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Ausbildungsmarkt wird zum heißen Eisen

Lübben. Nach Jahren mit eher höherer Arbeitslosigkeit kippt der Arbeitsmarkt in Lübben und Luckau nun ins andere Extrem. Mit vier Prozent Arbeitslosigkeit liegt der Luckauer Raum schon im Bereich der Vollbeschäftigung. Ingvil Schirling

Lübben liegt bei fünf Prozent, Königs Wusterhausen bei 4,4 Prozent - damit ist Luckau der Spitzenreiter im Süden Brandenburgs. Der Durchschnitt im Arbeitsamtsbezirk Cottbus liegt bei 7,2, in Dahme-Spreewald bei 4,5 Prozent.

Damit sind die Aussichten für Bewerber so gut wie lange nicht. Die Zahlen machen aber auch deutlich, "warum es derzeit so schwierig ist, die Arbeitsstellen zu besetzen", spielt Boris Müller auf die sich verschärfende Problematik des Fachkräftemangels an. Er ist Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit im Geschäftsstellenverbund Dahme-Spreewald, der Lübben, Luckau und Königs Wusterhausen umfasst. Akut wird die Situation derzeit allerdings eher beim Ausbildungsmarkt. Auch da sprechen die Zahlen eine klare Sprache: Es gibt mit 3,8 fast vier Prozent weniger Bewerber als im Vorjahr (nämlich 750 statt 780 im Landkreis Dahme-Spreewald), aber mit 4,8 fast fünf Prozent mehr Stellen (exakt 874 statt 834). "Die Schere klafft immer weiter auseinander", sagt Boris Müller. Eine Rolle spielt natürlich auch, dass nicht jeder Bewerber auch auf eine Stelle passt.

"Die Arbeitgeber müssen sich attraktiv machen auch für Bewerber aus dem Berliner Raum", schlussfolgert Müller. Beispiele gebe es, etwa den jungen Leuten das Monatsticket zu bezahlen. Er drängt auch, rechtzeitig zum Abschluss des Bewerberverfahrens zu kommen und nicht zu warten in der Hoffnung auf den perfekten Azubi. Ohnehin "müssen wir mit den Bewerbern arbeiten, die wir haben", weist der Bereichsleiter auf Fördermöglichkeiten von der Arbeitsagentur hin. Dazu gehören mittlerweile nicht nur schlicht und ergreifend Nachhilfestunden, sondern auch sozialpädagogische Unterstützung, wenn es beispielsweise "an der Motivation hakt".

Ein großes Problem sieht er darin, dass viele Zehntklässler sich doch fürs Abitur statt für die Lehre entscheiden - zunächst ohne die klare Absicht, danach auch studieren zu wollen. Aus Sicht des Ausbildungsmarktes wird das bei zurückgehenden Bewerberzahlen zum Problem. "Der mittlere Schulabschluss nach der zehnten Klasse wird leider zu Unrecht unterschätzt", kritisiert Müller. Aus seiner Sicht hätten Arbeitgeber zu dieser Entwicklung beigetragen, indem sie Abiturienten bevorzugt einstellten, als es noch eine großzügige Auswahl an Bewerbern gab.

Wer am Ende des Tages keinen passenden Auszubildenden findet, so Müller, könne sich durchaus bei der Agentur für Arbeit nach Umschülern erkundigen. Es gebe ein extra Förderinstrument namens "betriebliche Einzelumschulung", bei dem die Vergütung für den Azubi "in hohem Maße anrechnungsfrei" sei. Bereichsleiter Müller schätzt ein: "Finanziell ist diese Sache gar nicht so ungünstig." Der junge Erwachsene müsse allerdings nochmals die Schulbank drücken und den Abschluss bestehen, wenn er sich für eine Umschulung entscheidet.

Zum Thema:
Aktuell sind in Luckau 880 Menschen als arbeitssuchend gemeldet, in Lübben sind es 1500. Der Rückgang zum vergangenen Jahr ist insbesondere in der Spreewaldstadt mit weiteren 13,1 Prozent deutlich ausgefallen. Langzeitarbeitslos sind in Lübben 327, in Luckau 176 Männer und Frauen.