In der Werkhalle von Heinz Lange in Goyatz (Dahme-Spreewald) zischt und rattert es so laut, als würde im nächsten Moment eine alte Dampflok durchrollen. Die Lokomotive sucht der Besucher vergebens, Maschinen, die diese Geräusche von sich geben, gibt es hingegen mehr als genug. "Der Dampf steigt hoch, bewegt den Zylinder und wird so in mechanische Energie umgewandelt", erklärt der 80-Jährige das Grundprinzip einer Dampfmaschine.

1712 hatte der Engländer Thomas Newcomen erstmals so eine Maschine konstruiert, die dann zum Abpumpen von Wasser in Bergwerken diente. "Bis in die 1960er Jahre hinein wurden Dampfmaschinen in der Industrie verwendet, bevor sie von elektrisch betriebenen Gerätschaften abgelöst wurden", weiß Lange.

Was das Erklären betrifft, so hätte sich Professor Bömmel aus dem berühmten Filmklassiker "Die Feuerzangenbowle" ein Beispiel an dem Goyatzer nehmen sollen. "Wat is eigentlich en Dampfmaschin?" - diese Frage des Film-Professors hat sich Lange als Motto für sein kleines technisches Museum gegeben.

Dampfmaschinen faszinieren ihn schon seit seiner Lehrzeit, vor allem die ganz großen. "Damals liefen die noch und wir haben die auch repariert", erinnert sich der gelernte Elektromaschinenbauer, der schon damals davon träumte, eine Dampfmaschine sein Eigen zu nennen. Doch zu DDR-Zeiten sei das unmöglich gewesen, auch wenn als veraltet geltende Maschinen ausgemustert wurden, erzählt Lange, der später noch ein Ingenieurstudium absolvierte. "Ich hätte den Wert in Schrott bezahlen müssen. Wie sollte ich denn an so viel altes Metall kommen?"

Erst 1992, nach dem Ende der DDR, erfüllte sich Lange seinen Traum, gab seine seit 1978 bestehende Heizungsbaufirma an den Sohn weiter, der mit dem Unternehmen aus Goyatz fortzog. "Damit war meine Werkhalle frei für meine Leidenschaft."

Insgesamt acht der riesigen Metallkonstruktionen, jede mehrere Tonnen schwer, gehören zu Langes Sammlung. Die Älteste wurde 1898 erbaut, hatte 120 PS und stand einst in einem Sägewerk. Andere fungierten als Maischepumpe in einer Schnapsbrennerei östlich der Oder, bewegten einen Eimer-Ketten-Bagger auf dem Rhein oder betrieben Maschinen in Tischlerei und Schlosserei.

Alle kamen in mehrere Teile zerlegt auf Tiefladern an den Schwielochsee und waren zumeist seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt worden. Lange schraubte jedoch so lange an den meisten von ihnen herum, ersetzte fehlende Teile, reinigte und ölte, bis er sie tatsächlich wieder zum Laufen brachte. Doch nicht nur das. Damit der Betrachter beobachten kann, was im Inneren der Maschine passiert, baute der Tüftler Sichtfenster aus Plexiglas ein.

Zur Jahrtausendwende eröffnete der Dampfmaschinen-Liebhaber sein Museum, in dem er gern und kostenlos staunende Besucher herumführt und das er gern noch erweitern würde. Bei einer neunten großen Maschine, einer Schiffsdampfmaschine aus Hamburg, legte seine Ehefrau jetzt ihr Veto ein. Es sei nun genug, entschied sie.

Denn ungezählt sind diverse kleinere Dampfmaschinen, die ebenfalls in der Halle stehen. Und für das größte Exemplar, Baujahr 1930 und 70 Tonnen schwer, hat Lange sogar ein eigenes Quartier gebaut - drum herum um die Maschine mit dem riesigen Generator und den 2000 PS, einst für die Energieerzeugung im Kali-Bergbau genutzt. "Das Einzige, was fehlt, ist der Dampf-Kessel. Doch der war schon so groß wie eine kleine Kirche", erläutert der Sammler, der vier Jahre lang an der Maschine tüftelte.

Authentisch und erlebbar sei das kleine Museum von Heinz Lange, eine gute Ergänzung zum Wassertourismus am Schwielochsee, sagt Ellen Russig, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree. "Unsere Gäste wollen nicht nur baden und campen, sondern auch Überraschendes erfahren. Durch Einheimische, die Geschichte, in diesem Fall Industriekultur leben, bekommen Touristen einen ganz anderen Zugang zur Region", lobt sie.

Russig hält das Dampfmaschinen-Museum für ein "Juwel, das noch mehr geschliffen werden muss".