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| 17:05 Uhr

Lübben
Stehender Beifall für „Baumeisterin“

Zahlreiche Gäste haben am Dienstag im Lübbener Haus Burglehn ASB-Geschäftsführerin Helga Meier (l.) offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Sozialamtsleiter Harald Lehmann überbrachte Blumen und Wertschätzung vom Landkreis Dahme-Spreewald.
Zahlreiche Gäste haben am Dienstag im Lübbener Haus Burglehn ASB-Geschäftsführerin Helga Meier (l.) offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Sozialamtsleiter Harald Lehmann überbrachte Blumen und Wertschätzung vom Landkreis Dahme-Spreewald. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. ASB-Geschäftsführerin Helga Meier im Haus Burglehn verabschiedet. Von Ingvil Schirling

26 Jahre hat Helga Meier an der Spitze des ASB Lübben gestanden – wie kann dieser lange Weg mit seiner Fülle an Meilensteinen beschrieben werden? Bei der gestrigen Verabschiedung im Haus Burglehn wurde ein einfacher, aber umso wirkungsvollerer Ansatz gewählt: Moderiert von Sven Meier als Nachfolge-Geschäftsführer kamen im Dialog Weggefährten, enge Mitarbeiter, Vertraute und Familie zu Wort. Dass streckenweise kein Auge trocken blieb, so manches Heilsame formuliert und tiefe Wertschätzung ausgesprochen wurde, versteht sich von selbst.

Jeder Beitrag brachte einen anderen Aspekt der Persönlichkeit Helga Meiers und ihres Erfolgs zum Tragen. Am Ende war die gesamte Bandbreite des ASB skizziert, von den Anfängen als ehrenamtliche Organisation bis zum „großen Wohlfahrtsverband, der alles abdeckt, was man sich vorstellen kann“, sagte Wilhelm Müller, früherer Bundesgeschäftsführer des ASB. Eine „tiefe Freundschaft“ sei mit der Zeit zwischen ihm und Helga Meier entstanden, einer „durchsetzungsfähigen Frau, die selbstbewusst rangeht an ihre Aufgabe“.

Und mit einer Prise Selbstironie, wie sich auf die Frage herausstellte, warum sie im Februar 1991 eine ungekündigte Position als Ökonomin im öffentlichen Dienst aufgab, um dem ASB zunächst auf einer befristeten ABM-Stelle zu dienen. „Ich wollte gestalten, meine unendliche Kreativität ausleben und nicht so viele Leute haben, die da mitreden. Das mag ich überhaupt nicht“, sagte sie erfrischend ehrlich. „So startete ich mit Flausen im Kopf und keiner Mark auf dem ASB-Konto nach dem Motto: ,Was kostet die Welt? Ich nehme zwei’“, erinnerte sie sich lächelnd. Um „auf dem Boden der Tatsachen zu landen und erstmal alles anzunehmen, was geht“.

Ein geschenkter Behindertentransportwagen war der Anfang, dann folgte der Schritt aus der Ehrenamtlichkeit hinaus in immer größere Gefilde. 1992 wurde der Rettungsdienst mit zunächst 27 Mitarbeitern übernommen – unter Leitung von Olaf Stobernack, der davon noch während der Bedenkzeit aus der Zeitung erfuhr. Argumente und Zweifel sei Helga Meier mit der Aufforderung begegnet: „Sie müssen das große Ganze sehen“, erzählte er, „und dem gilt mein Respekt“.

Dass es in einem der Flugzeug-Hangars an der Asylbewerber­unterkunft in ehemaligen Offizierswohnungen auf dem Brand Anfang der 1990er-Jahre einen schwunghaften Waschmaschinenhandel gab, sprach Sven Meier ebenfalls an. „Was ihr alles ausgrabt“, wunderte sich Helga Meier lachend und ergänzte: „Es wurden auch Kühlschränke gehandelt.“ Der Sache kam sie durch Zufall auf die Spur und gebot ihr Einhalt.

Thema war ebenfalls die umfangreiche Bautätigkeit des ASB. Unter Regie von Helga Meier entstanden das Waldschlösschen an der Berliner Chaussee, mehrere Erweiterungs- und Umbauten sowie der Ausbau der ehemaligen Grundschule zum ASB-Zentrum an der Gartengasse, um nur einige zu nennen. Den Grundstein, erinnerte sie, legte Familie Sagert, indem sie dem ASB das erste Grundstück an der Gubener Straße schenkte.

Claudia Walter von der Kinder- und Jugendhilfe, für die das Waldschlösschen entstand, würdigte das Erfolgskonzept gut geschulten und weitergebildeten Personals. „Unter Ihrer Führung fühlen wir uns alle sehr wohl“, sprach sie Helga Meier direkt an. „Ihren Rat, Ihre Loyalität und Ihre Erfahrung schätze ich bis heute.“ Kleiner Tipp für den Ruhestand: „Auch Sie könnten ein Buch schreiben.“

Allein schon darüber, was beim Bauen alles passieren kann. „Frau Meier ist für mich eine Baumeisterin“, sagte Peter Mularczyk. Dabei sei beim ASB innovativ und an den Bedürfnissen der Menschen orientiert gebaut worden. Den Erfolg des Kreisverbands mit Helga Meier an der Spitze erklärte er ganz einfach: „Wenn man mutig eine Chance ergreift, tun sich weitere Möglichkeiten auf.“

Ronald Görick erinnerte an den „Riesenkampf um die Lernwerkstatt. Ich spreche für mehr als 170 Schüler, die bei uns ihren Abschluss machen konnten, und dafür bin ich dankbar.“

Mit sehr persönlichen Worten ergänzte Jens Meier, der ältere Sohn, das Bild: „Ich habe unendlichen Respekt. Ihre Arbeitstage begannen oft, ehe der Hahn kräht, und endeten nach den Spätnachrichten.“ Es seien auch harte Jahre für alle in der Familie gewesen, fügte er bewegt hinzu, „aber wir haben gesagt: ,Mach, du wolltest das, mach.’“ Nun wünsche er seiner Mutter, „dass sie sich mit ihrem Spruch: ,Nicht zaudern, machen, über die Fehler können wir später reden“ weiter einbringen kann.

Der herzliche, stehende Beifall der Gäste ließ daran keinen Zweifel.