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| 02:57 Uhr

67 Kilogramm pures Anglerglück

Wolfgang Richter und sein Kahn, den der Wels nach dem Einfangen beinahe zum Kentern gebracht hat.
Wolfgang Richter und sein Kahn, den der Wels nach dem Einfangen beinahe zum Kentern gebracht hat. FOTO: Hofmann
Alt Schadow. Auch wenn Wolfgang Richter bescheiden an diesen spektakulären Fang zurückdenkt: Mit 2,25 Meter Länge und 67 Kilogramm Gewicht ist es einer der größten Fische, der in der Region an Land gezogen wurde. Ganz im Innern ist es für den Berufsfischer doch eine Herzensangelegenheit: Der Wels wird einen Ehrenplatz bekommen: ausgestopft in Richters Laden. Rüdiger Hofmann

Sein bisheriger Rekord lag bei 49 Kilogramm. Und nun dieser Prachtbursche. Kaum zu fassen: Richter blieb zunächst völlig gelassen. "Ich habe bereits mehr als 700 Welse gefangen", sagt der Berufsfischer, "da war mir nicht gleich bewusst, welch außergewöhnliches Exemplar das ist." Der Fang wäre für jeden Berufsfischer wie ein Sechser im Lotto. Knallende Korken, Emotionen: bei Richter Fehlanzeige. Erst langsam scheint der Fischer zu realisieren, was ihm da ins Netz gegangen ist.

42 Jahre ist Richter nun schon Fischer aus Leidenschaft. "Sieben Tage die Woche, jeden Tag ab fünf Uhr raus." Nach einer Ausbildung zum Fischereiingenieur hat Richter 1972 in Beeskow bei der Seen- und Flussfischerei angefangen, wurde 1979 Betriebsleiter des Neuendorfer Sees. Seit 35 Jahren fischt er in dem 338 Hektar großen Gewässer, holt jährlich 15 Tonnen Fisch aus dem See.

Und jetzt dieser Fang. Richter hatte wie immer Reusen im See ausgelegt. "Ich fuhr raus, beugte mich aus meinem Kahn, zog die Fangkammer hoch und sah plötzlich diesen Riesen-Wels", denkt Richter zurück. Der Fischer zog die Fangkammer in seinen Kahn, wobei die Bordwand bis Wasserhöhe abgesenkt wurde. Das brachte den Kahn fast zum Kentern. "Den Wels habe ich dann unter starkem Kraftaufwand mit dem Netz in den Kahn gerollt." Nur kurz dachte er daran, den Fisch wieder in den See zu werfen. "Doch dann begriff ich: Das ist so ein ungewöhnlicher Fang, der muss ausgestopft werden, um ihn den Besuchern seines Hofes zu zeigen."

An Land begann Richter, den Fisch zu wiegen. "Dafür waren Flaschenzug und ein Gerüst notwendig", so der 59-Jährige. Nach dem Wiegen wurde der Riese in eine Gefriertruhe eingerollt. Dort liegt er nun im Eis und soll bald präpariert werden. Bei kleineren Exemplaren werden Welse für die Nahrungsmittelindustrie zubereitet und verkauft. Nicht bei diesem Wels. "Wir werden ihn in der kommenden Woche entweder selber nach Steyrermühl in Österreich bringen oder ihn über einen Spezialpaketdienst verfrachten lassen", sagt Richter. "Das Präparieren dauert etwa ein Jahr", weiß der Berufsfischer, denn er hat bereits 2011 seinen bisher größten, 49 Kilogramm schweren Wels ausstopfen lassen und bei sich im Laden ausgestellt.

Über den finanziellen Aufwand spricht Richter nicht, die Kosten trägt er selbst. "Beim Präparieren muss der Fisch zunächst aufgetaut und ein Gipsabguss gemacht werden. Dann wird die Haut abgezogen und der Kopf abgeschnitten", sagt Richter. Über langwierige Verfahren wird das Tier dann gefriergetrocknet und präpariert. "In der Zwischenzeit wird mit der Gipsform ein Styroporkörper geformt und die präparierte Haut über den Körper gezogen", so Richter weiter. Da der Fisch ausbleicht, wird ihm Farbe aufgesprüht, damit er wieder so originalgetreu wie möglich aussieht. Nach dem Präparieren wird der ausgestopfte Wels im Laden der Spreewaldfischerei in Alt Schadow ausgestellt und Besuchern zugänglich gemacht. Doch wie alt ist der Wels überhaupt? "Um das herauszufinden, lasse ich das Alter des Fisches am Institut für Binnenfischerei Potsdam/Sacrow wissenschaftlich bestimmen", so Richter. "Auch der Landesfischereiverband Brandenburg/Berlin hat Interesse an einer exakten Altersbestimmung."

Große Welse tauchen derzeit offenbar häufiger auf. Im Mai hatte Jürgen Zappe einen 1,62 Meter langen Prachtburschen am Kanal-Schutzgraben in Lübben aus dem Wasser geholt. Und Wolfgang Richter zog erst Montag wieder drei Welse an Land, der größte Fisch wiegt 38 Kilogramm und hat eine Länge von 1,80 Meter. Vor allem der Neuendorfer See scheint bei Welsen sehr beliebt zu sein. "Hier muss ein gutes Biotop für die Tiere sein, sie finden ausreichend passende Nahrung und gute Unterstände", meint der Fischer.

Sein Lieblingsfisch ist übrigens ein Wels. "Weil er so majestätisch wirkt", sagt der 59-Jährige.

Zum Thema:
Im Stadt- und Regionalmuseum Lübben läuft noch biszum Sonntag, 23. Juni, die Fischereiausstellung "Hecht in Spreewaldsoße - Vom Fischen und Angeln im Spreewald". Wer sich für Fangtechniken, Fischarten, Anglervereine oder Gewässerökologie interessiert, kann noch täglich von 10 - 17 Uhr im Museum vorbeischauen. Mit dem Kreisanglerverband Lübben ist zudem ein Buch zum Thema in Planung.