Von Ingvil Schirling

Man solle aus der Not eine Tugend machen – das sagt sich ja so leicht. Ausnahmezustände mit Würde zu meistern, ist Herausforderung genug. Die LWG hatte beides auf dem Schirm. Viereinhalb Monate nach dem Großbrand in einem ihrer Wohnblöcke nahe der Spreewaldklinik sind die Folgen weitgehend beseitigt und neue Pläne am Start.

Ein Mensch kam ums Leben

Am 18. Januar brach im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses an der Schillerstraße ein Feuer aus – Ursache unklar. Ein Mieter kam ums Leben, 34 Bewohner aus drei Aufgängen mussten evakuiert werden. Durch das Feuer und vor allem das Löschwasser wurden acht Wohnungen stark beschädigt, deren Mieter vorübergehend anderswo unterkommen mussten.

Zwei Parteien fanden jeweils neue vier Wände – mithilfe der Lübbener Wohnungsbaugesellschaft, sagt deren Geschäftsführer Frank Freyer, und auf eigenen Wunsch.

Die Trocknungsarbeiten in dem betroffenen Gebäude sind seit einiger Zeit abgeschlossen, bestätigt der LWG-Chef. Die verbliebenen Mieter sind wieder eingezogen, ihre Schäden haben ihm zufolge die Versicherungen geregelt.

Doch noch immer ist das Dach nur provisorisch eingedeckt. Der Grund: Ersetzt werden müssen Betonsparren, „die heute nicht mehr geliefert werden“, so Frank Freyer. Stattdessen müssen Holzsparren eingebaut werden – und dafür ist wiederum eine neue Statik erforderlich. Auf diese wird nun gewartet.

Wohnen auf zwei Etagen

Genau diesen scheinbaren „Durchhänger“ aber will die LWG nutzen, um etwas ganz Neues auszuprobieren. Die Dachgeschosswohnung, in der das Feuer ausbrach, ist inzwischen komplett entkernt. Die darunter liegende Wohnung im vierten Obergeschoss stand ohnehin leer, als sich die Flammen ausbreiteten. Warum nicht aus beiden zusammen eine Maisonette-Wohnung machen?, fragte sich die Gesellschaft.

Es wäre das erste Angebot der LWG in einer Form, die Wohnen auf zwei Etagen ermöglicht. Die Mieter hätten mehr Fläche, eventuell sogar zwei Bäder. Und auch die LWG hätte Vorteile: Nicht nur gäbe es eine neue Wohnform im Portfolio, sondern die Kosten können, weil die Versicherung mitmacht, auch mit denen verrechnet werden, die beim Wiederaufbau ohnehin entstanden wären. So kann – wenn die Statik fertig ausgerechnet ist – bei der LWG etwas ganz Neues entstehen, „ausgerichtet an unseren Standards“, betont der LWG-Chef.

Dach wird ständig überprüft

Sobald wie möglich soll, abhängig von der Fertigstellung der Statik, das Dach abschließend wiederhergestellt werden. Das aktuelle Provisorium werde ständig überprüft. „Aber es wird natürlich nicht ewig halten“, sagt er weiter. Bis zum Jahresende will Frank Freyer das Projekt Maisonette-Wohnung dann umgesetzt haben.