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| 11:47 Uhr

Dahme-Spreewald
Dahme-Spreewald diskutiert Prämie zur Vermeidung der Schweinepest

Wildschweine in einem Gehege. Das Risiko der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest ist nach wie vor hoch. Der Landkreis Dahme-Spreewald plant daher eine Abschussprämie, die aber erst noch diskutiert werden muss.
Wildschweine in einem Gehege. Das Risiko der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest ist nach wie vor hoch. Der Landkreis Dahme-Spreewald plant daher eine Abschussprämie, die aber erst noch diskutiert werden muss. FOTO: Ralf Hirschberger / dpa
Lübben/Luckau. Verwaltung schlägt 20 Euro Abschussprämie vor. Doch nach bewegter Debatte wurde das Thema erst einmal in den Fachausschuss zur weiteren Abwägung empfohlen. Von Ingvil Schirling

„Afrikanische Schweinepest“ – so heißt die Krankheit, die vor allem Schweinezüchtern derzeit Sorgen macht. Noch ist sie in der Region nicht ausgebrochen, doch die Gefahr besteht. Fachleute sagen, es sei keine Frage des Ob, sondern nur noch des Zeitpunkts (Die RUNDSCHAU berichtete bereits mehrfach.). Für den Menschen ist die Seuche ungefährlich. Würde sie jedoch in Schweinezuchtbetrieben ausbrechen, wäre der wirtschaftliche Schaden für die Landwirte erheblich.

Eine mögliche Antwort auf die Frage, wie ein Ausbruch verhindert oder zumindest das Risiko verringert werden könnte, ist die Reduzierung der Wildschweinbestände. Sie gelten als ein Überträger der Seuche.

Verstärkte Bejagung wird daher gefordert. Um einen Anreiz zu schaffen, sind auch Prämien für jedes erlegtes Tier im Gespräch. Das Land Brandenburg beispielsweise will ab 1. April „50 Euro für jedes Stück Schwarzwild zahlen, das über die Schwarzwildstrecke des Jagdjahres 2015/2016 als Referenzjahr hinaus erlegt wird“. So steht es in der Vorlage, die Kreistagsabgeordneten in Dahme-Spreewald aktuell vorliegt. Die Landkreisverwaltung schlägt nämlich vor, eine eigene Prämie in Höhe von 20 Euro auszusetzen. Dass die Landesprämie erst erreicht wird, wenn die Wildschweinstrecke von 15/16 übertroffen wird, hält Landrat Stephan Loge (SPD) für „zu wenig. Das kann die Stimulanz der Jägerschaft nicht erreichen.“ Zudem werde in Oberspreewald-Lausitz derzeit ebenfalls ein Vorschlag in diese Richtung diskutiert, warb der Landrat für gleiche Bedingungen.

In der Diskussion mit den Abgeordneten des Kreistages wurde es dann komplex. Olaf Schulze sprach sich namens der CDU dafür aus, zu den 20 Euro auch die Gebühr für die Trichinenschau zu erlassen, denn sonst blieben den Jägern unterm Strich nur 14 Euro. Das möge die Verwaltung prüfen. Lothar Treder-Schmidt (SPD/Grüne) befürchtete in seiner persönlichen Stellungnahme, dass lediglich ein Mitnahmeeffekt bei den Jägern entstünde. „Die Reduzierung der Wildbestände gehört ohnehin zu ihren Pflichten.“

Dr. Adolf Deutschländer (Die Linke) hatte sich intensiv mit dem Thema befasst und verlas eine mehrseitige Begründung, warum er „in dieser Vorlage keine wirksamen Schritte“ sieht. Stattdessen forderte er mehrere Maßnahmen, die vor allem am Menschen ansetzen – der Hauptquelle an Übertragungsmöglichkeiten für die Krankheit. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Fleisch eines unentdeckt infizierten Wildschweins, verarbeitet zu Wurst, als Rest „entsorgt“ wird und vom Wegesrand, aus dem Kompost oder aus der Abfalltonne wieder vom Wildschwein aufgenommen und verzehrt wird, ist relativ hoch. Das Beispiel vom Wurstzipfel, den ein Reisender beim Rückweg aus Gebieten in Ostpolen, Tschechien oder Litauen, in denen die Krankheit zuletzt nachgewiesen wurde, aus dem Fenster wirft, ist das bekannteste. Vor diesem Hintergrund forderte Deutschländer statt dessen die Aufklärung der Bevölkerung über die Übertragungswege. Heiko Terno (CDU/Bauern) dagegen fand „alle Maßnahmen, die gegen die afrikanische Schweinepest wirken, im Moment sinnvoll“ und sprach sich für die Abschussprämie aus.

Am Ende einer langen, teilweise schon fachlich ausgerichteten Diskussion stand die Empfehlung, die Vorlage in den Fachausschuss zu verweisen, der bei zwei Gegenstimmen mehrheitlich angenommen wurde. Dennoch wird der Verwaltungsvorschlag im offiziellen Weg nochmals im Kreistag kommenden Mittwoch aufgerufen werden, der dann endgültig über den weiteren Verfahrensweg entscheiden muss.