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| 09:53 Uhr

Aus dem Gröbsten raus

Schönwalde.. "Partner und Freunde der Familie" , wie Amtsdirektor Carsten Saß es formulierte, hatte sich das Amt Unterspreewald zur Feier seines zehnjährigen Bestehens am Mittwochabend in die Schönwalder Turnhalle eingeladen. Dort wurden eineinhalb Stunden lang Reden geschwungen, Banner und eine Fahne an die Freiwilligen Feuerwehren übergeben, wurde ein reichhaltiges Buffet gestürmt und bei Plaudereien und hintergründigen Gesprächen beisammengesessen. Von Ingvil Schirling

Einem Kindergeburtstag setzte Carsten Saß das Jubiläum gleich, und zwar einem zehnten - ein Alter, in dem das Kind die unvermeidlichen Kinderkrankheiten weitgehend überstanden hat, aus dem Gröbsten raus ist und neuen Herausforderungen entgegengeht. Mit diesem Vergleich schuf er sich die Möglichkeit, Eltern (den Vertretern der Gemeinden und den Ortsteilen), dem Geburtshelfer (dem Innenministerium) und eben den Freunden und Förderern des Amtes die Ehre zu erweisen. Gleichzeitig konnte er die Geschichte des "Kindes" Unterspreewald aus anderem Blickwinkel erzählen und die Fragen beantworten, die auf jedem Kindergeburtstag gestellt werden. Wo die Interessen liegen (Tourismus, Naturschutz, Zusammenarbeit mit Gemeinden, Vereinen und Kirchen, Förderung des ehrenamtlichen Engagements, transparente Gestaltung des gemeindlichen Lebens und sachliche Zusammenarbeit), was es geleistet hat (die Integration der Gemeinden als wichtigster Punkt) und ob es ein kerngesundes Amtes geworden ist. Das könnte man denken, führte Saß weiter aus, "aber schauen sie sich mal die Kämmerin an" . Damit verwies er auf die desolate Finanzlage der Kommunen, die sich immer weiter verschlechtere.

Wichtig: Gemeinsinn stärken
Daraus weiterhin das Beste zu machen und vor allem "den Gemeinsinn zu stärken, halte ich für eine der wichtigsten Aufgaben in den nächsten Jahren" , schloss Saß. Kämmerin Ingeborg Freigang, die seit der ersten gemeinsamen Amtsausschussitzung am 2. November 1992 stellvertretende Amtsdirektorin ist, wurde von verschiedenen Seiten anerkennend erwähnt - und das nicht nur, weil sie trotz der engen Haushaltslage das fleischhaltige Buffet ermöglicht hatte. Warmherzig tat dies vor allem Markus Grünewald, der von 1993 bis 2000 Amtsdirektor war. Die Anfänge des Amtes seien auch seine beruflichen Anfänge gewesen, sagte er. An den sehr persönlichen Erinnerungen, die er an diese Zeit hat, ließ er die Gäste humorvoll und mit einer Prise Selbstironie teilhaben. Wie schwierig die ersten Jahre waren, zeigte er mit einer langen Liste voller Zustände auf, die heute kaum vorstellbar sind. Drei Amtsdirektor-Wahlen waren nötig, und anschaulich schilderte Grünewald die Pein seines Vorstellungsgesprächs mit den Amtsausschussmitgliedern im Ho chsommer in einem engen Raum. Die Situation habe dem entsprochen, was er sich als Szenario des schlimmsten Falles ausgemalt habe.

Heimatgefühl eines "Verblichenen"
Grünewald unterhielt aber auch mit Kleinigkeiten am Rande, zum Beispiel, dass er in den frühen 90ern den Trabi von Georg Graf, dem ersten Amtsausschussvorsitzenden, abgeschleppt hat. Dieser kam etwas später als vorletzter der Grußwort-Redner zum Zuge, zu denen auch Amtsausschussvorsitzender Rainer Kleemann, Stephan Loge als stellvertretender Landrat, Gottfried Vogler als langjähriger Amtsausschussvorsitzender sowie PDS-Abgeordnete und Einwohnerin im Amt Unterspreewald Karin Weber zählten.
Grünewald erwähnte weiter die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Amtsausschuss und den Bürgermeistern. "Ich bin sehr dankbar dafür im Nachhinein" , sagte er. Hier habe sich für ihn so etwas wie Heimatgefühl entwickelt, obwohl das ihm als "Verblichenem" kaum zustehe.
Als "Liebeserklärung an das Amt" wollte er seine Worte verstanden wissen. Um dessen Zukunft sei er nicht bange und verwies auf die hier stagnierenden Einwohnerzahlen, verglichen mit der Abwanderung ringsum. "Vivat, crescat, floreat" wünschte er dem Amt schließlich: Es möge leben, wachsen und gedeihen.