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Am Vorabend des großen Abenteuers

Trebatsch/Australien.. Am 23. Oktober war der 190. Geburtstag des Australienforschers Ludwig Leichhardt, der in Sabrodt bei Trebatsch geboren wurde und auf dem fünften Kontinent verschollen ist. Aus diesem Anlass ist Leichhardt-Forscher Bernd Marx in die Archive abgetaucht und hat Forschungsergebnisse zusammengestellt, die wir in einer Serie veröffentlichen. Heute die 16. Folge. Foto: B. Marx


Im Sommer 1846 war Leichhardt in Sydney mit der Ausarbeitung seines Manuskriptes über die Expedition beschäftigt. Da er zu den erfolgreichsten Forschern in Australien zählte, wurde er oft zu Gesprächen und Vorträgen eingeladen.
Die Unterlagen von Leichhardt wurden mehrfach revidiert, bevor sie als „Journal of an overland expedition in Australia, from Moreton Bay to Port Essington, a distance of upwards of 3000 miles, during the Years 1844-1845“ nach England geschickt und 1847 in London gedruckt wurden.
Auch in Deutschland blieb die Leistung des Preußen Leichhardt in Australien nicht unbekannt. Im zweiten Band von „Frorieps Fortschritte der Geographie und Naturgeschichte“ in Weimar waren auf Veranlassung von Alexander von Humboldt zwei Briefe Leichhardts vom 24. Januar und 18. April 1846 über den Verlauf der ersten Expedition veröffentlicht worden.

Ehrungen in Paris und London
Im April 1847 erhielt Ludwig die Große Goldene Medaille der Geographischen Gesellschaft zu Paris verliehen. Am 24. Mai folgte die Königliche Geografische Gesellschaft zu London. Stellvertretend für Ludwig Leichhardt nahm sein Freund William Nicholson die Große Goldene Medaille entgegen.
1846 war Leichhardt nicht nur mit der Auswertung der Reise nach Port Essington beschäftigt, sondern auch mit den Vorbereitungen seines nächsten Vorhabens, der Durchquerung des gesamten Kontinents. Schon im September 1841 hatte er seinem Schwager Schmalfuß nach Cottbus geschrieben: „Dieses Innere, dieser Kern der dunklen Masse ist mein Ziel, und ich werde nicht eher nachlassen, als bis ich es erreiche.“
Am 18. April 1846 kann er seinem Schwager sein Ziel exakter definieren: „Zu Anfang Oktober hoffe ich eine neue Reise zu beginnen, welche, obwohl länger, dennoch interessanter als die letzte sein wird. Ich hoffe, in zwei Jahren von Swan River zurückzukehren; denn ich habe die Absicht, zu den Tropen hinabzugehen und in einer Breite von 22° bis 23° zu der Nord-West-Küste von Australien hinüber zu dringen und diese gegen Süden bis nach Swan River zu verfolgen. In einer Breite von 23°30‘ kreuzte und verließ ich einen Fluss, der, obwohl nicht fließend, doch mit Wasser reichlich versehen war. Ich wünsche nun an diesem Flusse hinauf zu gehen und von seinen Quellen entweder auf die Quellen der Nebenströme des Burdekin oder auf die Quellen des Wassersystems des Golfs von Carpentaria zu kommen, welches ich in ungefähr 22 bis 23° Breite zu finden hoffe. Auf dem vorausgesetzten Plateau dieses Wassersystems wünsche ich nun gegen Westen zum Cambridge Golf zu gehen und dann mich gegen Süden zu wenden, um ungefähr 150 bis 200 englische Meilen von der Küste, dieser parallel nach Swan River zu wandern.“
Leichhardt ist klar, dass er wegen des Wassermangels im Zentrum Australiens nicht die kürzeste Entfernung von Ost nach West in Höhe des Wendekreises des Steinbocks einschlagen kann. Aus den Erfahrungen der ersten Expedition wollte er wieder mit Pferden und Ochsen unterwegs sein. Maultiere sollten als Lasttiere und Ziegen als Fleischreserve hinzu kommen.

Abenteurer kamen
Da sich die Erfolge von Ludwig Leichhardt im Land herumgesprochen hatten und sein neues Vorhaben bald in aller Munde war, bewarben sich zahlreiche Männer für dieses Abenteuer. John Frederick Mann war 27 Jahre alt, Landvermesser und ein guter Zeichner. Der 33-jährige Daniel Bunce war als Gärtner und Journalist tätig. 23 Jahre alt war der Farmer Hovenden Hely. Er kannte den Umgang mit Tieren und hatte Erfahrungen mit dem australischen Busch. Zu den Bewerbern gehörte auch der Aborigine Harry Brown, Teilnehmer der ersten Leichhardt-Expedition. Der zweite Aborigine war Wommai. Dazu kamen der Sattlergeselle James Perry und der Deutsche Heinrich Boecking. Leichhardt hatte den Gerber und Bäckergesellen Boecking während der Überfahrt auf der „Sir Edward Paget“ kennen gelernt
Am 1. Oktober 1846 reiste die Gruppe mit dem Schaufelraddampfer „Thistle“ von Sydney nach Newcastle. John Mann hatte die Aufgabe, am 15. Oktober mit dem Dampfschiff „Tamar“ nach Brisbane zu fahren und mit den Ochsen und der Ausrüstung in die Darling Downs zu kommen. Dort wollte die Expedition die Durchquerung des Kontinents beginnen.
Die Gruppe um Leichhardt erwarb zwölf Reitpferde, 15 Maulesel und fast 300 Ziegen. Leichhardt fertigte sein Testament. Er bedachte seine Mutter in Trebatsch mit Geld und seine engsten Freunde mit Sammlungen, Büchern und Expeditionsunterlagen. Dieses Schriftstück liegt heute im Original im Trebat scher Heimatmuseum.
Die Gruppe zog mit den Tieren nach Gloucester. Dort bat der Farmarbeiter Henry Turnbull, den Leichhardt im April 1844 kennen gelernt hatte, an der Expedition teilnehmen zu dürfen. Der Tross zog weiter in Richtung Darling Downs. Überraschend traf er auf John Roper, Teilnehmer der ersten Leichhardt-Expedition 1844/45.

Vierbeinige Geschenke
Zahlreiche Siedler schenkten dem Team Ochsen, Schafe und Ziegen. Als die Gruppe um Ludwig Leichhardt im Dezember 1846 den Vorposten der Zivilisation erreicht hat und die zweite Expedition beginnen kann, gehören zu der neunköpfigen Menschengruppe 14 Pferde, 16 Maulesel, 40 Ochsen, 270 Ziegen, 90 Schafe und vier Hunde. Als Lebensmittel hatten sie 500 Kilogramm Mehl, 100 Kilogramm Salz, 100 Kilogramm Tee und 100 Kilogramm Zucker mit dabei. Auch 100 Kilogramm Gewehrblei, 25 Kilogramm Schießpulver und Zelte zählten zur Ausrüstung der Mannschaft.
Zu den persönlichen Dingen jedes Teilnehmers gehörten drei derbe Hosen, sechs Hemden, drei Paar Schuhe sowie Strümpfe, eine Wolldecke, Handtücher, ein Hut, Kämme, Zahnbürsten und Nähzeug.

Zufrieden mit Begleitung
Leichhardt schrieb an Schmalfuß: „Ich schrieb Dir, dass ich viel Ärger mit meinen früheren Begleitern hatte. Nach allem, was ich von meinen gegenwärtigen Gefährten gesehen habe, verspreche ich mir in dieser Beziehung eine sehr angenehme Reise. Es sind junge Leute, einige recht wohl erzogen, deren Charakter mir entweder seit einiger Zeit bekannt war, oder die mir auf das Beste empfohlen wurden. Nach Vollendung dieser Reise werde ich nach Europa zurückkehren und werde Euch besuchen, doch dauernd werde ich schwerlich wieder in Deutschland, oder selbst in Europa, leben. Ich muss zurück zum Lande meiner Wanderjahre, zu dem schönen, zu dem herrlichen Himmel Australiens.“ Anfang Dezember 1846 erreichte die Expedition den Condamine River. Die neun Tapferen, Leichhardt, Hely, Mann, Turnbull, Bunce, Boecking, Perry, Brown und Wommai nahmen ihr gewaltiges Abenteuer, die Durchquerung des Kontinents, in Angriff.