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| 17:57 Uhr

Erlebbare Heimatgeschichte im Spreewald
Auf den Spuren der alten Pferdebahn von Goyatz nach Cottbus

 Zu einer Wanderung mit Picknick und Osterüberraschung für Kinder sind 60 Natur- und historisch Interessierte bei Byhleguhre am Karfreitag unterwegs gewesen.
Zu einer Wanderung mit Picknick und Osterüberraschung für Kinder sind 60 Natur- und historisch Interessierte bei Byhleguhre am Karfreitag unterwegs gewesen. FOTO: Ingrid Hoberg
Byhleguhre. Auf den Spuren der Heimatgeschichte: Der Betrieb der Pferdebahn von Goyatz nach Cottbus ist wieder aufgenommen - als geführte Wanderung. Von Ingrid Hoberg

Als Ludwig Leichhardt 1844 in Australien zu seiner ersten Expedition aufbrach, tat sich auch in seiner Heimat Bahnbrechendes für das regionale Verkehrswesen. Cottbuser Kaufleute hatten eine Aktiengesellschaft gegründet und die Genehmigung für die Cottbus-Schwielochsee-Eisenbahn (CSE) erhalten. Fast 173 Jahre ist es jetzt her, dass der erste Lastzug, gezogen von Pferden, die Strecke Goyatz – Cottbus befuhr.

Cottbus war damals verkehrstechnisch von den schon vorhandenen Dampfeisenbahnen abgehängt. Die Strecke Berlin – Görlitz über Cottbus wurde erst 1866/67 eröffnet. Und so ließen sich findige Kaufleute etwas einfallen – sie setzten auf ein zu dieser Zeit verbreitetes Transportmittel, die Pferdebahn. So konnten Waren effizienter als auf den schlechten vorhandenen Wegen zum Schwielochsee transportiert werden. In Goyatz wurde dann auf Kaffenkähne umgeladen. Eine Flotte von neun solchen Kähnen betrieb zu Leichhardts Jugendzeit auch sein Vater Hieronymus.

Diese spannenden geschichtlichen Zusammenhänge sind in der Region bisher wenig bekannt und auch nicht touristisch genutzt. Daran möchten Isabell Hiekel und weitere Mitstreiter vom Förderverein Nationalpark Lieberoser Heide etwas ändern. Und der Dorfverein Byhleguhre unterstützt dieses Anliegen, die Geschichte der Pferdeeisenbahn bekannter zu machen.

So ist im Zuge einer fachlichen Diskussionsrunde Anfang März im Alten Konsum die Idee entstanden, Karfreitag zu einer Osterwanderung entlang der damaligen Bahntrasse einzuladen. Im Wald bei Byhleguhre kann die Strecke von Fehrow bis Goyatz noch nachverfolgt werden – auch wenn die Schienen und Anlagen längst zurückgebaut sind. Bereits 1879, nach 33 Jahren, ist der Betrieb wieder eingestellt worden. In der heutigen Berliner Straße 130 hatte sich bis dahin der Cottbuser Packhof befunden.

60 Teilnehmer aus Byhleguhre, aber auch aus der Region von Cottbus bis Lübben waren der Einladung gefolgt und machten sich auf den rund acht Kilometer langen Weg. Der Dorfverein um Jutta Vogel hatte die Organisation von der Anmeldung über den Transport bis zum Picknick übernommen. Für die fachliche Begleitung sorgten Isabell Hiekel, Uwe Aust und Gustav Daniel vom Förderverein – eine gelungene Arbeitsteilung. Unterwegs stieß Revierförster Romeo Buder zu den Wanderern und hatte Interessantes zur Waldentwicklung parat.

Hoch auf dem grünen Wagen, gezogen von einem starken Traktor, fuhr ein Teil der Wanderer bis zur Schneise, von der aus es mit der Pferdeeisenbahn rund 15 Kilometer zur Station nach Cottbus und rund 16 Kilometer nach Goyatz waren, wie Isabell Hiekel erläutert. Uwe Aust hatte sogar ein Streckenmessgerät mitgenommen, um seine eigene Messung vorzunehmen. Er verwies darauf, dass es eine Differenz bei der in der Konstruktion geplanten Länge von 31 410 Metern zur tatsächlich gebauten Strecke von 31 271 Metern gibt. Am Goyatzer Hohlweg sei von der Planung aufgrund der örtlichen Gegebenheiten abgewichen worden.

Anhand des Bodenreliefs und mit historischen Karten kann der Verlauf der Pferdeeisenbahn noch immer genau nachvollzogen werden. „Was können wir damit tun? Wie kann diese Bahn wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückgeholt werden?“, fragte Isabell Hiekel. Sie sucht nach Ideen für die Zukunft. Sie forderte Interessierte auf, an der Projektentwicklung mitzuwirken.

Auf dem Damm der Spreewaldbahn, heute als Radweg ausgebaut, kamen die Wanderer auf dem Rückweg wieder am Alten Konsum in Byhleguhre an. Dort empfing Jutta Vogel die Teilnehmer und hatte schon den nächsten Termin parat. „Am Pfingstsonntag werden wir am Ortausgang Richtung Burg einen Heuschober bauen“, lud sie Besucher aus nah und fern bereits jetzt ein.