In den Augen des Laien spektakulär Wirkendes wie uralten Schmuck hätten sie nicht gefunden, sagt Grabungstechnikerin Ilona Ertner. „Aber doch einiges Interessante“ , sagt sie und verweist unter anderem auf zwei Fun dament-Reste, „die mit Sicherheit zu dem Vorgängerbau der Kirche gehörten“ . Der Turm wurde im 15. Jahrhundert gebaut, das Kirchenschiff später.
Ein Grund für den Archäologen-Einsatz ist, dass das Mauerwerk des Turms austrocknen soll. Ein weiterer ist die Ursachenforschung, warum er sich ein wenig geneigt hat „und ob weitere Bewegungen zu erwarten sind“ , erklärt Ilona Ertner. Deshalb haben sie und ihre Kollegen sich rund um das Gebäude bis in eine Tiefe von mehr als einem Meter gegraben. Zu sehen sind jetzt ein gepflasterter Weg, der auf das Kirchenportal zuführt, sowie das Turmfundament aus Feldsteinen. „Das Fundament wird wohl bis in 2,90 bis drei Meter Tiefe unter der aktuellen Oberfläche reichen“ , sagt die Grabungstechnikerin. „Es ist nicht klar, ob es so wie jetzt früher mal zu sehen oder schon immer von Erde bedeckt war.“
Der Graben rund um den Turm wird erst einmal offen bleiben, damit das Mauerwerk austrocknen kann, erklärt Rathaus-Sprecherin Hannelore Tarnow. Im nächsten Jahr soll der dritte und letzte Bauabschnitt der Marktplatzumgestaltung in Angriff genommen werden. Der umfasst das Umfeld der Kirche. „Damit wir dann nicht noch einmal in die Tiefe müssen, haben die Archäologen jetzt gearbeitet und das Fundament freigelegt“ , erklärt die Sprecherin.
Zudem sei es die Aufgabe der Archäologen gewesen zu prüfen, wo bei der langfristig geplanten Sanierung des Turms Baugerüste aufgestellt werden können, ohne Bewahrenswertes unter der Erde zu zerstören, informiert Ilona Ertner. Dabei haben sie und ihre Kollegen sich in einem sensiblen Bereich bewegt. War doch bis 1700 das Gelände an der Kirche ein Friedhof. Bereits bei Grabungen im vorigen Jahr waren die Archäologen auf Grüfte gestoßen, dieses Mal auf Gräber. „Es war wohl tatsächlich so, dass der Friedhof wegen Überfüllung geschlossen wurde“ , sagt Ilona Ertner. „Die Gebeine lagen dicht an dicht.“ (dh)