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| 15:24 Uhr

Grabungen laufen
Auf den Spuren der Vergangenheit

Seit etwa zwei Wochen sind Archäologen auf dem Baufeld am Lübbener Brückenplatz wieder zugange. Bisher haben sie hauptsächlich neuzeitliche Keller sowie Erdspuren und Feldsteine aus dem Mittelalter freigelegt.
Seit etwa zwei Wochen sind Archäologen auf dem Baufeld am Lübbener Brückenplatz wieder zugange. Bisher haben sie hauptsächlich neuzeitliche Keller sowie Erdspuren und Feldsteine aus dem Mittelalter freigelegt. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Archäologen dokumentieren Funde am Brückenplatz in Lübben und schürfen dabei tief. Von Ingvil Schirling

„Das wird schon sehr tief“, sagt Grabungstechniker Curt Hilbrig. Fast beiläufig greift er dabei in die senkrecht hochstehende Sandkante, zieht zielsicher eine Scherbe heraus. „Innen glasiert, außen nicht“, bemerkt er über das laubbraune, bauchige Triangel und schätzt: „Mittelalter“. Dann fält sein Blick auf eine weitere Scherbe, die etwa einen halben Meter höher im gleichen, mannshoch ausgeschachteten Sandberg steckt: Auch sie sei aus dem Mittelalter, sagt er augenzwinkernd. Aber wie kommt eine Scherbe aus einer ähnlichen Zeit von der tieferen in die höhere Schicht? „Auch die Menschen der Neuzeit haben gegraben“, erklärt er. Und so finde man Überbleibsel aus dem selben Zeitraum in unterschiedlichen Bodenschichten.

Die Fläche neben dem Brückenplatz in Lübben liegt verträumt in der Herbstsonne. Studentin Anastasia Stevens fegt akribisch eine Mauer frei. Sand und Erde unterschiedlicher Farbgebungen zeigen sich an der Straßenseite, die mit dicken Doppel-T-Trägern abgestützt ist. An der Südseite zeigen sich die Reste eines neuzeitlichen Kellergewölbes, daneben Feldsteine aus dem Mittelalter.

Dahinter, in Richtung Trutzer, liegt eine tiefe Grube aus beigefarbenem Sand, in der – nichts – ist. Diese „Mitte der Baugrube ist tiefgründig enttrümmert worden“, sagt Grabungstechniker Curt Hilbrig. „Da wurden alle alten Spuren herausgerissen.“ Warum, weiß im Moment niemand. Der Fundort ist damit „tiefgründig gestört“, die Fragen, die sich dazu stellen, sind offen. Mit schwerem Gerät muss vor vielen Jahren dort gearbeitet worden sein. Viel Hoffnung, doch noch wegweisende Funde zu machen, hat der Grabungstechniker nicht.

Für Hinweise ist er dankbar, vor allem für Fotos, die diese Straßenseite der Brauhausgasse mit ihrer früheren Bebauung zeigen. „Das wäre interessant“, sagt er, und würde bei der Suche nach Spuren aus der Vergangenheit helfen. Die Reste von vier Häusern hat er gefunden. Wo keine Keller zu sehen sind, befinden sich ältere Befunde, die bis ins Mittelalter reichen, zu erkennen an der dunklen Humusschicht.

In den nächsten Arbeitsschritten geht es dann in die Tiefe. Gesichert durch eine Stützwand – Holzbohlen werden in die T-Träger eingezogen – soll die Baugrube weiter abgetieft werden. Bis auf 3,70 bis vier Meter soll es hinab gehen. Vielleicht ist doch noch etwas zu finden aus der mittelalterlichen Zeit in Lübben? Die Archäologen hoffen es.

Offen liegen aktuell Kellergewölbe aus dem 18./19. Jahrhundert. Zu erkennen sind mehrere Bauphasen. Diese werden nun dokumentiert. Denn wenn der Bau der Wohn- und Geschäftshäuser beginnt, müssen die Spuren aus der Vergangenheit weichen.

Besondere Funde wie diese Ziegel werden zur Seite gelegt.
Besondere Funde wie diese Ziegel werden zur Seite gelegt. FOTO: LR / Ingvil Schirling