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Landwirte verweisen auf mögliche Konflikte
Ausbau Bukoitza: Vorhaben mit Achtungszeichen

Dirk Minkwitz will an der Bukoitza ein Gästehaus mit Ferienwohnun-
gen  errichten.  Der  Bebauungsplan  wird  nun  ausgelegt.
Dirk Minkwitz will an der Bukoitza ein Gästehaus mit Ferienwohnun- gen errichten. Der Bebauungsplan wird nun ausgelegt. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Nein, von Gegenwind oder Kritik kann man nicht sprechen. Aber das Vorhaben, die früher sehr beliebte Ausflugsgaststätte an der Bukoitza wiederzubeleben und ein Gästehaus mit Ferienwohnungen zu errichten, ist seit der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in Lübben mit einem Achtungszeichen versehen. Eines, das – hoffentlich – im Protokoll steht und auf das Andreas Bulligk von der Agrargenossenschaft Radensdorf nachdrücklich hingewiesen hat. Von Ingvil Schirling

Dabei steht er dem Vorhaben „grundsätzlich positiv“ gegenüber, betonte er. Doch was, wenn sich ruhesuchende Gäste vom frühmorgendlichen Treckerlärm gestört fühlen? Denn Fakt ist: Das Haus, das vom Verfall bedroht war und vom Investor bereits gesichert ist, steht direkt an der einzigen Zufahrt von Radensdorf zu den Wirtschaftsgebäuden, Ställen und Flächen der Agrargenossenschaft im Spreewald. Der Betrieb hat sehr viele Kühe und bewirtschaftet große Flächen. Entsprechend ausgelegt ist die Technik. Die großen Traktoren sind nicht gerade leise, und gefahren wird, der Frischmilch wegen, auch nachts.

Zwar drückte sich Agrargenossenschafts-Chef Andreas Bulligk in der Stadtverordnetenversammlung deutlich gewählter aus. Doch ihn und seine Mitarbeiter treibt die Befürchtung um, dass die Gäste, angelockt vom Versprechen einer stillen Fließlandschaft, salopp gesagt vor Sonnenaufgang von den vorbeidonnernden Traktoren aus dem Bett geworfen werden. Unabhängig von der Geschwindigkeit sind die PS-starken Motoren einfach laut.

Seit 1990 wirtschaftet die Agrargenossenschaft Radensdorf im Spreewald, und das möchte sie auch weiterhin tun. Von Anfang an sei man mit Investor Dirk Minkwitz aus Lübben im engen Kontakt. Zur Sicherheit regte Andreas Bulligk an, „in den Bebauungsplan eine Rechtssicherheit einzubauen, dass wir dort nicht eingeschränkt werden“ - falls es künftig Beschwerden der Gäste geben sollte.

Dieser Bebauungsplan, kurz B-Plan, lag den Stadtverordneten vor. Sie fassten in der jüngsten Sitzung den Beschluss zur Offenlegung – einstimmig. Unter den Abgeordneten „herrscht grundsätzlich Konsens, dass die Wiederbelebung der beliebten Ausflugsgaststätte begrüßt wird“, machte Wolfram Beck (Pro Lübben) deutlich.

Das Ansinnen von Andreas Bulligk sollte auf sein Drängen auch ins Protokoll aufgenommen werden. Doch in der Sache sind diese Bedenken kein Fall für Festschreibungen im B-Plan, sondern sollten eher Gegenstand einer privatrechtlichen Vereinbarung zwischen Agrargenossenschaft und Investor sein.

Andreas Rieger (CDU/Grüne) sprach sich dafür aus, „darauf hinzuwirken, dass eine solche geschlossen wird. Wir als Stadtverordnete können großes Interesse daran bekunden, und das sollte die Verwaltung auch tun“, mahnte er. Bürgermeister Lars Kolan (SPD) reagierte darauf so: „Wir können das natürlich unterstützen und darauf hinweisen, dass solch eine Vereinbarung dienlich sein könnte. Aber letztlich müssen sich die beiden einig werden.“ Reinhard Krüger (Die Linke) warf ein: „Der Investor sagt, dass es keine Veranlassung gibt zu befürchten, dass es Streit geben könnte.“ Er war in der Stadtverordnetenversammlung anwesend, meldete sich aber nicht zu Wort.

In den Stellungnahmen zum Vorentwurf vom Januar hat sich die Agrargenossenschaft bereits eindeutig geäußert: Sie „unterstützt das Vorhaben“, heißt es wörtlich. „Der landwirtschaftliche Verkehr, insbesondere zur Erntezeit, muss von den Gästen auf Bukoitza jedoch toleriert werden. Auch nachts sind (Milch-)Fahrzeuge unterwegs. Dies sollte im B-Plan oder Durchführungsvertrag verankert werden, um Streitigkeiten vorzubeugen.“

57 Seiten umfassen die Stellungnahmen zum Vorentwurf, weitere 35 Seiten der vorhabenbezogene Bebauungsplan, dessen Offenlegung nun beschlossen wurde. Auch dazu können Stellungnahmen abgegeben werden.

In den bisherigen Planungen und der frühzeitigen Behördenbeteiligung wurde das ursprüngliche Vorhaben deutlich reduziert und umfasst nun 35 Gaststättenplätze auf 90 Quadratmetern Gastraumfläche und ein Apartmenthaus mit zehn Ferienwohnungen.