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Amateurfotograf auf Spurensuche

Frank Müller (li.) hat in alten Sowjet-Kasernen fotografiert.
Frank Müller (li.) hat in alten Sowjet-Kasernen fotografiert. FOTO: Staindl/asd1
Lübben. In zahlreichen Kasernen in Brandenburg hat Frank Müller fotografiert. Die Objekte waren längst verlassen und dem Verfall preisgegeben. Andreas Staindl / asd1

Müller, Jahrgang 1944, hat mit seinen Bildern Geschichte bewahrt. Die eindrucksvollsten Fotos stellt der Kablower (Stadt Königs Wusterhausen) derzeit in der horizontalen Galerie im Landratsamt in der Reutergasse in Lübben aus.

Die Fotos machen neugierig. Warum stehen das Feldbett und das Siegerpodest dicht beieinander? Ist das wirklich einer der Klitschko-Brüder, der dort auf dem Zeitungsausschnitt zu sehen ist? Und wurden die Gasmasken dort am Boden schon für den Ernstfall bereitgelegt? Frank Müller kann die Fragen nicht beantworten. Das muss er auch nicht. Seine Bilder sprechen für sich. Sie verraten zumindest eines: Die Mitglieder des sowjetischen Militärs in der DDR haben sich ein Stück Heimat in ihre Kasernen geholt. Ein klein wenig Farbe in ansonsten lieblos wirkenden Räumen. 1994 hatten die letzten sowjetischen Soldaten Deutschland verlassen. Müller, seit 1960 Amateurfotograf, sah in deren ehemaligen Kasernen spannende Objekte mit interessanten Motiven. Er ging auf Spurensuche und entdeckte etwa Reste von Bemalung und Wandzeitungen. Der Zahn der Zeit hatte seine Spuren an und in den Gebäuden hinterlassen. Tapeten lösten sich langsam von den Wänden. Farbe blätterte ab und gab mehrere Schichten Anstrich frei. Pflanzen besiedelten die Räume, die zuvor von Soldaten und Offizieren genutzt worden waren. Es scheint, als würde Gras über die Sache wachsen. Frank Müller hat auch einen Operationsraum mit seiner Kamera festgehalten. Zu sehen ist zudem ein Bildnis Lenins, dem russischen Revolutionär. Der Amateurfotograf spielt gern mit dem Licht. Faszinierend wie ein wenig aufgewirbelter Staub die Sonnenstrahlen verstärken und damit das Bild noch interessanter macht. Der Kablower war in zahlreichen ehemaligen Kasernen in Brandenburg unterwegs. Er fotografierte etwa in Wünsdorf und in Brand, in Jüterbog, Sperenberg und Fürstenwalde, auch in Beelitz-Heilstätten, dem größten Militärhospital der sowjetischen Armee im Ausland. Seine Streifzüge waren ein Abenteuer und nicht immer ganz ungefährlich, weil verboten wie er sagt. Einmal sei er vom Wachschutz erwischt und ein anderes Mal in einer alten Kaserne eingeschlossen worden. Frank Müller hat auch kleinste Schlupflöcher genutzt, um in ein verlassenes Gebäude zu kommen, sich durch enge und dunkle Gänge vorangetastet, in einsturzgefährdete Objekte gewagt, und sich manchmal erschrocken, wenn weitere Fotografen dort unterwegs waren. Seine Motive von einst gibt es nur noch als Foto. Es ist die vierte Ausstellung von Frank Müller an diesem Ort. Kasernen als Fotomotiv sind für ihn abgeschlossen. Er widmet sich jetzt Landschaften.

Die Ausstellung läuft bis zum zum 17. Juli