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| 01:09 Uhr

Auf dem Gerüst nur sachte schunkeln

Neu Zauche.. Stimmung herrschte schon beim Aufstellen fürs Gruppenfoto der Neu Zaucher Fastnacht, noch bevor der Höhepunkt, der Umzug durchs Dorf, begonnen hatte. Kein Wunder, feierten die Neu Zaucher doch in diesem Jahr ein Jubiläum: Die 130. Fastnacht. Von Roswitha Jurrack

„Liane, bitte beeile dich ein bisschen. Die Ersten kippen schon fast ab da oben“ , ruft flehend Guido Hahn seiner moderierenden Partnerin Liane Peschke zu, die Pärchen auf Pärchen auf das für das Gruppenfoto aufgebaute, riesige Gerüst platziert.
„Guido, ich gehöre schon zur älteren Jugend, da geht das nicht mehr so flott. Wir haben es aber bald geschafft“ , kontert die junge Frau.
Es dauert seine Zeit, bis alle 115 Paare des 130. Neu-Zaucher Fastnachtsumzuges, die Fastnachts-Ältesten, die Trachtenfrauen und Kinder an der richtigen Stelle sind. Der Fotograf hat sich im ersten Stock des Gasthauses „Zum Oberspreewald“ einquartiert.
Als die Musiker der „Fröhlichen Hechte“ aus Lübbenau den Schneewalzer spielen und die ersten Pärchen auf dem Podest zu schunkeln beginnen, wird Liane Peschke unruhig. „Leute, wippt nicht so doll, wir müssen das noch über die Bühne bringen.“
Schon das Aufstellen zum Gruppenfoto ist ein Schauspiel jeder Neu Zaucher Fastnacht, das sich viele Schaulustige aus Nah und Fern nicht entgehen lassen. Während zuerst die Jugend von Liane Peschke und Guido Hahn aus der Riege der Organisatoren auf die oberste Etage dirigiert werden, schnacken die Älteren noch in aller Ruhe im Getümmel auf dem Brunnenplatz. So wie Fritzi Jank, Klara Popp und Christa Mietke, die in ihrer festlichen Kirchtracht erschienen sind. Die sei immer zum Kirchgang, aber auch zum Ball angelegt worden, erklären die Damen stolz.
Die Trachten haben sie schon von ihren Müttern geerbt. „Meine Jacke habe ich mir selbst genäht“ , berichtet Gertrud Schopka und ist wie ihre Nachbarinnen froh darüber, dass sie die Strecke des Umzuges in aller Ruhe auf dem Wagen chauffiert werden. „Das würden wir heute nicht mehr zu Fuß schaffen“ , sagt sie und bekommt einen freundlichen Schubs mit dem Hinweis, sich doch für ein Foto mal umzudrehen.

Speckspieß in der Hand
Ein paar Schritte weiter steht Werner Wilke, der Kiepenträger. „18 Jahre mache ich das nun schon“ , erzählt er, und das ohne Unterbrechung. „Na gut, die zwei Jahre bis zum 20. Mal mache ich noch voll. Dann werde ich den Job wohl meinem Sohn übergeben“ , gesteht er mit dem Blick in den Korb, den er symbolisch mit Eiern gefüllt trägt, in der Hand den Speckspieß für den Umzug.
Gespannt sieht sich das Spektakel auch Michaela Prell aus Straupitz an. „Ich bin selbst in unserem Dorf immer dabei, wenn Fastnacht ist. Die Tracht dafür habe ich von meiner Oma, die sie selbst genäht hat“ , sagt die junge Friseurin in spe. Und was hält die 17-Jährige von dieser Tradition? „In den Dörfern ist doch sonst nicht viel los“ , sagt sie. Da sei es selbstverständlich, dass man bei solchen traditionellen Veranstaltungen auch mitmacht.

Der Oma zuliebe
Das sehen auch Jennifer Prauka, Isabell Leo, Anja Bechtloff, Maximilian Trapp und Christoph Hoppe so. Sie sind zum ersten Mal in Neu Zauche dabei. „Oma wollte, dass ich hier mitmache“ , gesteht Christoph ganz offen. Die Neuntklässler haben sich zusammengetan und die Trachten von Freunden geborgt, damit sie in Neu Zauche dabei sein können.
„Liane, du musst aber auch noch auf das Podest“ , klingt es über das Mikro von Guido Hahn. Und schon ist die junge Spreewälderin auf dem Weg. „Die Frauen haken sich bei ihren Partnern ein“ , fordert sie ihrerseits ein letztes Mal alle Paare auf, nun endlich für das Foto bereit zu sein. Als das dann „im Kasten“ ist, begeben sich die fröhlichen Leute, inzwischen doch ganz schön durchgefroren, auf die Straße und nehmen Aufstellung zum Abmarsch durch das Dorf. In sicherer Begleitung von Polizei und Feuerwehr und in Stimmung gebracht von fröhlichen Musikanten marschieren sie nun durch ihr Heimatdorf.