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Saisoneröffnung
Anstaken mit Gesang und Musik

Kahnfährmann Mike Böttcher hält das geschmückte Rudel fest in der Hand. Schlepzigs Bürgermeister Werner Hämmerling (l.) hat es ihm überreicht. Der Ort im Unterspreewald ist am Samstag in die Hauptsaison gestartet.
Kahnfährmann Mike Böttcher hält das geschmückte Rudel fest in der Hand. Schlepzigs Bürgermeister Werner Hämmerling (l.) hat es ihm überreicht. Der Ort im Unterspreewald ist am Samstag in die Hauptsaison gestartet. FOTO: Andreas Staindl
Schlepzig. Schlepziger Kahnfährleute sind auf die Saison mit vielen Gästen vorbereitet. Von Andreas Staindl

 Kahnfahren geht immer. Zumindest solange die Fließe im Spreewald eisfrei sind. Jetzt starten die Touristenorte nacheinander in die Hauptsaison. In der Kreisstadt Lübben war das vor einer Woche der Fall, Schlepzig (Unterspreewald) folgte am Wochenende.

Das traditionelle Anstaken am Samstag wurde mit Gesang und Blasmusik begleitet. Bürgermeister Werner Hämmerling übereichte Mike Böttcher das geschmückte Rudel. Der Kahnfährmann nahm es stellvertretend für die Fährfrauen und -männer im Unterspreewaldort entgegen. Sie haben längst ihre Kähne für die nächsten Monate gerüstet. Touristen per Kahn durch die Lagunenlandschaft zu fahren, gehört nach wie vor zu den attraktiven Angeboten.

Doch das allein reicht auf Dauer nicht. „Wir brauchen weitere Angebote, die Lust darauf machen, unser Dorf zu besuchen und zu entdecken“, sagte der Bürgermeister mit Nachdruck.

Museum, Mühle und Informationsstelle des Biosphärenreservats im Ort sind Anlaufpunkte für Touristen. In diesen Einrichtungen wird Geschichte anschaulich und spannend vermittelt. „Schlepzig hat noch viel mehr Potential“, sagte Werner Hämmerling. Er hofft auf Privatinitiativen, auf zündende Ideen der Bürger: „Die Politik kann nur Begleiter sein, für die Rahmenbedingungen sorgen.“ Aber auch den Touristikern im Ort den Rücken stärken, so wie am Samstag. Schlepzigs Bürgermeister wünschte den Kahnfährleuten „schönes Wetter, sauberes Wasser, einfach eine tolle Hauptsaison“.

Der Start zumindest ist gelungen. Dafür haben auch die Sängerinnen des Spreewaldfrauenchors aus Lübben gesorgt. Sie erfreuten die Besucher am Weidendom  mit Liedern wie „... ist der Winterschlaf vorbei, tiritomba ...“ Der Frühling schien tatsächlich zu erwachen. Es war am Samstag in Schlepzig deutlich wärmer als noch eine Woche zuvor in Lübben. Die Frauen des Chors sind in ihren schmucken Trachten begehrte Fotomotive und wurden auch am Samstag fleißig geknipst.

Die singenden Damen hatten sich auf dem Steg platziert, direkt am Wasser und den Weidendom im Hintergrund. „Ein schönes Motiv“, sagte die Berlinerin Isabel Müller, die ebenfalls auf den Auslöser drückte und wenig später dem Chor lauschte. Die Frauen sangen Lieder in deutscher und sorbischer/wendischer Sprache. Und sie wagten ein Tänzchen auf dem Steg.

Die Goyatzer Blasmusikanten sorgten für den Rhythmus. „Sie saßen schon in einem der fünf Kähne, die wenig später mit Besuchern ablegten. Mike Böttcher hatte dazu eingeladen. Die Fahrt führte mit Musik in die Brennerei im Ort. Dort wurde der Start in die Hauptsaison weiter gefeiert.

Schlepzig ist beliebt bei Urlaubern und Touristen. Gästeführer Uwe Neumann weiß warum: „Wir sind hier im Herzen des Unterspreewalds.“ Eine Zielgruppe wächst offenbar besonders. „Wir können zunehmend Familien mit Kindern in unserem Ort begrüßen“, erzählte Werner Hämmerling.“ Der Bürgermeister freut sich deshalb, dass sich der Große Hafen unter Führung der Fährfrauen Yvonne Huber, Jacqueline Fischer sowie der Fährmänner Jörg Tschirschke und Burkhard Henschelchen „richtig gut entwickelt hat“. Dort werden sicherlich wieder Tausende Gäste während der nächsten Monate begrüßt.

Wie es sich anfühlt, fast lautlos durch das Wasser gestakt zu werden, rundum Stille und eine idyllische Landschaft, das haben Kahngäste am Samstag erlebt. Die Schnupperkahnfahrten waren nicht nur ein Erlebnis für die Sinne, sondern auch ein kulinarischer Genuss. So oder ähnlich werden bis Oktober dieses Jahrs zahlreiche Gäste in und um Schlepzig unterwegs sein.