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| 15:31 Uhr

Fontane-Jahr
Aquamediale wandert nach Straupitz

Johanna Benz (l.), Stefhany Yepes Lozano und Kurator Harald Larisch (M.) haben sich diese Woche die künftigen Kunst-Standorte in Straupitz angeschaut. Die beiden Künstlerinnen studieren an den Hochschulen Burg Giebichenstein in Halle und der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.
Johanna Benz (l.), Stefhany Yepes Lozano und Kurator Harald Larisch (M.) haben sich diese Woche die künftigen Kunst-Standorte in Straupitz angeschaut. Die beiden Künstlerinnen studieren an den Hochschulen Burg Giebichenstein in Halle und der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Straupitz. „Spreeland trifft ...“: Junge Künstler und ihre Professoren erkunden den verwunschenen Schlosspark und lassen sich im Gegenzug von ihm inspirieren. Von Ingvil Schirling

„Es ist eine gefährliche Sache, aus einer Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße, und wenn Du nicht auf Deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie Dich tragen.“ Das sagt Bilbo Baggins, der Hobbit aus „Herr der Ringe“, zu seinem Neffen Frodo. Das berühmte Eingangszitat hätte auch über den Wanderungen Fontanes stehen können, die unter anderem durch den Spreewald führten. Und es könnte ebenso über der Reise stehen, die junge Künstler mitsamt ihren Professoren unter der Regie des Kurators Harald Larisch unternehmen.

Denn die Aquamediale setzt sich in ihrer 13. Ausgabe unter dem Titel „Spreeland trifft“ ebenso mit Reisen, unbekannten Wegen und überraschenden Abenteuern auseinander. Diese Woche betrachteten drei junge Künstlerinnen den Haupt-Austragungsort Straupitz und ließen sich für ihre künftigen Arbeiten inspirieren. „Ich genieße gerade sehr den Moment, wo man etwas ganz neu beginnt“, sagt Johanna Benz, geboren 1986 und Studentin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. „Ich bin in der Recherche für das Projekt, alle Türen sind offen. Ich habe noch keine konkrete Idee, aber Lust auf den Ort.“

So wie sie haben in den vergangenen Tagen insgesamt zwölf Künstler eine erste Ausfahrt nach Straupitz gemeinsam mit dem Kurator unternommen. Von der Hochschule Burg Giebichenstein kommen Professor Georg Barber, besser bekannt als Künstler und Comiczeichner Atak, mit Stefhany Yepes Lozano aus Kolumbien, Christina Röckl (Deutschland), Natthapong Samakkaew (Thailand) und Yooyoung Kim (Südkorea). Von der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig machen sich mit Johanna Benz auch Professor Thomas M. Müller und Nadine Prange auf. Franz Zauleck, Grafiker,  Bühnenbildner, Illustrator und Lehrbeauftragter aus Suckow, bringt von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Jana Dörfelt und Katalin Pöge mit. Außerdem hat sich die Professorin Yang Liu, aus China stammend, von der Technischen Kunsthochschule Berlin bereits auf den Weg gemacht, um den Oberspreewald zu erkunden.

Mit diesem Auftakt hat die Reise begonnen und die Spreewälder dürfen gespannt sein, wohin die Ideen die Künstler tragen – möglicherweise auch in provozierende Gefilde, wie es die Aufgabe von Kunst ist.

Das Oberthema „Spreeland trifft ...“ der 13. Aquamediale lehnt sich dabei an das Fontanejahr zum 200. Geburtstag des großen Schriftstellers und Wanderers an. Die Beobachtung Fontanes, wie selbst der kleinste See die große Weltbewegung spiegelt, ist dabei einer von mehreren Leitfäden. „Fontanes Werk ist offen für neue Zugänge und Sinngebungen. Zeit und Gelegenheit, zum Jubiläum der Vorstellung von Heimat als einer heilen Welt von Gemeinschaft, Raum, Tradition als Herkunftsnachweis mit der neuen Dimension einer Lebensmöglichkeit zu begegnen: Heimat, gesehen als dynamisches Konzept“, so umschreibt Larisch die Zielrichtung.

Ein erstes Achtungszeichen setzte das Kunst- und Kulturfest in Straupitz im August, das mit dem Klassikkonzert der Philharmonie Leipzig mehrere hundert Besucher an den Ausstellungsort des kommenden Sommers zwischen Hafen und Schlosspark lockte. Der Förderverein der Aquamediale arbeitete bereits eng mit dem Heimat- und Fremdenverkehrsverein Straupitz und weiteren Akteuren aus dem Oberspreewald zusammen.

Am Kornspeicher hat die Aquamediale bereits 2015 ein Gastspiel gegeben, als Fotografien des australischen Künstlers Joachim Froese enthüllt wurden. Diesen Sommer gastierte das Kunstfest der Aquamediale mit einem romantischen Konzert am Hafen in dem Oberspreewald-Ort, in dem sie im Sommer zum größten Teil stattfinden wird.  
Am Kornspeicher hat die Aquamediale bereits 2015 ein Gastspiel gegeben, als Fotografien des australischen Künstlers Joachim Froese enthüllt wurden. Diesen Sommer gastierte das Kunstfest der Aquamediale mit einem romantischen Konzert am Hafen in dem Oberspreewald-Ort, in dem sie im Sommer zum größten Teil stattfinden wird.   FOTO: Hoberg

Nun haben die Künstler das erste Gespräch vor Ort absolviert. Im nächsten Schritt auf dem Weg zum Ausstellungszeitraum ab 15. Juni geht es im Januar um Entwürfe und deren Verfeinerung, ehe die Umsetzung folgt. „Spreewald wird auf Künstler treffen, Fremde auf Fremde, Alt auf Jung, Erfahrung auf Neugier, Kunst auf Leben, Geschichte auf Gegenwart, Fragen auf Möglichkeiten, Ruhe auf Bewegung“, spannt Harald Larisch den Erlebnisraum auf. „Wo Fontane in seinen Wanderungen mit Worten zeichnete, da beschreiben 200 Jahre später die jungen Artisten ihre Sicht auf die Welt und provozieren den Betrachter, ihre Bilder in Worte zu wandeln.“

Dabei hat der Spreewald ein gewichtiges Wörtchen mitzusprechen. Denn auf der ersten Etappe des Weges stellten die jungen Künstlerinnen fest, dass er hier und da ganz anders ist als in ihrer Vorstellung. „Ich habe Form, Farbe und Gefühl für den Ort aufgesaugt, und jetzt arbeitet es in mir“, sagte Christina Röckl. Eine Herausforderung werde es sein, mit dem dreidimensionalen Raum, neuen Materialien und der anderen Größe zu arbeiten, schätzt Stefhany Lozano ein. Sie sei selbst schon sehr gespannt auf ihre Ideen.

Das darf der Spreewald ebenso sein wie die Künstler, die sich auf das Abenteuer Aquamediale einlassen. Wird es einen Ringträger geben? Kann das Ziel der Schicksalsberg sein wie in dem berühmten Tolkien-Roman und der Verfilmung? Und werden die Reisenden wie jene, denen sie begegnen, am Ende noch dieselben sein? Wer weiß. Es ist eben eine gefährliche Sache, aus einer Tür herauszugehen. Man weiß nie, wohin die eigenen Füße – oder Ideen – einen tragen.