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| 16:38 Uhr

Tourismusverein Lübben
Den Anschluss nicht verlieren

Kahnfahrten sind eine wichtige Säule des Tourismus in Lübben – bisher vor allem im Sommer. Steffen Goertz, neuer Vorsitzender des Tourismusvereins Lübben und Umgebung, plädiert für mehr touristische Angebote im Winter: „Der Bedarf ist da.“
Kahnfahrten sind eine wichtige Säule des Tourismus in Lübben – bisher vor allem im Sommer. Steffen Goertz, neuer Vorsitzender des Tourismusvereins Lübben und Umgebung, plädiert für mehr touristische Angebote im Winter: „Der Bedarf ist da.“ FOTO: Andreas Staindl
Arbeitskräftemangel und ein Bettenrückgang beschäftigen die Lübbener Tourismusbranche. Von Liesa Hellmann

„Es ist schwierig, den Tourismus in Lübben und Umgebung weiterzuentwickeln, aber es ist unbedingt notwendig, im Spreewald nicht zurückzufallen.“ Mit diesen Worten beschreibt Steffen Goertz die aktuelle Situation der Tourismuswirtschaft in und um Lübben. Goertz wurde im Frühjahr zum neuen Vorsitzenden des Tourismusvereins Lübben und Umgebung gewählt und ist nun gut 100 Tage im Amt.

Der Verein mit etwa 250 Mitgliedern sieht seine Hauptaufgabe darin, die Interessen der Touristiker zu vertreten. „Wir unterstützen bei der Umsetzung von Investitionsvorhaben und informieren beispielsweise über Fördermöglichkeiten und baurechtliche Vorgaben. Außerdem sind wir in Tourismusfragen Ansprechpartner für die Stadtverordneten“, erkärt Goertz.  Die Lobbyarbeit sei wichtig, da der Tourismus- und Gastronomiesektor einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Region ist. „Etwa 1000 Menschen sind direkt im Tourismus beschäftigt. Für die privaten Vermieter ist er aber auch ein zweites Standbein.“ Zu ihnen gehört Steffen Goertz selbst: Aus einer Familie von Kahn-Fährleuten stammend, vermietet er in Lübben eine Ferienwohnung. In den Familien- und Kleinbetrieben sieht der Lübbener eine wichtige Säule für den Erhalt des Spreewaldes: „Wir betreiben einen sanften Massentourismus, und das ist auch gut so. Jeder Vermieter kümmert sich individuell um den Erhalt des Spreewaldes als Kulturlandschaft, denn wir Touristiker leben vom Ruf der Region.“ Deshalb engagiere sich der Verein in Gremien, die sich mit dem Erhalt von Gewässern und Schleusen auseinandersetzen.

Steffen Goertz ist Vorsitzender des Tourismusvereins.
Steffen Goertz ist Vorsitzender des Tourismusvereins. FOTO: Andreas Staindl

Der Tourismus im Spreewald ist über die Jahre stetig gewachsen – kann und soll es aus Sicht der Tourismusvereins immer so weitergehen? Goertz beobachtet derzeit eher einen umgekehrten Effekt: „Im Moment fallen in Lübben mehr Betten weg als neu hinzukommen. Es gibt derzeit einen Generationswechsel im Sektor, und viele Kleinanbieter haben keine Nachfolger.“ Der Tourismusverein befürchtet deshalb für die nächsten Jahre „einen drastischen Rückgang der Betten im mittleren Standardsegment“. Das müsse in der Stadtplanung berücksichtigt werden. In anderen Orten in der Region, etwa in Burg oder Schlepzig, sei diese Entwicklung nicht zu beobachten.

Ein zweites großes Problem in der Branche sei der Arbeitskräftemangel im Gastronomie- und Übernachtungsgewerbe. „Manche Restaurants arbeiten bereits mit verkürzten Arbeitszeiten oder legen Ruhetage ein.“ Goertz sieht die Gründe dafür weniger bei der Attraktivität von Berufen wie Köchen, Kellner oder im Zimmerservice. „Die Attraktivität wurde bereits durch flexible Arbeitszeiten oder fest planbaren Urlaub gesteigert. Es ist vielmehr ein demografisches Problem.“ Dennoch müsse Lübben sein touristisches Angebot in bestimmten Sektoren ausbauen, um interessant für Gäste und Arbeitskräfte zu bleiben: „Im Moment gibt es nicht genügend Investitionsvorhaben in Lübben. Wir sollten das weihnachtliche Angebot mehr mit dem Wasser verbinden. Auch das gastronomische Netz müsste dringend ausgebaut werden. Davon profitieren auch die Lübbener Einwohner.“