ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:07 Uhr

Anna Thalbach las bei Rohkunstbau

Die Schauspielerin Anna Thalbach las Texte von Thomas Brasch im Rahmenprogramm der Rohkunstbau-Ausstellung.
Die Schauspielerin Anna Thalbach las Texte von Thomas Brasch im Rahmenprogramm der Rohkunstbau-Ausstellung. FOTO: Foto: A. Staindl
Groß Leuthen.. Anna Thalbach war am Samstag in Groß Leuthen zu Gast. Sie ist die Tochter der Schauspielerin Katharina Thalbach und eine gefragte Größe im Filmgeschäft. Zudem liest sie Hörspiele und andere Texte. Mit dabei hatte sie Werke von Thomas Brasch. Foto: A. Staindl

Der Filmemacher, Dramatiker und Schriftsteller starb 2001 an Herzversagen. Thalbach las Auszüge seiner Prosa- und Lyrik-Bände. Rund 50 Zuhörer waren zum Wasserschloss Groß Leuthen gekommen. Fast schüchtern, mädchenhaft wirkend, schritt Anna Thalbach nach vorn. Die Haare hatte sie zu einem kleinen Zopf gebunden. Über ihr Gesicht huschte ein verschmitztes Lächeln. In wenigen Worten stimmte sie ihr Publikum auf die kommende Stunde ein.

Ein schlichter Büchertisch
Dieses hatte sich eingerichtet und mit Getränken versorgt. Vor Anna Thalbach ein schlichter Holztisch ohne Decke, darauf mehrere Bücher. Sie liest kühl, mit viel Distanz, doch dafür recht zügig, manchmal fast zu schnell. Gern würde man das eben Gehörte noch etwas wirken lassen. Doch Anna Thalbach will weiter. Sie wechselt häufig die Bücher, setzt mitten drin ein und liest.
Eine neue Geschichte wird zuweilen mit zwei, drei Worten angekündigt. Das „Springen“ zwischen den einzelnen Bänden machte es dem Zuhörer nicht gerade einfach, dem Inhalt zu folgen.
Thomas Brasch war dem DDR-Regime ein Dorn im Auge, saß dort von 1968 bis 1969 im Knast. 1976 durfte er die DDR verlassen.

Bissige Texte
Entsprechend bissig geprägt sind auch seine Texte. Passend dazu wurde am Samstagabend die Musik ausgewählt. In den Lesepausen waren Pannach und Kuhnert zu hören; die Texte auf der CD stammen von Brasch. Während der kurzen Pausen schien Anna Thalbach ganz in Gedanken versunken. Sie stützte ihren Kopf auf die geschlossene Hand und blickte nach unten. Die Musik bewegte sie offensichtlich. Was sie dabei empfand, verriet sie jedoch nicht.
Nach etwa 60 Minuten kündigte sie die letzten Gedichte dieser Lesung an. Die habe der Schriftsteller kurz vor seinem Tod geschrieben. Darin erzählt er von sich im eigenen Sarg. Er sieht sich in der Kiste liegen, getragen von stolpernden Trägern. Brasch wurde 56 Jahre alt.
Anna Thalbach schlug das Buch zu, schaute ins Publikum und lächelte. Es gab Blumen für sie und Applaus. So unspektakulär wie der Beginn war ihr Abgang von dem kleinen Podest auf dem Gelände des Groß Leuthener Schlosses. Ein kleines Mädchen suchte ihre Nähe. „Mama“ , sagte sie und zupfte an der Jacke.