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Acht Kilometer mit dem Kahn auf Zustelltour

Einen besseren Start in die Postzustellung per Spreewaldkahn hätte sich Jutta Pudenz nicht wünschen können. Bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen ist sie am Freitag wieder in Lehde zum ersten Mal in diesem Jahr auf dem Wasserweg ihre Zustelltour gefahren. Seit 17 Jahren ist Jutta Pudenz als einzige Kahnzustellerin Deutschlands auf den Fließen unterwegs. Von Ingrid Hoberg

„Herzlich willkommen!“ , schallt es Jutta Pudenz vom Ufer entgegen. „Nun sehen wir uns wieder öfter“ , antwortet sie freundlich. „So eine schöne Saisoneröffnung hatten wir noch nie.“ Im Winter, wenn sie die Post auf dem Landweg bringt, hat sie seltener Gelegenheit, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. So wird die Zustellerin im Frühjahr schon erwartet.
Die Postfrau ist mit ihrem Kahn vom Gasthaus „Hirschwinkel“ aus gestartet. Dort beginnt sie ihre Zustelltour per Kahn durch die Fließe des Spreewalddorfs Lehde. Briefe, Pakete, Päckchen, Zeitungen und Zeitschriften hat sie bereits am frühen Morgen im Calauer Stützpunkt sortiert und ins Postauto geladen. Bevor sie die Tour auf dem Wasser beginnt, verteilt sie in der Lübbenauer Altstadt schon die Sendungen.
„Heute ist nichts Besonderes dabei“ , sagt Jutta Pudenz mit einem Blick in ihren Kahn. In einem Paket sind lebende Pflanzen. „Gestern hatte ich ein großes Paket, doch da war noch nicht Saisoneröffnung.“ Etwas für diesen Anlass zu inszenieren, liegt der 54-Jährigen nicht, die Arbeit muss korrekt gemacht werden. Ruhig und freundlich antwortet sie auf die Fragen, die ihr die Spreewaldbesucher aus den vorbeiziehenden Kähnen zurufen. Die Kameras liegen bei den meisten sowieso griffbereit in der Hand, um die Frau im Postkahn zu fotografieren.
Seit 17 Jahren ist Jutta Pudenz bei Wind und Regen ebenso unterwegs wie an diesem Frühlingstag. Sie bringt nicht nur Post, sondern nimmt auch Sendungen entgegen und verkauft Briefmarken. Mit ihrem Spreewaldkahn steuert sie den nächsten Briefkasten an. Es ist eine „Ente“ , die dort die Briefe „schluckt“ . „Die ist ja geliftet, sie hat ein paar neue Schrauben“ , stellt die Zustellerin fest.
An einem anderen Grundstück reicht es nicht, nur an den Briefkasten heranzufahren. Jutta Pudenz legt an, macht den Kahn fest und geht an Land. Auf dem Bauerngehöft ist ein Paket abzugeben. Die Zeit, ein paar Minuten zu plaudern, nimmt sie sich. Beim nächsten Landgang erwartet sie schon der Haus- und Hofhund. Auch er kennt die Zustellerin bestens und begrüßt sie freundlich.
Rund 65 Grundstücke steuert Jutta Pudenz zum Auftakt an. „Im Sommer kommen noch einige dazu, manche Häuser sind außerhalb der Saison nicht bewohnt“ , erklärt sie. Dann sind es rund 80 Haushalte, die per Kahn erreicht werden. Außerdem leert sie drei Briefkästen an Gaststätten.
Die Lübbenauerin ist in Deutschland die einzige, die per Kahn die Postsendungen zustellt. Weitere Superlative sind die Zugspitze als höchster Zustellort und die Halligen in der Nordsee, wo Karten, Briefe, Pakete und Päcken per Lore gebracht werden.

Zum Thema Postzustellung per Kahn
  Seit mehr als 100 Jahren werden Briefe, Karten, Pakete per Kahn im Spreewald verteilt.
Rund acht Kilometer lang ist der Weg, den die Zustellerin auf den Fließen zurücklegt.
Der Zusteller-Kahn ist neun Meter lang, 1,60 Meter breit und das Rudel vier Meter lang.