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| 16:04 Uhr

Hochallergene Pollen
„Wir sitzen alle in einem Boot“

Hier wurde alles richtig gemacht: Die Pflanze wurde mitsamt der Wurzel entfernt, Schutzhandschuhe sind ein Muss.
Hier wurde alles richtig gemacht: Die Pflanze wurde mitsamt der Wurzel entfernt, Schutzhandschuhe sind ein Muss. FOTO: Rüdiger Hofmann
Spreewald. Die Ambrosia-Pflanze ist in der Region ein großes Problem. Die Bekämpfung beginnt im eigenen Garten. Von Liesa Hellmann

Gisela Christl kann wieder aufatmen. Tränende Augen, geschwollene Schleimhäute, Juckreiz – diese typischen Symptome einer Allergie plagen sie vor allem während der Sommermonate von August bis September. Was auf den ersten Blick nach einem Heuschnupfen aussieht, ist tatsächlich eine Ambrosia-Allergie. Die Pollen der Beifußblättrigen Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) – kurz Ambrosia genannt – können Allergien, Hautausschläge und im schlimmsten Fall Asthma auslösen. Im Vergleich zu heimischen Pflanzen hat sie ein besonders hohes allergenes Potenzial. Jetzt, Ende Oktober, ist die Pollenzeit vorbei, doch im Sommer können schon wenige Pollen genügen, um schwere Symptome auszulösen.

Bereits seit 2014 warnt die als „Spreewald-Christl“ bekannte Lübbenerin deshalb vor der Ausbreitung der Pflanze. Gemeinsam mit Anwohnern hat sie selbst schon Bestände der Pflanze entfernt. „Dabei muss man unbedingt Handschuhe anziehen, sonst riskiert man starke Schwellungen“, warnt sie. Außerdem empfiehlt sich ein Mundschutz, um vor den Pollen geschützt zu sein. Wer Ambrosia auf seinem Grundstück entdeckt, gräbt die Pflanzen mit Wurzel am besten im Frühjahr aus, bevor sie Blüten, Pollen oder wie jetzt im Herbst Samen entwickeln können.

Ein Großteil von Ambrosia wächst an Straßenrändern und auf landwirtschaftlichen Flächen. Besonders für ökologische Betriebe kann die Pflanze zum Problem werden. Ambrosia verdrängt dort vor allem Sonnenblumen und Mais. Den Biobauern hilft bei starkem Befall nur noch das Abmähen, wobei auch die Ernte zerstört wird, berichtet Thomas Goebel, Vorstandsvorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg. „Bei Ambrosia sitzen wir alle - Landwirte, Kommunen, Bürger - in einem Boot“, sagt er.

„Die Bekämpfung der Beifuß-Ambrosie gestaltet sich extrem schwierig“, sagt der Pressesprecher des Landkreises Dahme-Spreewald, Bernhard Schulz. Die Pflanze verbreitet sich zwar nur durch ihre Samen, diese können im Boden aber jahrzehntelang keimfähig bleiben. Zwar gibt es seit 2014 immer weniger Meldungen der Pflanze, dies bedeutet aber nicht, dass das Vorkommen tatsächlich zurückgegangen ist. Eine Ausrottung von Ambrosia in Brandenburg scheint nicht mehr möglich zu sein: „Es ist unser Ziel, den Ambrosia-Befall auf ein erträgliches Maß zu senken“, sagt Matthias Hoffmann, der seit Oktober Ambrosia-Koordinator von Brandenburg ist. Er soll Maßnahmen gegen die Pflanze koordinieren und Strategien erarbeiten, um ihre Ausbreitung zu begrenzen. So würden die Straßenränder regelmäßig gemäht. In der Landwirtschaft müsste Ambrosia als Unkraut bekämpft werden. Für Landwirtinnen werde Beratung angeboten, außerdem helfe der der Brandenburger Pflanzenschutzdienst.

„Die Landkreise SPN und OSL sind Ambrosia-Schwerpunktgebiete in Brandenburg“, gibt Hoffmann zu Bedenken. Besonders hohe Belastungen weisen Forst und Drebkau im Spree-Neiße-Kreis und Vetschau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz auf (Die Rundschau berichtete). In Lübben sind auf kommunalen Flächen derzeit keine Ambrosia-Vorkommen bekannt, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Zwar hielten die Mitarbeiter der Straßenverkehrsämter nach den Pflanzen Ausschau, „wir sind aber auf die Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger angewiesen“, sagt Ambrosia-Koordinator Hoffmann. Ambrosia-Bestände sollten deshalb unbedingt gemeldet werden.