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| 18:45 Uhr

Hochallergene Pollen
„Wir sitzen alle in einem Boot“

So macht man es richtig: Die Pflanze mitsamt der Wurzel entfernen, Schutzhandschuhe sind ein Muss.
So macht man es richtig: Die Pflanze mitsamt der Wurzel entfernen, Schutzhandschuhe sind ein Muss. FOTO: Rüdiger Hofmann
Spreewald. Die Ambrosia-Pflanze ist in der Region ein großes Problem. Die Bekämpfung beginnt im eigenen Garten. Von Liesa Hellmann

Gisela Christl kann wieder aufatmen. Tränende Augen, geschwollene Schleimhäute, Juckreiz – diese typischen Symptome einer Allergie plagen sie vor allem von August bis September. Was auf den ersten Blick nach einem Heuschnupfen aussieht, ist tatsächlich eine Ambrosia-Allergie. Die Pollen der Beifußblättrigen Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) – Ambrosia genannt – können Allergien, Hautausschläge und im schlimmsten Fall Asthma auslösen. Im Vergleich zu heimischen Pflanzen hat sie ein besonders hohes allergenes Potenzial. Jetzt ist die Pollenzeit vorbei, doch im Sommer können schon wenige Pollen genügen, um schwere Symptome auszulösen.

Bereits seit 2014 warnt die als „Spreewald-Christl“ bekannte Lübbenerin deshalb vor der Ausbreitung der Pflanze. Gemeinsam mit Anwohnern hat sie selbst schon Bestände entfernt. „Dabei muss man unbedingt Handschuhe anziehen, sonst riskiert man starke Schwellungen“, warnt sie. Außerdem empfiehlt sich ein Mundschutz, um vor den Pollen geschützt zu sein. Wer Ambrosia auf seinem Grundstück entdeckt, gräbt die Pflanzen mit Wurzel am besten im Frühjahr aus, bevor sie Blüten, Pollen oder wie jetzt im Herbst Samen entwickeln können.

Ein Großteil von Ambrosia wächst an Straßenrändern und auf landwirtschaftlichen Flächen. Besonders für ökologische Betriebe kann die Pflanze zum Problem werden. Ambrosia verdrängt dort vor allem Sonnenblumen und Mais. Den Biobauern hilft bei starkem Befall nur noch das Abmähen, wobei auch die Ernte zerstört wird, berichtet Thomas Goebel, Vorstandsvorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg. „Bei Ambrosia sitzen wir alle – Landwirte, Kommunen, Bürger – in einem Boot“, sagt er.

„Die Bekämpfung der Beifuß-Ambrosie gestaltet sich extrem schwierig“, sagt auch der Pressesprecher des Landkreises Dahme-Spreewald, Bernhard Schulz. Die Pflanze verbreitet sich zwar nur durch ihre Samen, diese können im Boden aber jahrzehntelang keimfähig bleiben. Wer im Winter Vögel füttern möchte, sollte unbedingt darauf achten, nur zertifizierte Futtermischungen zu verwenden. In anderen stecken oftmals auch Ambrosia-Samen. Zwar gibt es seit 2014 weniger Meldungen der Pflanze. Dies bedeutet aber nicht, dass das Vorkommen tatsächlich zurückgegangen ist.

„Es ist unser Ziel, den Ambrosia-Befall auf ein erträgliches Maß zu senken“, sagt Matthias Hoffmann, der seit Oktober Ambrosia-Koordinator von Brandenburg ist. Er soll Maßnahmen miteinander abstimmen und Strategien erarbeiten, um die Ausbreitung der Pflanze zu begrenzen. So würden die Straßenränder regelmäßig gemäht. In der Landwirtschaft müsste Ambrosia als Unkraut bekämpft werden. Für Betriebe werde Beratung angeboten, außerdem helfe der Brandenburger Pflanzenschutzdienst.

„Die Landkreise SPN und OSL sind Ambrosia-Schwerpunktgebiete in Brandenburg“, gibt Hoffmann zu bedenken. Besonders hohe Belastungen weisen Forst, Drebkau und Vetschau auf. In Lübben dagegen sind auf kommunalen Flächen derzeit keine Ambrosia-Vorkommen bekannt, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Zwar hielten die Mitarbeiter der Straßenverkehrsämter nach den Pflanzen Ausschau, „wir sind aber auf die Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger angewiesen“, sagt Ambrosia-Koordinator Hoffmann.

Blaumeisen sind gern zu Gast im Vogelhaus – und freuen sich auf Futter ohne Ambrosia-Samen.
Blaumeisen sind gern zu Gast im Vogelhaus – und freuen sich auf Futter ohne Ambrosia-Samen. FOTO: dpa / Patrick Pleul