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| 09:55 Uhr

Abfischen
Fischern im Spreewald auf die Finger geschaut

Das Schaufischen in Schlepzig ist ein Renner. Hunderte Besucher haben den Fischern am Samstag zugesehen.
Das Schaufischen in Schlepzig ist ein Renner. Hunderte Besucher haben den Fischern am Samstag zugesehen. FOTO: Andreas Staindl / LR
Schlepzig. Das Schaufischen in Petkampsberg bei Schlepzig war auch in diesem Jahr bei den Zuschauern wieder beliebt.

Hunderte Besucher sind am Samstag an den Inselteich gepilgert. Sie haben den Fischern bei ihrer Arbeit auf die Finger geschaut, sich mit frischem Fisch eingedeckt und vor Ort kulinarisch verwöhnen lassen. Das Schaufischen ist längst ein Volksfest.

Mit Festzelt, Blasmusik, frischem Blechkuchen und natürlich reichlich Fisch. Letzterer wurde in unterschiedlicher Form angeboten – auch fangfrisch aus dem Wasser. Gerade noch schwamm der Fisch im Becken des Inselteichs, da wird er auch schon über den Ladentisch gereicht. Manchmal liegen nur Minuten dazwischen.

Das Schaufischen ist ein Erlebnis der besonderen Art. Zuschauer können aus nächster Nähe beobachten, wie Fische aus dem Wasser geholt werden, die sie später auf dem Teller haben. „Das hat etwas“, sagt Anne Horn. „Wir kommen seit Jahren zu dem Spektakel und nehmen immer reichlich frischen Fisch mit nach Hause.“ Die Berlinerin war eine von zahlreichen Besuchern aus der Hauptstadt. Auch aus Nachbarkreisen des Spreewalds sind viele Gäste an den Inselteich gekommen – unschwer an den verschiedenen Kennzeichen der Fahrzeuge zu erkennen. Die Wiesen in Nähe des Teichs waren schon bald nach Beginn der Veranstaltung gut mit Autos belegt. Mitglieder der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr hatten das Parken dort organisiert und in geordnete Bahnen gelenkt.

Von der Wiese aus pilgerten die Besucher zum Inselteich. Dort standen Männer in Wathosen im hüfthohen Wasser. Sie drückten mit langen Holzstangen das Netz auf den Grund. So soll gesichert werden, dass möglichst wenige Fische entwischen, wenn die Fischer und Helfer das Netz durch das Becken ziehen. Die Männer laufen rückwärts, arbeiten sich Meter für Meter voran. Kein Entkommen für Zander, Wels, Karpfen und Co.

Die Fische zappeln schließlich im Netz. Sie werden mit Hilfe einer Krananlage auf das Sortierband befördert. Fische, die nicht mindestens 1,5 Kilogramm auf die Waage bringen, werden aussortiert.

Zack, zack! Alles geht blitzschnell. Im Sekundentakt treffen die Männer Entscheidungen. Durchschnittlich 3,5 Kilogramm sind die Speisefische schwer, die in den Verkauf gehen, wie Michael Zesch sagt. Der Betriebsleiter der Teichwirtschaft Petkampsberg ist mit der diesjährigen Ernte „zufrieden. Es ist ein normales Jahr.“

Etwa 30 Tonnen Speisefisch wurden am Samstag aus dem Inselteich geholt. Bis zu 600 Tonnen werden 2017 insgesamt im Teichgut Peitz geerntet. Zwei Drittel der Teiche sind schon abgefischt, wie Michael Zesch sagt.

Die am Samstag aus dem Wasser geholten Fische sind für das Jahresendgeschäft bestimmt. Sie werden vor allem Heiligabend und Silvester verspeist. Karpfen geht immer, doch auch Zander und Wels etwa werden gern gegessen. Die Nachfrage nach Zander war beispielsweise am Samstag so groß, dass nicht jeder Interessierte einen mit nach Hause nehmen konnte.

Alternativen gab es allerdings genug. Die nächste Generation wächst ohnehin schon heran. Rund 500 000 Satzfische haben die Fischer der Teichwirtschaft Petkampsberg in diesem Jahr aus dem Wasser geholt, wie der Betriebsleiter sagt. Er führt das gute Ergebnis auch darauf zurück, dass „wir die Satzfische gegenüber den Kormoranen gut verteidigt haben“.

Die Jungfische wurden in andere Teiche der Teichgut Peitz GmbH umgesetzt, wo sie weiter wachsen können. Der schon ausreichend schwere Speisefisch dagegen kommt in den Handel. Frischer Fisch aus Petkampsberg ist beispielsweise 14-tägig vor den Einkaufsmärkten Kaufland in Lübbenau sowie zu Weihnachten und Silvester auch vor Marktkauf in Lübben direkt von den Fischern erhältlich, wie Michael Zesch sagt.