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Alt Zaucher Gäste grüßen jetzt direkt aus der Spreewald-Sage

Einige Schüler der Alt Zaucher Lernwerkstatt mit ihren Betreuern an ihrem Kunstwerk. Die witzige Idee bietet Gästen des Spreewalddorfes die Möglichkeit, den Figuren ihr Gesicht zu geben und damit ein einzigartiges Postkartenmotiv bekommen.
Einige Schüler der Alt Zaucher Lernwerkstatt mit ihren Betreuern an ihrem Kunstwerk. Die witzige Idee bietet Gästen des Spreewalddorfes die Möglichkeit, den Figuren ihr Gesicht zu geben und damit ein einzigartiges Postkartenmotiv bekommen. FOTO: Ingvil Schirling
Alt Zauche. Es ist der Klassiker aller Spreewaldsagen: Dem Teufel ging der Ochsenkarren durch und die Fließe wurden im Zick-Zack gepflügt. So erzählt man sich die Entstehung des verzweigten Wassernetzes. Ingvil Schirling

Und so haben es die Schüler der Alt Zaucher Lernwerkstatt aufgemalt, auf ein großes Holzbild, das direkt in der Dorfmitte steht. Ein roter Teufel lehnt sich an eine schöne Spreewälderin, der Ochsenkarren zieht davon. Die neue Attraktion trägt den Ortsnamen im Titel, und somit könnte Alt Zauche bald via soziale Netzwerke in aller Welt bekannt werden.

Den Boden der Tatsachen dazu schuf Gemeindevertreterin Carola Kollosche gemeinsam mit der Lernwerkstatt. Sie hatte die Idee, ein derartiges Bild in der Dorfmitte aufzustellen. "Überall wird fotografiert, warum nicht ein lustiges Fotomotiv für unser Dorf schaffen?" Der Clou: Die Gesichter des Teufels und der Spreewälderin sind ausgeschnitten. Wer mag, kann sich dahinter stellen und durchschauen - und sich dann als Teil der Spreewaldsage ablichten lassen.

Gut ein Jahr ist es her, dass dieser Einfall erstmals ausgesprochen wurde. Mit der Umsetzung wurde die Alt Zaucher Lernwerkstatt betraut. Unter den Fittichen des ASB-Kreisverbands Lübben und in Kooperation mit der Goyatzer Ludwig-Leichhardt-Oberschule lernen hier ehemalige Schulverweigerer, was sie für eine Berufsausbildung brauchen: praxisnah, in Kleingruppen und mit engmaschiger Betreuung. Die "Spreewälder Holzwürmer", so nennen sie sich, bauen dabei vieles aus Holz und waren von der Idee begeistert. Schritt für Schritt entwickelte diese sich weiter: Es wurde "nicht nur, wie ursprünglich geplant, eine Spreewälderin, sondern gleich die Sage mit dem Teufel und seinen durchgehenden Ochsen", berichtet Carola Kollosche. "Die Jugendlichen haben sich sehr engagiert, hatten viel Spaß bei der Arbeit und lernten nebenbei auch noch etwas über die Sagen der Region", bekräftigt Ronald Görick, Leitender Sozialarbeiter in der Lernwerkstatt. Nun steht es, "und wir sind so stolz darauf, dass wir so ein tolles Bild hier haben", bilanziert die Alt Zaucher Gemeindevertreterin.

"Jeder hat seine Talente mit eingebracht", sagt Ronald Görick. Die Vorzeichnung stammt von Simon. Mit Hilfe eines Projektors wurde sie auf die zwei Meter hohe Holzwand geworfen und übertragen. Kleine Detailarbeiten wie die Blumen auszumalen, erforderte Geduld. Umgesetzt wurde alles neben der Unterrichtszeit. Geplant sind weitere Optimierungen. Hinter dem Bild soll eine Art Rampe entstehen, damit auch kleinere oder weniger bewegliche Menschen den Figuren ein Gesicht geben können. Außerdem wollen die "Holzwürmer" noch ein Dach zimmern, damit das Werk lange, geschützt vor der Witterung, strahlen kann.

Ausmessen, sägen, verbinden und montieren werden dann jüngere Generationen. Alle Schüler des Abschlussjahrgangs haben eine Perspektive, berichtet Ronald Görick stolz. Daniel wird Mechatroniker für Nutzfahrzeuge und beginnt dafür eine Ausbildung. Zwei seiner Mitschüler lernen Landwirt in Dürrenhofe, einer geht zu einem Lübbener Baumarkt. Steven macht eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme.

Dass alle einen Ausbildungs- oder Weiterbildungsplatz bekommen haben, keiner mit leeren Händen dasteht, wertet Ronald Görick als großen Erfolg. Immerhin waren sie einmal Schulverweigerer. Einer davon reist sogar täglich mit dem Zug aus Cottbus an und wird in Lübben vom Fahrdienst abgeholt. Trotz der weiten Strecke habe er keine Fehlzeiten.

"Viele fleißige Hände und Unterstützer aus dem Dorf haben bei der Bereit- und Aufstellung der Tafel geholfen", dankt Carola Kollosche allen Beteiligten. Die Gäste haben nun die Qual der Wahl: Wer gibt die schöne Wendin, wer das kesse Teufelchen? Ein Blick in soziale Netzwerke wird vielleicht bald zeigen, welche Bilder von Alt Zauche um die Welt gehen.