ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:52 Uhr

"99 Frauen – und Du" in Lübben

LDS-Gleichstellungsbeauftragte Elke Voigt und Kreistagsabgeordnete Birgit Uhlworm (UBL/Grüne) vor den Frauenporträts.
LDS-Gleichstellungsbeauftragte Elke Voigt und Kreistagsabgeordnete Birgit Uhlworm (UBL/Grüne) vor den Frauenporträts. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. "Wir haben der Welt so viel mehr zu geben als unsere Schmerzensschreie. Und wir möchten, dass die Welt das sieht." Das ist die Quintessenz der neuen Ausstellung in Lübben. Anlässlich des Frauentags ist sie am gestrigen Freitag eröffnet worden. Ingvil Schirling

"Die Hälfte des Himmels - 99 Frauen und Du" heißt die Ausstellung im Original. Sie besteht aus 99 Porträts von Frauen zwischen 15 und 92 Jahren aus vielfältigen Berufen und aller Menschen Länder. Das 100. Bild ist ein Spiegel und zeigt, wie eng verbunden der Betrachter, ob Frau oder Mann, mit Aspekten weiblichen Lebens ist, die in den dazugehörigen Interviews beleuchtet werden. Vier Tafeln sowie Audio-Geräte und Kopfhörer vermitteln weitere Inhalte.

Meist freundliche, zuweilen nachdenkliche Gesichter schauen von den 55 Tafeln, die in der Vertikale-Galerie am Lübbener Beethovenweg hängen. Nur gut die Hälfte der 99 Porträts konnten dort einen Platz finden. Es sind einfache Aufnahmen: Gesichter, geschminkt oder ungeschminkt, darunter der Ansatz von T-Shirt, Bluse oder Pullover.

Ein blaues Auge, aufgeplatzte Lippen oder gar gebrochene Knochen kommen nicht vor. Und doch spielt Gewalt eine wichtige Rolle. Denn 23 der 99 befragten Frauen haben eine Vergewaltigung erlebt. 14 sind als Kind sexuell missbraucht, zwölf schwer geprügelt worden. Sieben leiden noch heute immer wieder an Schlaflosigkeit und Albträumen.

Eine der porträtierten Frauen ist von elf Polizisten bewusstlos getreten worden. Eine andere musste als Mädchen den Mord an ihrer Mutter mit ansehen. 81 hatten in ihrem Leben Angst vor einem sexuellen Übergriff. Nur 15 haben nach eigenen Angaben niemals eine bedrohliche Situation erlebt.

Im Kern geht es aber auch um die noch immer ungleiche Behandlung von Männern und Frauen. "Nicht, dass Männer es leicht hätten", heißt es im Begleitheft. "Aber Frauen haben es - fast immer und fast überall - schwerer. Noch schwerer." Statistiken belegen, dass Frauen seltener in Führungspositionen aufsteigen und weniger verdienen.

Und doch will die Ausstellung keine Opfer zeigen. "Aus dem hässlichen Thema Gewalt wollte ich keine Anklage, sondern etwas Schönes machen", begründet Kuratorin Annette Schiffmann. Die 56-Jährige hat fast alle Interviews selbst geführt. Die erste Frage lautet: "Worauf sind Sie in Ihrem Leben stolz?" Erst an dritter und vierter Stelle fragt sie nach den Nachteilen des Frauseins oder Gewalterfahrungen. Zuletzt will sie wissen: "Wenn es eine gute Fee gäbe - was würden Sie sich von ihr wünschen, damit unsere Mädchen und Jungen in Würde leben können?"

Die Antworten darauf zeigen, welche Visionen von gerechten und fröhlichen Verhältnissen es gibt. "Ich wünsche mir, dass Frauen und Mädchen endlich anfangen, sich mit eigenen Augen zu sehen und nicht mit denen der Männer", sagt eine 28-Jährige. Eine andere: "Dass alle Buben so lange rosa tragen, bis keiner mehr lacht." Eine Dritte: "Dass Männer ihren eigenen Schmerz fühlen können, damit sie ihn nicht an andere delegieren müssen."

Diese Schlaglichter hatte Kuratorin Schiffmann in ihrem Grußwort zusammengetragen. Gleichstellungsbeauftragte Elke Voigt verlas es einfühlsam. Gemeinsam mit Landrat Stephan Loge (SPD) eröffnete sie die Ausstellung. Es ist keine über Gewalt, sondern "über Selbstbewusstsein, Stolz und Gewalt", stellte die Kuratorin klar. Mit Kopfhörern ausgerüstet, können die Besucher den Frauen zuhören. Woher sie ihre Kraft und Stärke nehmen. Wie sie sich schützen. Ob sie Kinder haben, wen sie lieben. Und dass alle 99 Frauen Freundinnen haben.

Zum Thema:
"Die Hälfte des Himmels - 99 Frauen und Du" ist lediglich 14 Tage lang in der Vertikale-Galerie am Lübbener Beethovenweg 16 (Landratsamt) zu sehen. Veranstalterin ist der Verein Rund um die Welt - mit Leidenschaft für den Frieden in Kooperation mit der Frauenstiftung. Die Interviews führte Kuratorin Annette Schiffmann. Im Internet: www.haelfte-des-himmels.de