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| 02:49 Uhr

"ACC Akut" zum Rosenmontag

Protestaktion vor der Asklepios-Fachklinik in Lübben: Matthias Manig hält die Büttenrede zur aktiven Mittagspause. "Die Leiharbeit ist großer Dreck! Wir fordern heute: Die muss weg!", ruft er.
Protestaktion vor der Asklepios-Fachklinik in Lübben: Matthias Manig hält die Büttenrede zur aktiven Mittagspause. "Die Leiharbeit ist großer Dreck! Wir fordern heute: Die muss weg!", ruft er. FOTO: I. Hoberg
Lübben. Beschäftigte der Asklepios-Fachklinik in Lübben haben am Rosenmontag zum siebenten Mal während der Mittagspause mit einer bunten Protestaktion vor dem Eingang in der Bahnhofstraße gegen Leiharbeit und Scheinwerkverträge demonstriert. Ingrid Hoberg

"ACC - Akut!", ruft Matthias Manig und die umstehenden Mitarbeiter der Lübbener Klinik stimmen in den Schlachtruf des Asklepios Carneval Clubs (ACC) ein. Was zum Rosenmontag als karnevalistische Aktion daherkommt, hat einen ernsten Hintergrund. Das zeigt schon die Erklärung des stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden und temporären Büttenredners Manig: "Wir sind der Karnevalsverein gegen Kopfschmerzen bei Leiharbeit, Werksverträgen und Personalnotstand."

Die Beschäftigten machen mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi bereits seit September 2013 mit Protestaktionen auf die Situation an dieser medizinischen Einrichtung aufmerksam. Gefordert wird die sofortige Festanstellung aller Leiharbeitnehmer zu den Bedingungen des Verdi-Haustarifvertrags, keine Scheinwerkverträge, kein Outsourcing von Aufgaben sowie Maßnahmen gegen den Personalnotstand. Darauf weist Betriebsratsvorsitzender Heiko Piekorz hin. Und er informiert über einen Teilerfolg des Betriebsrats beim Arbeitsgericht Lübben (Zum Thema).

Für inzwischen rund 60 Leiharbeitnehmer von 147 konnte eine Festanstellung durchgesetzt werden. Zu den Mitarbeitern, die bisher davon nichts haben, gehört Janine Pieper, die auch zur Protestaktion gekommen ist. Die Psychologin ist seit 2008 an der Lübbener Fachklinik tätig und arbeitet als leitende Therapeutin auf einer Station, die Grundschulkinder betreut. Auf eine Festanstellung wartet sie bisher vergeblich. "Das ist eine extreme Ungerechtigkeit", stellt Elke Menzel von Verdi fest und verweist darauf, wie dringend gutes Fachpersonal und junge Mitarbeiter gebraucht und gesucht werden. "Die Arbeit mit den Kindern macht mir Spaß. Wir sind ein gutes Team", sagt Janine Pieper. Das hält sie in Lübben.

"Wo Geld mehr zählt als der Patient, das Personal sich Blasen rennt, da hilft nur aktives Wehren und närrisches Aufbegehren!", ruft der Büttenredner unter dem Applaus von Engel, Teufel, Pirat und Co. Bei allem Spaß, die Forderungen sind ernst gemeint.

Zum Thema:
Mit Beschluss des Arbeitsgerichts Cottbus vom 6. Februar 2014 hat das Arbeitsgericht Cottbus der Asklepios Fachkliniken Brandenburg GmbH aufgegeben, 30 Leiharbeitnehmer (13 Serviceassistenten und 17 medizinische Assistenzberufe) der Klinik in Lübben nach dem Verdi-Haustarifvertrag einzugruppieren und zu vergüten. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Es sind hierzu noch weitere Verfahren beim Arbeitsgericht Cottbus anhängig.