Von Ingvil Schirling

Anwohner des Dreilindenwegs, die die Sommerferien im Garten genießen, dürften seit Dienstagfrüh einen seltenen Anblick genossen haben. Den Kopf im Nacken, die Kamera auslösebereit – das Ereignis wurde mehrfach festgehalten. Die Rede ist von der Errichtung des lang erwarteten Neubaus an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule, der deren gravierende Platzprobleme lösen soll. Dieses Erweiterungshaus entsteht nämlich als Modulbau.

In der Nacht zu Dienstag rollten die Tieflader an. Ihre Fracht: 24 vormontierte Module für Wände und Decken der künftigen Gruppenräume, Sanitärbereiche, Küche und des Speisesaals. Ein gigantischer Kran hebt seit Dienstagmorgen, 8 Uhr, Modul um Modul über den Giebel der Schule auf deren Hofseite zur Straße hin. Dort wartete die vor längerer Zeit vorbereitete Bodenplatte, um die schwebenden Gruppenräume aufzunehmen. Mitarbeiter der Baufirma lenken die Module routiniert und millimetergenau per Seil an ihren Platz. Acht schaffen sie pro Tag, Dach und Verbindungsbau kommen noch, so dass am Montag um 14 Uhr die Richtkrone über dem Rohbau schweben kann.

Was heißt „Modulverkranung“?

Anwohner, Gäste und Journalisten lernen derweil ein neues Wort: „Modulverkranung“ heißt es und bezeichnet den Arbeitsabschnitt, in dem der Kran vor Ort die Module vom Lkw an den richtigen Platz hebt. Doch die Arbeit hat schon weit eher begonnen.

„Sehr präzise und unter optimalen Bedingungen“ seien die Teile in den Werkhallen der Firma Kleusberg als Hauptauftragnehmer vorproduziert worden, sagt Architekt Marko Docter. Diese Halbfertigteile werden – wie beschrieben – vor Ort montiert, ab Montag folgen dann der Trockenbau und die Außenhaut.

Drei Monate Zeit sind es laut Vertrag, bis alles zur Abnahme kommt. In die letzte Woche kann möglicherweise parallel bereits einiges aus der Phase der Einrichtung abgearbeitet werden. Architekt Marko Docter ist sehr optimistisch, dass der Fertigstellungstermin, exakt der 13. November, gehalten wird. Dass die Hortkinder ihre neuen Gruppenräume, dann fest verankert, kindgerecht und sicher eingerichtet, in Weihnachtsstimmung in Besitz nehmen können, steht für ihn „außer Frage“.

Eine lange Geschichte endet

Damit neigt sich eine lange und komplexe Geschichte ihrem Ende zu. Begonnen hatte sie mit den Klagen der Eltern über Platznot an der Schule, die den Teilungsunterricht einschränke, und vor allem aber über die überfüllte Essensausgabe. Erste Berichte dazu in der LR stammen aus November 2014. Frank Neumann wirft aus heutiger Sicht dazu ein, dass sich die Nachfrage nach Mittagessen in der Schule über die Jahre enorm gesteigert habe – von 70 Essen nach dem Umzug der damaligen 1. Grundschule in das Heim der einstigen Oberschule auf jetzt an die 200.

Doch auch sonst hat sich in den Jahren viel verändert. Über Lösungsansätze für die Platzproblematik, die sich kontinuierlich verschärfte, wurde intensiv diskutiert und gestritten – Generalübernehmer oder Einzelvergabe, Stein- oder Modulbau. Nun wächst das Ergebnis des langen Entscheidungsprozesses Stunde um Stunde deutlich sichtbar in die Höhe.

Eine neue Geschichte beginnt

Drei Millionen Euro und knapp 1200 Quadratmeter zusätzliche Fläche, das sind die beiden wichtigsten Eckdaten. Ursprünglich für Frühjahr 2019 geplant, rückte die Fertigstellung in den Spätherbst. Der Grund: Hersteller Kleusberg hatte schlicht so viele Aufträge, dass für die Produktion der Lübbener Module in den Hallen im anvisierten Zeitraum kein Platz war.

Und während sich Bauamtschef Frank Neumann gemeinsam mit Hochbau-Mitarbeiterin Marion Trott und Architekt Marko Docter nebenbei Gedanken macht, wo Bürgermeister Lars Kolan (SPD) am Montag den Richtfest-Nagel einschlagen wird, beginnt bereits eine neue Geschichte am Standort der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule.

Schulstandort soll Campus werden

Die Planung für den Bau weiterer Kitaplätze auf dem Areal, das dann zum Kita- und Schulcampus werden könnte, ist angeschoben. Parallel dazu wird daran gearbeitet, wie die Räume an der Schule optimal genutzt werden können, wenn die Hortkinder in der Vorweihnachtszeit ausgezogen sind. Ein Aufzug für mehr Barrierefreiheit, Räume entsprechend pädagogischer Konzepte – das sind die Stichworte für die nächsten Entscheidungsprozesse. Ob die neue Kita dann allerdings auch in der Art eines überdimensionierten Fertighauses entsteht, ob die Anwohner wieder eine spektakuläre Modulverkranung erleben – dieses Kapitel muss erst noch geschrieben werden.