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Aquamediale-Künstler bauen Arbeiten auf

In der Bibliothek des Strandcafés in Lübben fanden sich die Aquamediale-Künstler zu einer intensiven Arbeitsberatung ein. Mehrere waren angereist, um ihre Arbeiten an den Fließen der Lübbener Schloss- und Liebesinsel aufzubauen.
In der Bibliothek des Strandcafés in Lübben fanden sich die Aquamediale-Künstler zu einer intensiven Arbeitsberatung ein. Mehrere waren angereist, um ihre Arbeiten an den Fließen der Lübbener Schloss- und Liebesinsel aufzubauen. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Die heiße Phase beginnt. In einem ersten Schwung sind mehrere der 16 Aquamediale-Künstler angereist, um ihre Arbeiten aufzubauen. Ingvil Schirling

Zwar ist die offizielle Eröffnung des Kunstfestivals im Spreewald erst am Pfingstsamstag, 3. Juni, doch Gäste und Einheimische können schon jetzt einige der 15 Arbeiten rund um die Lübbener Schloss- und Liebesinsel bewundern. Beim Aufbau eröffneten Kurator Harald Larisch und der Künstler Micha Brendel aus Hohendorf bei Golßen auch gleich die Badesaison.

Doch der Reihe nach. Ein intensives Arbeitstreffen führten die Verantwortlichen in der Bibliothek des Strandcafés durch.

Gregor Krampitz hatte seinen silbern glänzenden Löffel da schon abgegeben - rein metaphorisch natürlich. Gemeinsam mit seiner Frau schleppte er das schwere Teil ans Spreeufer und richtete es so aus, dass es auch vom goldenen Schnitt her gut in die Fließlandschaft passt. Obwohl beide, wie Gregor Krampitz eingestand, schon weit im Vorfeld "heimlich" in den Spreewald gereist waren, um vor Ort zu prüfen, wo die Arbeit am besten hinpassen würde, war es dann am festgelegten Standort mit dem fertigen Objekt doch ein bisschen anders. Spontan zog der Künstler noch einen Stahlträger ein, damit die Arbeit sicher steht und ihre volle Wirkung entfalten kann. Die Botschaft ist klar: Finden wir das richtige Maß? Politisch und menschlich? Und wenn nicht, wer löffelt die Suppe am Ende aus?

Susanne Roewer reiste gemeinsam mit ihrem Bruder an, um ihre Arbeit an einer Spreebrücke anzubringen: Eine schwere Dornenkrone, die auf einem Judenstern montiert wird und die Optik eines Basketballkorbs annimmt. Die Botschaft von "Precious" (deutsch: kostbar), so der Titel, ist eindeutig: Drei Religionen, ein Ziel. Möge die Sehnsucht, der Schmerz, die Suche des Menschen aufgehoben sein im Glauben, welcher Art dieser auch immer sei, und das in Fairness. Mögen die Religionen ihre Konflikte gemeinsam lösen. Susanne Roewer erzählte erleichtert, wie die durchdachte Arbeit gleich im ersten Versuch ihren Platz fand - dabei kann beim Aufbau der Installationen einiges schief gehen, an unvorhersehbaren örtlichen Gegebenheiten scheitern. Nicht so dieses Mal: Susanne Roewers Bruder stieg mit wasserdichter Hose ins Wasser, montierte den Korb - fertig. Die Aquamediale kann kommen.

Wenige Meter weiter wird sie mit Fahnen begrüßt. Dafür stieg Kurator Harald Larisch zunächst auf die Leiter. Gregor Krampitz half, diesen Teil der Arbeit von Anja Bogott aufzustellen. Für die gebürtige Cottbuserin, die jetzt in Koblenz lebt, ist die Teilnahme an der Aquamediale ein Heimspiel. "Spreewaldreigen" heißt ihre Arbeit, die füllige, formen- und kurvenreiche Frauen in Bewegung setzt und mit Fahnen akzentuiert ist. Die Freude an der Bewegung in der Natur, an Tanz, Verbundenheit mit der Erde und Spiel spricht aus jeder Pore des Tons, aus dem die Figuren sind.

Beim Aufbau der Arbeit von Micha Brendel eröffneten der Hohendorfer Künstler und der Kurator die Badesaison an den Lübbener Fließen. Für das Luther-Inspirierte Thema "Glaube Liebe Hoffnung" der Aquamediale schuf Brendel eine Arbeit, die die Grenzen des Optimismus aufzeigen sollen: Ein Schiff symbolisiert per Havarie die gescheiterte Hoffnung, die auf gelingende Kommunikation gesetzt wurde. Verzweifelt flattert eine zerfetzte Fahne im Wind, ein letzter Gruß der großen Erwartungen, mit denen die Fahrt begann. Nur: Wie kommt das 150 Kilogramm schwere Schiffswrack ins Wasser, wie wird es verankert? Bei der Lösung dieses Problems sah der Spreewald vermutlich die ersten bloßen Künstleroberkörper des Jahres, als Micha Brendel ins Fließ stieg, um seine Arbeit "Ideallandschaft mit gescheiterter Hoffnung" an die richtige Stelle zu manövrieren. Die Badesaison war damit auch künstlerisch eröffnet.

Das Abenteuer Aufbau der Arbeiten meisterten ebenso Sebastian David mit seiner schweren Hand aus Eiche, aus der ein geheimnisvolles Wesen erwächst, und Mark Swysen, der in Gedanken an Luther eine Kapelle auf den Kopf stellt. Damit ist eine Reihe von Aquamediale-Kunstwerken "in trockenen Tüchern", wenn man so will. Weitere werden demnächst aufgebaut. Für den 18. Mai ist bereits die Abnahme durch Kurator und Projektleitung vorgesehen. Wer dieser Tage rund um die Lübbener Schloss- und Liebesinsel unterwegs ist und Seltsames entdeckt, kann daher jetzt schon ziemlich sicher davon ausgehen: Das kann nicht weg. Das ist Kunst.

Zum Thema:
Bilder, Live-Berichte, Videos und Veranstaltungstipps gibt es auf Facebook/aquamediale und auf www.aquamediale.deDie Aquamediale ist Teil des Kunstraums Spreewald und endet im September mit der Eröffnung des Spreewaldateliers in Lübbenau. An Lübbens Schloss- und Liebesinsel sind 15 Arbeiten von 16 Künstlern zum Thema "Glaube Liebe Hoffnung" zu sehen. Begleitet wird das Festival vom umfangreichen Rahmenprogramm. www.lr-online.de/aquamediale