion anregen über ein System, das äußerst menschenverletzend war. (red/cn)