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| 16:04 Uhr

Wenn Effi Briest zum Skelett wird
„Fontane total“ und aus der Dose

 Die 149. Ausstellung in der Kleinen Galerie Goyatz mit dem Thema „Fontane frontal“ ist am Dienstagabend eröffnet worden. Gastgeber Dr. Klaus Ulrich (r.) kam mit dem Lübbener Künstler Sebastian Franzka während der Vernissage ins Gespräch.
Die 149. Ausstellung in der Kleinen Galerie Goyatz mit dem Thema „Fontane frontal“ ist am Dienstagabend eröffnet worden. Gastgeber Dr. Klaus Ulrich (r.) kam mit dem Lübbener Künstler Sebastian Franzka während der Vernissage ins Gespräch. FOTO: Ingrid Hoberg
Goyatz. Die Kleine Galerie Goyatz gibt den Auftakt zum Fontane-Jahr am Schwielochsee und zeigt Arbeiten von fünf Künstlern aus Lübben, Hamburg und Berlin. Von Ingrid Hoberg

Der Auftakt für das Fontane-Jahr 2019 ist gegeben. Karen Ascher und Sebastian Franzka aus Lübben haben gemeinsam mit „Frau Wolpertinger“, Heidi Schwemer und Christian Werner die Ausstellung  „Fontane total“ in der Kleinen Galerie Goyatz gestaltet. „Wir sind keine feste Künstlergruppe. Uns verbindet die gemeinsame Ausbildung an der Grafik-Design-Schule in Anklam“, erklärt Sebastian Franzka zu den befreundeten Künstlern, die in Hamburg und Berlin tätig sind.

Sie eint außerdem, dass sie sich mit dem 200. Geburtstag des Schriftstellers und der gesellschaftlichen Wahrnehmung auseinandergesetzt haben.

„Das ist doch der Hammer, wenn man diesen Titel hört“, stellt Kurator Peter Löwe gleich zu Beginn des Künstlergesprächs fest. Sebastian Franzka gibt stellvertretend für alle Beteiligten, insbesondere für seine Frau Karen Ascher, Auskunft über das Projekt. Sie habe gemeinsam mit Peter Löwe die Idee für dieses Thema gehabt und sich dafür eingesetzt, dass es trotz eines engen Zeitrahmens umgesetzt wurde.

Nach den Erfahrungen mit dem Ludwig-Leichhardt-Jahr, zu dem in der Kleinen Galerie die Ausstellung „Herr Leichhardt geht“ gezeigt wurde, und dem Luther-Jahr 2018 ist es nun Theodor Fontane (1819 – 1898), der im kulturell-medialen Mittelpunkt steht. „Ich kann mich noch erinnern, wie viele Informationen es im Luther-Jahr gab. Es waren zu viele!“, stellt Sebastian Franzka  fest. „Wir arbeiten beide im Kulturbereich und erleben mit, was zu den Jubiläen passiert, wie die Namen benutzt werden“, sagt er und gibt damit gleich einen Hinweis, wie es zu der inhaltlichen Auseinandersetzung bei „Fontane total“ gekommen ist.

 „Effi Briest“ auf der Gartenschaukel - eine Arbeit von Sebastian Franzka.
„Effi Briest“ auf der Gartenschaukel - eine Arbeit von Sebastian Franzka. FOTO: Ingrid Hoberg

Eine seiner Arbeiten zeigt „Effi Briest“ als Skelett auf der Schaukel – das schockiert. „Ich habe mich an meine eigene Effi-Briest-Zeit während der Schule erinnert und was davon geblieben ist. Es ist ein sehr persönliches Bild entstanden“, sagt der Lübbener. Er erzählt davon, dass er während des Arbeitsprozesses den Namen „Fontane“ schon nicht mehr hören konnte.

Vom Schokoriegel bis zur Oper, alles werde zum Fontane-Objekt. Und was wäre von Playmobil-Figuren im schwarzen Anzug zu halten? Eine endgültige Antwort mag der Künstler nicht geben. „Ich bin selbst mitten drin in der Vermarktung“, gibt Sebastian Franzka zu.

Eine seiner Monotypien zeigt Wanderstiefel mit dem Etikett „Fontane 200“, ein Acrylbild heißt „Fontane ist überall“. „Fontane aus der Dose“ nennt er eine Bleistiftzeichnung.

Von Karen Ascher ist beispielsweise der „Theodor-Wanderriegel“ zu sehen. Auf einem anderen Blatt heißt es: „Lies mehr Fontane“. Besucherin Sabine Schenke regt an, dass diese zeitkritische Ausstellung im Rahmen anderer Veranstaltungen gezeigt werden könnte – beispielsweise bei Lesungen.

Peter Löwe bezieht sich auf einen Artikel des Journalisten Tilman Krause, wenn er zitiert,  „dass es nur am Rande um Literatur geht“ im Fontane-Jahr. Es gehe vor allem um touristische Mehrwerte. Immerhin: Mit den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ habe Fontane selbst für die Region und ihre Menschen werben wollen.