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Sorbisches Nationalensemble
Auf Spurensuche der Auswanderer

Das sorbische Nationalensemble begeisterte mit seiner aktuellen Version der Vogelhochzeit am Sonntag in Neu Zauche. Am Ende gab es tosenden Beifall nach einer farbenfrohen Inszenierung auf der Bühne.
Das sorbische Nationalensemble begeisterte mit seiner aktuellen Version der Vogelhochzeit am Sonntag in Neu Zauche. Am Ende gab es tosenden Beifall nach einer farbenfrohen Inszenierung auf der Bühne. FOTO: Andreas Staindl
Neu Zauche. Sorbisches Nationalensemble präsentiert sich in spielerischer Form in Neu Zauche.

Sorben gibt es nicht nur in der Lausitz. Sie sind in der ganzen Welt heimisch. Das sorbische Nationalensemble hat sich auf die Spurensuche sorbischer Auswanderer begeben. Nicht mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas, sondern mit einer spielerischen Umsetzung.

Die diesjährige Vogelhochzeit des Ensembles erzählt von Sorben, die aus der Lausitz ausgewandert sind, um auf anderen Kontinenten besser leben zu können. Etwa 5000 Lausitzer Sorben sollen es gewesen sein, etwa die Hälfte davon aus der Niederlausitz.

Mitte des 19.Jahrhunderts hatte die europäische Auswanderungsbewegung auch die Lausitz erfasst. Handwerk und Landwirtschaft konnten die Menschen nicht mehr ernähren. Doch wohin hat es die Sorben verschlagen? Wie leben sie dort? Und vor allem, sind sie glücklich in ihrer zweiten Heimat, erinnern sie sich an ihre Wurzeln? Das sorbische Nationalensemble gibt mit der aktuellen Version der Vogelhochzeit Antworten darauf. Der Text stammt von Wito Bejmak, Marian Bulang führt Regie, die Musik kommt aus der Feder von Andreas Papst. Mia Faccinelli und Kornel Kolembus verantworten die Choreografien.

Das Stück wurde am Sonntagnachmittag im Gasthaus „Zum Oberspreewald“ in Neu Zauche (Lieberose-Oberspreewald) aufgeführt. Der Saal war voll. Etwa 100 Gäste waren während der gespielten Reise um die Welt dabei. Sie folgten quasi den Spuren der Sorben. Michael Ziesch übernahm für das Publikum die Spurensuche. Tomas heißt er in dem Stück, ist unverheiratet und leicht frustriert. Er macht sich auf die Suche nach seinem Onkel Juri, der mit 19 Jahren ausgewandert ist. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm, allerdings den Hinweis, dass er den Spuren des sorbischen Missionars Johann August Mirtschink gefolgt ist.

Für Tomas beginnt eine spannende Reise-gemeinsam mit der charmanten Pilotin, gespielt von Helena Büttner. Beide landen fiktiv bei den Eskimos, erleben die Kultur, Sitten und Bräuche der Labrador-Inuit. Die weitere Reise führt sie nach Iowa in den USA. Etwa 200 wendische Dorfbewohner, vorwiegend aus Drachhausen (Spree-Neiße), sollen sich um 1900 dort niedergelassen haben.

Geblieben – das wurde in dem Stück deutlich – sind Küchenrezepte aus der Lausitz, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Die aktuelle Vogelhochzeit erzählt auch von den Sorben, die inzwischen als Weinbauer in Australien leben. Vorwiegend Niedersorben sind auf diesen Kontinent übergesiedelt. Schauspieler des Ensembles schlüpften in die Rollen der einstigen Auswanderer. Inspiriert von deren Geschichte präsentierten sie eine unterhaltsame Weltreise mit Einblicken, wie sorbische Traditionen und Bräuche auch fern der Lausitz bis heute weiterleben.

Die Vogelhochzeit als ein zentrales Volksfest der Sorben wurde zum Schluss auch noch gefeiert, und dass mit fiktiven Nachfahren sorbischer Auswanderer. Mit Tanz, Musik und Gesang begeisterten Chor, Orchester und Ballett das Publikum am Sonntagnachmittag in Neu Zauche. Die Besucher applaudierten so heftig und lautstark, dass die Akteure um eine Zugabe nicht herum kamen. Fast zwei Stunden lang haben die Mitwirkenden vor, auf und hinter der Bühne ihre große Professionalität bewiesen. Termine weiterer Aufführungen gibt es unter www.sne-bautzen.de im Internet.