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| 11:30 Uhr

Kultur
Aquamediale 13 vernetzt Literatur, Bildende Kunst und Musik

 Prof. Yang Liu erläuterte vor Ort in Straupitz ihr Projekt „Deplatzierung“. Kurator Harald Larisch begleitete den Rundgang an den Parkteichen.
Prof. Yang Liu erläuterte vor Ort in Straupitz ihr Projekt „Deplatzierung“. Kurator Harald Larisch begleitete den Rundgang an den Parkteichen. FOTO: Hoberg Ingrid
Straupitz. Auf zur geistigen und körperlichen Wanderung im Fontane-Jahr: Das Kunstfestival im Spreewald hat junge Künstler mit nationalen und internationalen Wurzeln aufgerufen, die Auswirkungen der Globalisierung auf Mensch und Heimat zu untersuchen. Von Ingrid Hoberg

Kunstobjekte am, im und auf dem Wasser werden Besucher entdecken, die sich in diesem Sommer auf den Weg in den Spreewaldort Straupitz begeben. Unter dem Motto „Spreeland trifft …“ ruft das zeitgenössische Kunstfestival Aquamediale in der 13. Auflage vom 15. Juni bis 21. September im Fontane-Jahr zu einer „geistigen und körperlichen Wanderung“ auf, wie Kurator Harald Larisch postuliert. Die Aquamediale findet im Zwei-Jahres-Rhythmus alternierend zur Luckauer Spektrale im Landkreis Dahme-Spreewald statt – diesmal allerdings nicht in Lübben, sondern in Straupitz. Es ist das Spreeland, wie es Fontane beschrieb.

Wie arbeitsintensiv der Weg zur Aquamediale 13 für die beteiligten Künstler und Veranstalter ist, macht der Kurator deutlich. Es seien zehn Absolventinnen und Absolventen renommierter Kunsthochschulen, der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle, der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, der Technischen Kunsthochschule in Berlin und der Kunsthochschule in Berlin Weißensee, gewonnen worden, sich mit „Mensch und Heimat“ in einer globalisierten Welt auseinandersetzen. „Es ist eine sehr junge Künstlerriege“, sagt Harald Larisch. Er ist diesmal direkt an die Hochschulen herangetreten, um junge, talentierte Künstler zu finden. Alle kommen aus dem Bereich Illustration, Grafik, Design – also von der zweidimensionalen Arbeit. So wird es für die Beteiligten zur Herausforderung, künstlerische Ideen räumlich umzusetzen.

Im November 2018 gab es die erste Zusammenkunft mit Ortsbegehung. „Damals war eine dünne Eisschicht auf den Gewässern der Straupitzer Parkseenlandschaft. Eine Kahnfahrt war nicht mehr möglich“, erzählt Larisch, zum zweiten Mal Kurator der Aquamediale. Ideenkonferenzen folgten im Winter. „Der kreative Prozess war im Februar abgeschlossen, dann kam die Arbeitsphase“, ergänzt er. „Jeder einzelne ist herausgefordert, zum Teil auch körperlich.“

Welch hohe Ansprüche die Künstler an sich und ihre Projektunterstützer stellen, zeigte in diesen Tagen ein Rundgang zur Vorstellung des Konzepts und Programms.  Yang Liu, in Peking geboren, ist Professorin für Kommunikationsdesign an der TH Berlin, und bringt östliche und westliche Weltsicht mit. Sie hat sich damit befasst, wie das Fremde wahrgenommen wird. „Es kann als eine Bedrohung, aber auch als Ergänzung erlebt werden“, sagt sie. So hat der weiße Schwan, der auf den Parkteichen wie gewohnt seine Bahn zieht, gerade ungewöhnliche Nachbarn bekommen. Ein grellrotes Faultier hängt im Baum, das Laub wird es wohl im Laufe der Zeit noch ein bisschen mehr verbergen. Ähnlich könnte es dem Chamäleon oder dem Hai ergehen, die ebenfalls nicht in die Spreewaldlandschaft gehören. Den Konflikt zwischen Zerrissenheit und Heimatgefühl thematisiert Yang Liu mit ihrer Installation „Deplatzierung“.

Bei einer Kahnfahrt durch die Straupitzer Seenlandschaft, zu der die Fährleute einladen, oder auf dem Landweg zu Fuß werden Besucher die einzelnen Kunstwerke entdecken können. Vielleicht lassen sie sich von Fontane und der schönen Melusine, der Wasserfee, die schon viele Dichter inspirierte,  „fangen“. Nadine Prange hat sich mit diesem literarischen Thema befasst. „Es war ein langer Prozess, die ersten Entwürfe sahen ganz anders aus“, sagt sie. Die Umsetzung sei eine technische Herausforderung – dafür hat sie Theatertechniker aus Leipzig mitgebracht.

Doch nicht nur die Künstler stecken noch mitten im Arbeitsprozess. Es laufen auch die Vorbereitungen für das Rahmenprogramm. Die Vernissage findet am 15. Juni am Hafen Straupitz und am Kornspeicher statt, von 15 bis 16.30 Uhr sind Kunstkahnfahrten und -spaziergänge geplant. Es führen Kurator Harald Larisch, Projektleiterin Anika Meißner sowie Künstlerinnen und Künstler. Um 17 Uhr beginnt das Open Air Konzert mit dem Landesjugendjazz-Orchester.

Anlässlich des 200. Geburtstags von Theodor Fontane ist ein „Pop up Atelier“ in Lieberose (21. Juni) geplant. Es wird einen Workshop und Theater für Kinder geben (27. Juli), ein Quartettkonzert (24. August), ein Kunstevent „Fließendes Atelier“ (7. September), ein Künstlertreffen zum Ausklang mit der Pugsley Buzzard Band (20. September) und die Finissage mit der Kunstauktion beim Kunst- und Handwerkermarkt in Lübbenau (21. September). Der Förderverein Aquamediale gibt als Jahresgabe das Buch „Heimat ist …“ heraus, in dem Spreewälder zu Wort kommen.

Weitere Informationen zum Programm, den Künstlern und den begleitenden Veranstaltungen der Aquamediale 13 gibt es im Internet unter: www.aquamediale.de

 Nadine Prange testet im Parkteich den Ankerplatz für ihre Installation „Fontane und die schöne Melusine“.
Nadine Prange testet im Parkteich den Ankerplatz für ihre Installation „Fontane und die schöne Melusine“. FOTO: Ingrid Hoberg
 Prof. Yang Liu erläuterte vor Ort in Straupitz ihr Projekt "Deplatzierung". Kurator Harald Larisch begleitete den Rundgang an den Parkteichen.
Prof. Yang Liu erläuterte vor Ort in Straupitz ihr Projekt "Deplatzierung". Kurator Harald Larisch begleitete den Rundgang an den Parkteichen. FOTO: Hoberg Ingrid
 Nadine Prange testet im Parkteich den Ankerplatz für ihre Installation „Fontane und die schöne Melusine“.
Nadine Prange testet im Parkteich den Ankerplatz für ihre Installation „Fontane und die schöne Melusine“. FOTO: Ingrid Hoberg