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| 20:12 Uhr

Abstandsmessungen auf der A13
Polizei jagt mit Drohne Autobahn-Drängler

 Unter dem Kopter hängt eine Kamera. Deren Aufnahmen werden zum Boden gesendet, wo sie von Polizeibeamten ausgewertet werden.
Unter dem Kopter hängt eine Kamera. Deren Aufnahmen werden zum Boden gesendet, wo sie von Polizeibeamten ausgewertet werden. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Krausnicker Berge. 50 Meter sollen es eigentlich sein, doch häufig sind es nur wenige Meter. Mit einer Drohne will die Polizei auf der Autobahn zu dicht auffahrenden Lkw-Fahrern auf die Spur kommen. Am Montag war die Drohne im Spreewald unterwegs. Die Ergebnisse sind erschreckend. Von Katrin Kunipatz

In 70 Meter Höhe schwebt der Quadrokopter – ein Fluggerät mit vier Propellern – in der Luft. Pilot Frank Seidlitz hält ihn mit einer Fernsteuerung dicht neben der Autobahn. Unter dem 4,5 Kilogramm schweren Fluggerät hängt eine Kamera, mit der das Polizeiteam am Boden die Fahrbahn in Richtung Berlin im Blick hat.

Ihr Augenmerk liegt auf dem Sicherheitsabstand der Lkw. „Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ist ein Mindestabstand von 50 Metern vorgeschrieben“, erklärt Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd. Immer wieder beobachtet die Polizei, dass 40-Tonner zu dicht an ihren Vordermann heranfahren. In einigen Fällen seien es sogar weniger als zehn Meter. Bremst der Vorausfahrende, reiche die Reaktionszeit oft nicht, um die Bremse überhaupt durchzutreten, so Filohn.

Sicherheitsabstand: Unfälle häufen sich

Unfälle wegen zu geringen Sicherheitsabstands registriert die Polizei auf der A 13 seit 2017 mit steigender Tendenz. Polizeisprecherin Filohn nennt die Zahlen: 2017 gab es 132 Unfälle auf der A 13 wegen ungenügenden Sicherheitsabstands, 2018 waren es 158 Unfälle. „Da Lkw eigentlich keine Knautschzone haben, sind schwerste Verletzungen die Folge“, sagt Einsatzleiter Alexander Kroll. Gab es 2017 einen Toten und 49 Verletzte, registrierte die Polizei ein Jahr später zwei Tote und 81 Verletzte. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres nahm die Zahl der Verletzten ab, aber die Zahl der Unfälle liege über dem Wert des Vorjahres, so Filohn.

Abstandsmessungen bisher sehr aufwändig

Bisher arbeitete die Polizei für Abstandsmessungen mit einem Hubschrauber. Der Aufwand sei hoch, so André Boschan, Leiter der Verkehrspolizeidirektion Süd. Der Quadrokopter ist Teil eines seit Juli vergangenen Jahres laufenden Projekts, bei dem der Einsatz solcher am Boden ferngesteuerter Fluggeräte für die Polizeiarbeit erörtert wird, erklärt Pilot und Projektverantwortlicher Frank Seidlitz. Bis zu 30 Minuten kann der Kopter in der Luft bleiben, anschließend wird innerhalb weniger Minuten der Akku gewechselt, und es geht weiter.

 Mit dieser Aufnahme wird der hintere Lkw-Fahrer von Polizist Michael Zielke konfrontiert. Der Abstand zum Vordermann war deutlich zu kurz.
Mit dieser Aufnahme wird der hintere Lkw-Fahrer von Polizist Michael Zielke konfrontiert. Der Abstand zum Vordermann war deutlich zu kurz. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Das Bild der Kopterkamera wird auf einen großen Bildschirm übertragen. Hier entscheidet André Boschan, welcher Lkw beobachtet wird. Schon lange vor der eigentlichen Messstelle analysiert er die Fahrweise. Stellt er einen Verstoß wegen zu geringen Sicherheitsabstands fest, wird die Videosequenz gespeichert. Den Kollegen auf dem Rastplatz Krausnicker Berge beschreibt er den Lkw und beobachtet ebenfalls durch die Linse der fliegenden Kamera, dass das richtige Fahrzeug herausgewinkt wird.

16 Sattelzüge in kurzer Zeit angehalten

Dort zeigen die Beamten den Lkw-Fahrern eine Aufnahme aus der Messstrecke. „Generell sind die Fahrer einsichtig“, sagt Michael Zielke. Er stellt gemeinsam mit anderen Kollegen den Bußgeldbescheid aus. Zusätzlich wird jeder angehaltene Lkw einer technischen Überprüfung unterzogen. Maik Töpfer ist der Kfz-Fachkundige. Zumindest technisch seien bis auf einen alle Lkw in Ordnung, teilt Alexander Kroll nach dem Einsatz mit. In den drei Stunden wurden insgesamt 16 Stattelzüge angehalten, bei denen der Sicherheitsabstand zu kurz war. „In zwei Fällen waren es weniger als zehn Meter“, sagt er.

 Jan Engler (vorn) und André Boschan dokumentieren und entscheiden über Abstandsverstöße bei den Lkw auf der nahen Autobahn.
Jan Engler (vorn) und André Boschan dokumentieren und entscheiden über Abstandsverstöße bei den Lkw auf der nahen Autobahn. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Einig sind sich alle: Abstandskontrollen mit der fliegenden Kamera wird es geben. Doch der Quadrokopter biete weitere Einsatzmöglichkeiten, so Frank Seidlitz, etwa bei der Suche nach Vermissten, der Tatortarbeit oder der Absicherung von Polizeieinsätzen. Verkehrspolizist André Boschan kann sich den Kopter auch bei der Kontrolle von Überholverboten auf Bundesstraßen und Autobahnen vorstellen.