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| 02:44 Uhr

Als sich in Lübben Arbeiter- und Soldatenräte bildeten

Die Novemberrevolution vor 90 Jahren in Deutschland, die das Ende des Ersten Weltkriegs und die Abdankung des Kaisers zur Folge hatte, erreichte am 10. November Lübben. Die damaligen Ereignisse in der Spreewaldstadt schildert Heimathistoriker Rolf Ebert in einer Artikelserie für die RUNDSCHAU. Heute Teil 2:


An diesem Sonntag, dem 10. November 1918, trat bereits am späten Nachmittag der Arbeiter- und Soldatenrat in Lübben zu seiner ersten Sitzung zusammen. Er beschloss im Beisein des Landrates die Verteilung der Ämter und Funktionen. Vorsitzender wurde der Arbeiter Schulze, sein Stellvertreter der Unternehmer Trüschel. Bereits zwei Tage später wechselten sie diese Funktionen. Preuß wurde Schriftführer, Keutel dessen Stellvertreter, Michel und Warmuth wurden Beigeordnete des Bürgermeisters und des Landrates. Der Soldatenrat beschloss, dem Postdirektor einen Beigeordneten zur Seite zu stellen, um den Telegramm- und Telefonverkehr zu überwachen.

Die Beigeordneten hatten also die Aufgabe, alle Maßnahmen der Regionalpolitiker zu kontrollieren. Das dürfte über die Kräfte der beiden Beigeordneten gegangen sein, sodass von ihnen keine Einmischung in die Tätigkeiten der Beamten zu befürchten war.

Arbeiter an die Macht
Daher konnte der Landrat von Reden bereits am Dienstag, dem 12. November 1918 im "Lübbener Kreisblatt" die Erklärung wiederholen, dass "wie überall in Deutschland, auch in Lübben Soldaten und Arbeiterschaft die Herrschaft in ihre Hand genommen" hätten und er als Leiter der landrätlichen Geschäfte weiter im Amt bleibe. Damit verkündete er, dass sich nichts geändert hatte, außer, dass statt der kaiserlichen Regierung die Arbeiter- und Soldatenräte die Macht ausüben würden.

Doch die teilten bereits zwei Tage später, am 14. November 1918, den Lübbenern über die Tageszeitung mit, dass alle bisherigen (kaiserlichen) Gesetze, Verordnungen und polizeilichen Bestimmungen in Kraft blieben und alle Beamten des Magistrats, der Polizei und der Feuerwehr weiterhin Dienst tun würden. Der Waffenbesitz der Zivilbevölkerung bleibe verboten. Jeder, der plündere, raube, einbreche oder sich an Angriffen auf die persönliche Sicherheit der Bürger beteilige, würde mit dem Tod bestraft werden. Das beruhigte alle.

Während in Berlin der SPD-Führer Friedrich Ebert bereits am 10. November 1918 ein Bündnis mit der kaiserlichen Generalität eingegangen war, um seine Regierungsgewalt durch die Macht der Truppe zu sichern und Wahlen zur Nationalversammlung vorzubereiten, unterzeichnete einen Tag später der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger den Waffenstillstand mit den Siegermächten. Damit wurde der Erste Weltkrieg beendet.

Hoffnung auf Entscheidungen
Diese Mitteilungen im "Lübbener Kreisblatt" waren so bedeutsam, dass fast alle Einwohner nun hoffnungsvoll auf die nächsten Entscheidungen des Berliner Rates der Volksbeauftragten warteten. Eine erfüllte sich sofort, nämlich, dass die am Leben gebliebenen Soldaten des Brandenburgischen Jägerbataillons Nr. 3 bereits am 20. November 1918 nach Lübben zurückkehren konnten, um hier demobilisiert zu werden.

Nun hofften die Einwohner, dass auch ihre Lebenslage verbessert würde. Doch die blieb weiterhin sehr schlecht. Es mangelte an allem Nötigen, denn der Krieg hatte alle Ressourcen der Wirtschaft aufgebraucht.

Die Lebensmittel reichten nicht aus, um selbst die Abschnitte der Lebensmittelkarten zu bedienen. Es gab kaum Medikamente, Obst, Gemüse, Kartoffeln und Brot, von Fetten und Fleisch aller Art zu schweigen. Damit hatte sich der Wert des Geldes verschlechtert. Die Inflation war auf dem Vormarsch.