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| 12:06 Uhr

Im Lübbener Toilettenstreit deutet sich Entspannung an
Stiller Ort bald mit stillem Örtchen?

 m Lübbener Hauptfriedhof gibt es eine Toilette – doch geöffnet ist nur, wenn die Verwaltungsmitarbeiter da sind. Das soll sich ändern, damit Friedhofsbesucher nicht mehr in große Not kommen, wenn sie ein dringendes Bedürfnis ereilt.
m Lübbener Hauptfriedhof gibt es eine Toilette – doch geöffnet ist nur, wenn die Verwaltungsmitarbeiter da sind. Das soll sich ändern, damit Friedhofsbesucher nicht mehr in große Not kommen, wenn sie ein dringendes Bedürfnis ereilt. FOTO: LR / Steven Wiesner
Lübben. Toiletten im Verwaltungs­gebäude am Haupt­friedhof sollen bis Jahresende, wenn möglich, allgemein zugänglich gemacht werden. Von Ingvil Schirling

Pinkeln in Unfrieden“ titelte die LR vor fast 14 Monaten. Das Thema drückte an einer sehr prekären Stelle – in mehrfacher Hinsicht.

Denn wer bei einem Besuch auf dem Lübbener Friedhof mal muss, kann und darf unter Umständen nicht. Ist die Friedhofsverwaltung nicht in ihrem Gebäude, sind auch die dortigen Toiletten verschlossen.

Das ist nicht nur am Wochenende der Fall, sondern auch dann, wenn jemand auf der vorsorglichen oder akuten Suche nach einer angemessenen Grabstelle etwas Zeit, Ruhe und umsichtige Begleitung braucht. Nun finden viele Beerdigungen am Wochenende statt, einfach weil es für Angehörige dann etwas leichter ist, sich Zeit für die Anreise zu nehmen. Wer ein dringendes Bedürfnis verspürt und sich auf die Suche machen muss nach einem stillen Örtchen, an dem man mal müssen darf, steht nicht selten vor verschlossener Tür.

Alles andere als neu

Die Situation ist bekannt und wurde schon 2011 diskutiert. Vor 14 Monaten hatte nicht nur Gerold Schwarz aus Lübben erneut darauf aufmerksam gemacht, sondern auch die Abgeordnete Dr. Inis Schönfelder in der Stadtverordnetenversammlung, deren nahegelegene Kinderarztpraxis zur Rettung in der Not werden kann, wenn die Blase drückt. Gerold Schwarz hatte damals aber auch beobachtet, dass nicht selten das Gebüsch zur letzten Zuflucht wird.

Ein unhaltbarer Zustand, fand er – damals wie heute. Diesen Sommer meldete er sich wieder bei der LR und kritisierte denselben Sachstand. Äußerlich hat sich an der Lage nichts geändert. Die Lübbener Stadtverwaltung war unterdessen aber nicht untätig, verdeutlichte Frank Neumann als Fachbereichsleiter Bau. Priorität hatten allerdings aus seiner Sicht die großen Vorhaben wie der Modulbau an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule, der Ausbau der B 87 am Houwald-Damm oder die Auftragsvergabe für den Würfel als Erweiterung der Liuba-Grundschule. „Damit hatte der zuständige Mitarbeiter sehr viel zu tun“, sagt er.

Ökologische Lösung geprüft

Dennoch habe man sich Gedanken gemacht. Das Problem sei, dass für einen Toilettenbau Strom, Wasser und Abwasser verlegt werden müssten. Dixie-Klos wurden von der Verwaltung abgelehnt, auch aus Furcht vor Vandalismus. Nun sei überlegt worden, ob sich eine „ökologische“ Lösung findet, die ohne Anschlüsse an diese Medien auskommt. In Randberlin wurde man fündig und besichtigte eine derartige Anlage auf einem Kinderbauernhof. Ergebnis: „Nicht schlecht, aber für einen Friedhof nicht geeignet“, sagt Frank Neumann.

Seit Kurzem hat nun ein Mitarbeiter den Sachbereich Gebäudemanagement verstärkt. Nun prüfe dieses Sachgebiet, „ob sich das Verwaltungsgebäude auf dem Friedhof baulich so verändern lässt, dass die Toiletten auch außerhalb der Öffnungszeiten der Verwaltung zugänglich gemacht werden können“, informiert Pressesprecherin Dörthe Ziemer auf die erneute LR-Nachfrage. „Dies würde erhebliche Einsparungen beim Planungs- und Umsetzungsaufwand und den finanziellen Mitteln mit sich bringen, daher wird diese Idee derzeit favorisiert.“ Eine Vor-Ort-Begehung stehe in den nächsten Tagen an. Die Haushaltsmittel seien für dieses Jahr eingestellt, eine Umsetzung sei daher noch dieses Jahr vorgesehen.

„Richtig borstig“

Je länger sich das Problem derweil aufstaut, desto dringender wird es – und umso unfriedlicher. Gerold Schwarz ist inzwischen „richtig borstig“, sagt er. Dass ein Ort des stillen Gedenkens nicht zuverlässig über ein stilles Örtchen verfügt, und das so lange, hält er sogar für „ein Nicht-Wollen von Seiten der Stadt, und das ärgert mich“. Zu Friedhofs-Besuchern, unterstreicht er, gehören ältere Menschen, für die der Weg zu den Toiletten der Friedhofsverwaltung und wieder zurück in dieser Situation besonders weit werden kann. Ab kommendem Jahr aber – wenn die Pläne der Verwaltung so umgesetzt werden kann – wenigstens nicht mehr vergeblich.