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Auf Paul Gerhardts Spuren

Die Gäste der RUNDSCHAU-Sommertour haben gestern auch das Paul-Gerhardt-Zentrum in Lübben besucht. Sie sind auf insgesamt drei Stationen auf den Spuren des Liederdichters gewandelt.
Die Gäste der RUNDSCHAU-Sommertour haben gestern auch das Paul-Gerhardt-Zentrum in Lübben besucht. Sie sind auf insgesamt drei Stationen auf den Spuren des Liederdichters gewandelt. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben. Paul Gerhardt hat Spuren in Lübben hinterlassen. Pfarrer Olaf Beier hat bei der gestrigen Sommertour das Wirken des Theologen und Liederdichters Paul Gerhardt aufgezeigt. Andreas Staindl / asd1

Etwa 20 Leute waren dabei. "Ich bin sehr an der Geschichte unserer Stadt interessiert", sagt die Lübbenerin Christa Meißner. "Ich habe heute viel Neues erfahren. Der Pfarrerr hat das Wirken Paul Gerhardts in Lübben und dessen Bedeutung für die Reformation sehr gut rübergebracht."

Paul Gerhardt war ein Wegbereiter der Reformation. Er hat sich trotz des Todes von vier seiner fünf Kinder von Gott angenommen gefühlt, wie Olaf Beier sagt. Auch deshalb sei er für viele Menschen authentisch.

Der Liederdichter wurde 1607 in Gräfenhainichen geboren. Über verschiedene Stationen führte sein Weg schließlich 1669 nach Lübben. Bis zu seinem Tod 1676 war er in der Spreewaldstadt als Pfarrer tätig. Er ist im Altarraum der evangelischen Kirche am Markplatz beigesetzt. Seine Lieder halten die Erinnerung an ihn wach. "Paul Gerhardt hat es geschafft, die Menschen zu berühren", sagt Olaf Beier. "Er hat Martin Luthers Gedanken in einfache und verständliche Worte gefasst, sie den Menschen damit näher gebracht." Gerhardts Lieder werden weltweit gesungen. "Geh aus, mein Herz, und suche Freud" ist eins davon. Die Teilnehmer der -Sommertour haben zu Beginn des Rundgangs fünf Strophen gesungen.

Johannes Leonardy hat den Gesang mit der Orgel begleitet. Der Kantor nutzte die Gelegenheit, um den Gästen das imposante Musikinstrument vorzustellen. Ihm zufolge gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert eine Orgel. Die damalige Orgel hatte den Lübbenern allerdings "mehr als 200 Jahre sehr viele Kopfschmerzen bereitet". "Das Instrument war laufend kaputt", so der Kantor.

Mitte des 19.Jahrhunderts wurde es abgerissen und durch eine neues ersetzt. Das heutige Gehäuse stamme noch aus jener Zeit. Auch die neue Orgel sei sehr störanfällig gewesen. Sie wurde 1906 von Alexander Schuke aus Potsdam durch ein neues Instrument ersetzt, das 1997 restauriert wurde.

"Unsere Orgel hat einen wunderbaren Klang und ist ein richtiges Schmuckstück", sagt Johannes Leonardy. Die Teilnehmer konnten sich davon, und von den weiteren Schätzen im Gotteshaus überzeugen. Altar, Kanzel und Taufstein etwa waren schon vorhanden, als Paul Gerhardt in Lübben gewirkt hatte.

Das Gotteshaus trägt seit 1930 dessen Namen. Die Geschichte Paul Gerhardts ist im gleichnamigen Informationszentrum nachvollziehbar. In einem Kellergewölbe ganz in der Nähe der Kirche ist eine Dauerausstellung über den Theologen und Liederdichter zu sehen.

Der Förderverein der Kirchengemeinde hat das Projekt auf den Weg gebracht. "Eine sehr informative Ausstellung", sagt Christa Meißner. "Ich komme wieder und schaue sie mir noch einmal in Ruhe an. Besucher werde ich künftig auf das Paul-Gerhardt-Zentrum hinweisen." Auch Helmut Wehlisch aus Groß Leine (Märkische Heide) hat die zweite Station der gestrigen Sommertour gefallen. "Paul Gerhardts Geschichte ist schon sehr interessant."

Noch mehr hat ihn der Turm an der Paul-Gerhardt-Kirche gereizt. "Den wollte ich unbedingt mal besteigen." Gestern war Gelegenheit dazu. Die Türmerin Vera Städter nahm die Gäste die 115 Stufen mit nach oben. Natürlich nicht, ohne zuvor einen Gehilfen zu benennen. Stefan hatte sich freiwillig gemeldet. Der junge Mann bekam die "Gehilfe-Mütze" auf den Kopf und den Schlüssel in die Hand. Er durfte die Tür aufschließen, und nachdem alle Gäste durchgegangen sind von innen verriegeln. Und er wurde von der Türmerin beauftragt, die Stufen bis nach oben zu zählen. Die gesamte Gruppe wurde in 22 Meter Höhe mit einem herrlichen Ausblick über die Dächer der Stadt Lübben und in die Spreewaldlandschaft belohnt. Interessantes über die Geschichte der Kreisstadt gab es von Vera Städter inklusive.