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| 02:43 Uhr

Als sich in Lübben der Arbeiter- und Soldatenrat bildete

Die Novemberrevolution vor 90 Jahren in Deutschland, die das Ende des Ersten Weltkriegs und die Abdankung des Kaisers zur Folge hatte, erreichte am 10. November Lübben. Die damaligen Ereignisse in der Spreewaldstadt schildert Heimathistoriker Rolf Ebert in einer Artikelserie für die RUNDSCHAU. Heute Teil 3:

Der Lübbener Arbeiter- und Soldatenrat konnte die Forderungen der Bevölkerung nach Verbesserung der Lebensverhältnisse durch mehr Lebensmittel, Brennstoffe und bessere Kleidung überhaupt nicht erfüllen. Denn einerseits standen diese Güter und Produkte einfach nicht zur Verfügung. Andererseits konnte er sich nicht in die Tätigkeit der Verwaltungen einmischen.

Die Einwohner wandten sich zwar mit Petitionen, Eingaben und vielen Forderungen an den Rat, der sie auch pflichtgemäß an die Beamten in Stadt und Landratsamt weiterreichte. Dort aber waren die ehemals auf den Kaiser eingeschworenen Beamten nicht bereit, irgendwelche Veränderungen herbeizuführen. Hinzu kamen Differenzen zwischen den stadtfremden Soldaten und dem Arbeiterrat, der sich immer mehr für die Interessen der Lübbener einsetzte.

Am 7. Januar 1919 legten der Vorsitzende des Arbeiterrates, der Unternehmer Trüschel und sein Stellvertreter Schultze alle Ämter nieder, weil sie bei der Wahl des Vollzugsrates Gegenstimmen erhalten hatten. Dafür traten die Sozialdemokraten Alfred Netzel und Max Hirsekorn in den Rat ein. Schließlich erschien der Soldatenrat überhaupt nicht mehr zu den Beratungen. Vor allem nach der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 verlor der Arbeiterrat immer mehr Mitglieder und musste neue wählen. Zu den letzten Mitgliedern des Vollzugsausschusses oder Vollzugsrates gehörten im Mai 1919 August Hille (Vorsitzender), Erich Volkholz, Heinrich Krüger, Albert Kleinke und Albert Springmann.

Auf der ersten Tagung des Arbeiter- und Soldatenrates im Regierungsbezirk Frankfurt/Oder, zu dem Lübben gehörte, wurde erklärt, dass "die Räte nur eine vorübergehende Einrichtung bis zur Durchführung der Nationalversammlung sind, die bald eine neue Regierung schaffen wird".

Somit setzte sich auch der Lübbener Delegierte für die Wahl der Nationalversammlung ein und nicht für ein Rätesystem, wie es die Arbeiter und Soldaten ursprünglich befürwortet hatten. Am 19. Januar 1919 entließen Landrat und Bürgermeister auch die Beigeordneten. Der Rittergutsbesitzer Paschke hatte bereits den Rat verlassen.

Der Arbeiterrat tagte schließlich letztmalig am 16. Juli 1919. Er beschloss seine Auflösung. Im Protokoll der Magistratssitzung vom 31. Juli 1919 heißt es in einem Satz: "Arbeiterrat hat sich hier aufgelöst, 29.7.1919."