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Anekdoten aus Lieberose

Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour haben gestern auch den Teepavillon in der Schlossgärtnerei in Lieberose besichtigt. Gästeführerin Christina Schmidt (li.) bietet Unterstützung an.
Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour haben gestern auch den Teepavillon in der Schlossgärtnerei in Lieberose besichtigt. Gästeführerin Christina Schmidt (li.) bietet Unterstützung an. FOTO: Staindl
Lieberose. Lieberose hat viel zu bieten, auch wenn es keine pulsierende Großstadt ist. Es lohnt sich, in die Historie einzutauchen. Andreas Staindl / asd

Engagierte Einwohner arbeiten die Geschichte auf. Sie bieten Führungen an. Das Interesse daran wächst. "Bis zu hundert Teilnehmer können es schon sein", sagt Axel Friedrich. Er ist Stadt- und Gästeführern des Fördervereins Lieberose.

Am Dienstag machte die RUNDSCHAU-Sommertour in der Kleinstadt Station. Wer beim Rundgang entlang historischer Zeitzeugnisse dabei war, der hat Neues erfahren und die Stadt aus einem ganz anderen Blickwinkel kennengelernt. Neben Axel Friedrich haben auch Christina Schmidt und Annemarie Gottschald die Gäste mit Daten und Fakten versorgt, diese durch historische Gassen geführt, vorbei etwa an der alten Mühle.

Die beiden Kirchen am Marktplatz haben eine spannende Geschichte. Annemarie Gottschald erzählt diese so lebhaft, dass man sich gut in die jeweilige Zeit hineinversetzen kann. Die 89-Jährige hat das, was sie erzählt, selbst erlebt. Ihre Anekdoten trägt sie mit einem Lächeln vor. Sie erzählt, dass sie als junges Mädchen unbedingt eine Hochzeit in der Landkirche mitverfolgen wollte - "schon wegen des wahnsinnig schönen Kleids der Braut" - und es ihr auch mit einer kleinen List gelang. Sie erzählte auch davon, dass Mitglieder der Grafenfamilie in einer Gruft in der Stadtkirche beigesetzt sind: "Als Jugendliche durften wir sogar dort reinschauen."

Seit 1945 ist die Stadtkirche eine Ruine. Ein Betreten ist nicht möglich, allerdings der Blick durch ein Absperrgitter. Dafür steht die Landkirche gleich nebenan zur Verfügung. Annemarie Gottschald hat den großen eisernen Schlüssel dabei, um die Tür des evangelischen Gotteshauses aufzuschließen. Drinnen befindet sich das Epitaph für Joachim von Schulenburg - dem letzten Landvogt der Niederlausitz. Teile der Ausstattung wie etwa der Taufstein stammen aus der Stadtkirche. Landkirche, Stadtkirche und das Rathaus bilden eine optische Einheit am Marktplatz in Lieberose. "Ein solches Ensemble gibt es nur noch in Portugal", erzählt Christina Schmidt. Der kleine Ort schreibt demnach zumindest europaweit Geschichte.

Zur Vergangenheit der Kleinstadt gehört auch das ehemalige Gefängnis. In diesem Gebäude gegenüber der beiden Kirchen ist heute ein Geldinstitut untergebracht. Eines der Fenster auf dem Hof ist noch immer vergittert - als Erinnerung an die Zeit, als dort Verbrechen, Räuber und Konsorten festgehalten wurden.

Christina Schmidt hat Bildmaterial mit historischen Aufnahmen stadtprägender Objekte dabei. Das Schloss gehört dazu. Es geht auf eine Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert zurück. Die Familie Schulenburg baute es ab dem 16. Jahrhundert aus. Der Schlosspark hat prägende Bedeutung für die Kleinstadt. Die drei Gästeführer haben die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour durch einen Teil des Parks geführt - bis hin zur Schlossgärtnerei. Spannend ist der Blick in den Keller, in dem früher wohl Wein gelagert wurde. Für Christina Schmidt ist der Gang nach unten "eine Premiere. Ich war noch nie in dem Keller." Sie erlebte gestern nicht nur eine Premiere, sondern sorgte selbst für eine. Dass Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour mit Rosen verabschiedet wurden, dürfte ein Novum sein. Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Kerstin Michelchen hatte die Blumen spendiert. "Damit sie Lieberose in guter Erinnerung behalten und bald mal wiederkommen", begründet Christina Schmidt.