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| 14:25 Uhr

Von Muss-, Kann- und "Wäre-schön"-Projekten
Auf dem Weg zur Lieberoser Heide 4.0

Joachim Faßmann (l.) und Lucas Opitz haben ihre ersten Wochen als INA-Geschäftsführer genutzt, um vorhandene Ideen und Projekte zu sichten und zu ordnen. Aktuell arbeiten sie intensiv daran, für die Umsetzung erster Vorhaben Partner zu finden.
Joachim Faßmann (l.) und Lucas Opitz haben ihre ersten Wochen als INA-Geschäftsführer genutzt, um vorhandene Ideen und Projekte zu sichten und zu ordnen. Aktuell arbeiten sie intensiv daran, für die Umsetzung erster Vorhaben Partner zu finden. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lieberose. Die beiden neuen Geschäftsführer der Internationalen Naturausstellung (INA) haben gesichtet und geordnet, was bisher war. Nun stellen sie eine erste Sortierung vor. Von Ingvil Schirling

Stellen Sie sich vor, Sie wandern durch die Lieberoser Heide. Sie sehen einen kleinen Haufen, der aussieht wie die verblichene Hinterlassenschaft eines Hundes. Eines Hundes? Oder eher die eines Wolfes? Sie zücken Ihr Handy, fotografieren den Haufen, und laden das Bild hoch. Daraufhin erhalten Sie die Information: Ja, es ist Wolfskot, und übrigens: So sehen eine Wolfsspur und ein Tatzenabdruck aus (ein Bild erscheint), Sie befinden sich hier (eine Karte erscheint) und nach etwa fünf Kilometern mit dem Fahrrad kommen Sie in einem Dorf an, in dem es einen Bäcker mit Kaffee gibt.

Ungefähr so könnte es werden mit der Lieberoser Heide, wenn die Internationale Naturausstellung (kurz INA genannt) in vollem Schwung ist, sich vieles entwickelt hat und die Besucher digital und individuell durch das ehemalige Sperrgebiet geführt werden – so, dass sie sicher sind und die Natur gleichzeitig bewahrt und präsentiert wird.

Und genau dies könnte Teil der „Lieberoser Heide 4.0“ sein, ein Arbeitstitel, den die beiden neuen Geschäftsführer Lucas Opitz und Joachim Faßmann einem von mehreren Aspekten ihrer Arbeit für die INA gegeben haben: der digitalen Erschließung für diejenigen, die individuell mit dem Smartphone unterwegs sein wollen. Analoge Möglichkeiten mit Schild, Wanderhütte, Karte und Prospekt sind natürlich ebenfalls in Planung.

Beide haben gemeinsam, dass es bis dahin noch ein langer Weg ist. „2021 ist vom Tisch“, sagt Joachim Faßmann zu dem Jahr der eigentlichen Ausstellung, quasi dem Eröffnungsjahr, das zuletzt im Gespräch war. Und er sagt auch: „Die INA muss wachsen bis zu diesem eigentlichen Ausstellungsjahr. Das ist ein schrittweiser Prozess.“ Ob es am Ende das Jahr 2022 oder später wird, hängt dabei nicht zuletzt von Fördermitteln ab.

Einen wichtigen ersten Schritt aber haben Opitz und Faßmann getan.  Beide sind 29 Jahre alt und erst seit wenigen Monaten die INA-Geschäftsführer. Deren Entwicklung aber erstreckt sich nun schon über Jahre. Erste Aufgabe daher war es, alles zu sichten und zu ordnen, was bisher an Ideen und teilweise auch umgesetzten Projekten wie etwa dem Sukzessionspark bereits vorhanden ist. Faßmann und Opitz betonen, dass sie genau darauf aufbauen  – und keineswegs alles neu machen wollen.  In der Präsentation ihres aktuellen Arbeitsstandes haben sie daher unter anderem Projekte nach absolutem Muss geordnet, ohne die die INA nicht stattfinden kann, nach Soll-, Kann- und „Wäre schön“-Projekten.

Zu den Muss-Projekten gehört beispielsweise der Heideradweg, der die einzigartige, unzerschnittene Landschaft mit ihrer seltenen Natur von nord-südwärts erlebbar machen würde. Beginnend in Turnow, würde er nach Jamlitz führen und könnte von dort nach Weichensdorf (Oder-Spree) oder zum Schwielochsee fortgesetzt werden. Sieben Kilometer lägen in Spree-Neiße, 17 in Dahme-Spreewald. Die Finanzierung ist noch nicht ganz klar, doch der Heideradweg würde das Herz der Lieberoser Heide auf kürzestem Wege erlebbar machen.

Zu den Muss-Projekten gehört auch, die Moorlandschaft im Butzener Bagen zugänglich zu machen – ohne, dass sie zerstört wird. Opitz und Faßmann halten sich da strikt an die Aussage von Heiko Schumacher, der als früherer Projektleiter einiges für die INA getan hatte: „Alles zeigen, aber nicht überall.“ Ein Moorerlebnispfad wäre demnach dort am geeignetsten.

Auch der Aussichtsturm ist ein Muss, genau aus diesem Grund, aber auch, um mithilfe einer damit verbundenen Mobilfunkeinrichtung die Digitalisierung zu ermöglichen. Und diese wiederum wäre nicht nur eine echte Verbesserung für die Menschen, die in der Region leben, sondern würde auch die digitalen Aspekte von Lieberoser Heide 4.0 erst in greifbare Nähe rücken.

Zu einem Kann-Projekt dagegen ist die Ballon-Idee geworden. Hintergrund ist, die Landschaft zugänglich zu machen, ohne immer Bodenkontakt haben zu müssen – der Natur, aber auch der eigenen Sicherheit zuliebe. Denn nach wie vor liegt Munition unter der sandigen Oberfläche. Ballonflüge anzubieten, ist aber auch ein gutes Beispiel für die schrittweise Entwicklung der INA, wie Joachim Faßmann sie anspricht: Zuerst besteht vielleicht nur Interesse an einem, dann nehmen bei festen Zeiten möglicherweise mehrere das Angebot wahr, bis der ästhetische Genuss, mit mehreren unterwegs zu sein, erreicht wäre. Bis dahin ist noch ein langer Weg, doch ein erster Ballon könnte schon 2019 steigen. Das Ziel dieses Angebots ist es auch, die Größe der Heide begreifbar zu machen.

Ein mögliches Soll-Projekt ist Kunst im Sukzessionspark, ein „Wäre-Schön“-Vorhaben kleine Wanderhütten in der Einsamkeit oder in den Bäumen.

In einem der wichtigsten Muss-Projekte stecken beide aktuell mittendrin: der Vernetzung. Partner finden, die die INA bekannt machen, vor allem aber den Einwohnern genau erklären, was passiert und wie sie sich einbringen können. Das ist eines der obersten Ziele. Auch, weil sich daraus überraschende Ideen generieren, die von beiden eingeordnet begleitet werden. Lucas Opitz und Joachim Faßmann appellieren daher herzlich, auf sie zuzukommen, um mehr über die INA-Pläne zu erfahren. Zu finden sind sie in den INA-Räumen an der Mühlenstraße 20 in Lieberose.