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| 16:24 Uhr

Rück- und Ausblick
Stein auf Stein wird Zukunft gebaut

 Bauamtsleiterin Michaela Schudek und Amtsdirektor Henri Urchs zeigen die Pläne für den künftigen Anbau an der Grundschule Schönwalde.
Bauamtsleiterin Michaela Schudek und Amtsdirektor Henri Urchs zeigen die Pläne für den künftigen Anbau an der Grundschule Schönwalde. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Es ist Henri Urchs’ erstes Jahr im Unterspreewald. Der neue Amtsdirektor trat nach Ostern die Nachfolge von Jens-Hermann Kleine (CDU) an. Jetzt stehen große Projekte ins Haus. Von Ingvil Schirling

Henri Urchs erlebte eine ziemliche Überraschung. Gut vorbereitet, begann der Jurist aus Kolkwitz bei Cottbus im April ein neues Kapitel in seinem Berufsleben und wurde vom Anwalt zum Amtsdirektor. Neun Monate später konstatiert er, dass sein Bild vom Unterspreewald an einer entscheidenden Stelle verändert ist. „Ich war der Meinung, dass das Amt eine gute Infrastruktur hat. Das ist auch so. Ich schloss daraus, dass die Bautätigkeit auf einem geringen Level bleiben wird. Doch das Gegenteil ist der Fall“, verweist er auf 16 Tief- und gut 20 Hochbauprojekte, die in den kommenden Jahren anstehen. Der Grund ist einfach: Das Amt profitiert erheblich vom Einwohner-Zuzug. Kitas und Schulen platzen aus allen Nähten, Baugebiete füllen sich, der Bedarf reißt nicht ab.

Man kann das durchaus als das Ergebnis eines roten Fadens im Handeln der bisherigen Amtsdirektoren sehen, von Jens-Hermann Kleine über Carsten Saß bis hin zu Dr. Markus Grünewald (alle CDU). Den Satz „Zukunft kann man bauen“ von Antoine de Saint-Exupéry hat sich besonders Jens-Hermann Kleine zu eigen gemacht, doch auch seine Vorgänger setzten gemeinsam mit Bürgermeistern und Gemeindevertretern die Bildungsinfrastruktur mit Kitas und Schule auf Platz eins der Projektliste. Mit der hervorragenden Lage im Landkreis und der guten Anbindung an Straße und Schiene zusätzlich im Rücken, verzeichnet das Amt, 2013 zusammengeführt mit dem Golßener Land, damals unter Amtsdirektorin Ursula Schadow, statt des vorhergesagten Bevölkerungsrückgangs einen Zuwachs. Der Anteil der sozial­versicherungspflichtig Beschäftigten liegt aktuell mit 76,4 Prozent deutlich über dem Durchschnitt in LDS (64,1 Prozent), die Arbeitslosigkeit mit 3,1 Prozent im Bereich der Vollbeschäftigung (LDS: 3,8 Prozent).

 Auch im Kleinen wird gebaut: Die Kita Regenbogen bekam 2018 ein Spielhaus und sieht wie die Schule einer ungleich größeren Erweiterung entgegen.
Auch im Kleinen wird gebaut: Die Kita Regenbogen bekam 2018 ein Spielhaus und sieht wie die Schule einer ungleich größeren Erweiterung entgegen. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Dieser rote Faden führt nun zu Ausbau und Erweiterung in alle Richtungen. Dazu drei Beispiele:

Das „Quartier Mühlenhof“. Eigentlich sollte nur ein Platz für die vom Mühlenverein gekaufte Paltrock-Mühle gefunden werden. Inzwischen ist daraus die Planung für ein neues Dorfzentrum gegenüber der Grundschule entstanden. Einkaufsladen, Bäckerei, Geldinstitut, Altersruhesitz, Gesundheitsvorsorge – rund um die Mühle könnten Angebote entstehen, die noch mehr Leben ins Dorf bringen. Um das „Quartier Mühlenhof“ noch besser mit der Schule verbinden zu können, wird über die Verlegung der Straße nachgedacht. Es wird zwar noch dauern, bis die ersten Bagger rollen, doch „die Planungen sind ein gutes Stück vorangekommen“, schätzt Urchs ein.

 Gemeinsam für die Bildung: Bürgermeister und Ortsvorsteher im Amt Unterspreewald beim Amtskonvent.
Gemeinsam für die Bildung: Bürgermeister und Ortsvorsteher im Amt Unterspreewald beim Amtskonvent. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Die Erweiterung von Schule und Kita. In Schönwalde platzen Schule und Kita „Regenbogen“ aus allen Nähten. Für beide mussten Ausweichräume geschaffen werden, beide müssen dringend erweitert werden. Die Schule soll möglichst bis September 2021 einen Erweiterungsbau nach vorne zur Straße bekommen, verbunden mit dem „Altbau“ durch einen Gang. Die aktuelle Schätzung für die Investition liegt bei 5,8 Millionen Euro. 2,6 Millionen Euro hat das Amt über Fördermittel bereits eingeworben, 3,2 Millionen Euro sollen über weitere Zuwendungen und der Rest über Kredite finanziert werden. Das neue Haus wird die jetzt sehr nüchterne Ansicht lebendig werden lassen. Im Erdgeschoss entstehen unter anderem eine Mensa mit Platz für 300 Personen, die abtrennbar ist und für Veranstaltungen genutzt werden kann, Schulküche, Musikraum, Schulleitung, Sekretariat und ein Lehrerzimmer. Im ersten Stock finden sich Klassen- und Teilungsräume. Dieses Jahr soll die Planung vorangetrieben werden, damit in den Sommerferien 2020 der Rohbau hochgezogen werden kann, so Bauamtsleiterin Michaela Schudek.

Projekte in Golßen. Der Haupt-Verwaltungssitz des Amtes wird eine Reihe von Veränderungen sehen. Die Grundschule soll ein überdachtes Halbrund ähnlich einem Amphitheater bekommen, in dem gewartet, gelesen, gespielt werden kann. Der Umbau samt Sanierung des Marstalls zu einem soziokulturellen Zentrum ist in der Fördermittelakquise und soll über EU- und Landesmittel realisiert werden. Das Golßener Schloss wiederum könnte für sechs bis sieben Millionen Euro umgebaut und saniert werden. Einen Vorvertrag mit der Awo, die Teile nutzen will, gibt es bereits. Für die übrigen Räume „gibt es viele Ideen“, sagt Amtsdirektor Henri Urchs. Eine Arztpraxis sei nur eine davon, eine andere ein Standesamt in der ehemaligen Orangerie, „zumal dieser Bereich barrierefrei ausgebaut werden könnte“. Im Rathaus sei lediglich Platz für etwa 30 Gäste einer Trauung. Im Gebäude am Markt 1 neben dem Rathaus stehen Sanierungen an, „und es gibt auch Platzdefizite“, so der Amtsdirektor weiter. Daher soll das Verwaltungsgebäude in Schönwalde erweitert werden (die LR berichtete). Neben der Kirche soll ein Gebäude errichtet werden, durchgängig barrierefrei und mit Versammlungssaal, fünf Büroplätze, Revierpolizei und geeignet als Zentrale für Katastrophenschutz. Während in Golßen saniert wird, finden dort die Mitarbeiter ihre Plätze. Ziel ist es, diese Baustelle bis 2021 erledigt zu haben.