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| 17:32 Uhr

300 Jahre „Goldener Löwe“
Bewegte Zeiten eines Gasthauses

 Die zeitgenössische Außenansicht des Goldenen Löwen.
Die zeitgenössische Außenansicht des Goldenen Löwen. FOTO: Edgar Schubert
Lübben. Lübbens „Goldener Löwe“ wird 300 Jahre alt. Die jüngste Generation hat einiges vor. Von Liesa Hellmann

„Es wird mein eifriges Bestreben sein, meinen werthen Gästen mit wohlgepflegtem Biere und guten Speisen den Aufenthalt in meinem Lokal stets angenehm zu machen.“ Mit diesen Worten kündigte Karl Lutz 1892 in einer Zeitungsannonce die Übernahme des Gasthauses „Goldener Löwe“ an.

  Ein Bild aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zeigt die ehemalige Frontansicht der Gastwirtschaft. Damals hatte das Dach noch zwei Giebel.
Ein Bild aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zeigt die ehemalige Frontansicht der Gastwirtschaft. Damals hatte das Dach noch zwei Giebel. FOTO: Edgar Schubert / unbekannt

Zum Zeitpunkt des Kaufs hatte die Gastwirtschaft bereits eine mindestens 173 Jahre währende Geschichte. Am 17. Januar 1719 wird der Goldene Löwe erstmals erwähnt. Auf den Tag 300 Jahre später feiert der jetzige Eigentümer Edgar Schubert das Jubiläum mit geladenen Gästen.

Die ganze Vergangenheit des Gasthauses lässt sich nicht mehr rekonstruieren: „Einige Erwähnungen finden sich noch in den alten Polizeiakten, die damals noch die Gewerbeaufsicht inne hatte“, erklärt Helmut Haß vom Lübbener Heimatverein, der die Geschichte des „Goldenen Löwen“ recherchiert hat. „Da das Lübbener Rathaus aber 1945 abgebrannt ist, finden sich große Lücken in den Archiven.“

 Der Goldene Löwe wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf die Fassade zerstört. Das Bild von 1950 zeigt den Wiederaufbau.
Der Goldene Löwe wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf die Fassade zerstört. Das Bild von 1950 zeigt den Wiederaufbau. FOTO: Edgar Schubert / unbekannt

Was Haß in alten Zeitungen und unter anderem im Kreisarchiv gefunden hat, zeigt, dass das Gasthaus bewegte Zeiten durchgemacht hat. Mehrfach wechselte die Wirtschaft den Eigentümer, blieb aber auch einige Generation lang in derselben Familie. Die Gestalt des Hauses hat sich in den Jahrhunderten immer wieder verändert. 1898 weihte Karl Lutz den großen Saal des Gasthauses ein, der wohl auch zum Tanz genutzt werden konnte. Bereits damals gehörte zu der Gastwirtschaft eine Pension für Reisende.

Später wurde der „Goldene Löwe“ im Zuge des Zweiten Weltkriegs 1945 fast vollständig zerstört, nur die Fassade zur heutigen Hauptstraße hin blieb stehen. Zwar wurde das Gasthaus wieder aufgebaut, nun mit einem Giebel statt zweien und ohne den großen Saal. Das Gasthaus blieb im Besitz der Familie Lutz, bis diese es in den frühen 1980er-Jahren an die staatliche Handelsorganisation verkaufte. Zu dieser Zeit kannte Edgar Schubert, der heutige Besitzer, den „Goldenen Löwen“ bereits. 1971 begann er in dem Gasthof eine Lehre als Koch, später wurde er Küchenleiter. Nach der Wende verwaltete die Treuhand die Wirtschaft und bot das Gasthaus mit Pension in den frühen 1990er-Jahren zum Verkauf: Gegen 26 Mitbewerber setzte sich schließlich Edgar Schubert durch, 1995 erfolgte die Eintragung ins Grundbuch.

Im nächsten Jahr steht erneut ein Generationenwechsel an, Sohn Marc Schubert soll die Wirtschaft im Mai 2020 übernehmen. Auch er ist Koch, hat den Beruf auf einer Privatschule gelernt und in Österreich gearbeitet. Das kulinarische Konzept – gut bürgerliche, Spreewälder Küche – will er nicht verändern, bauliche Sanierungsarbeiten seien jedoch geplant. „Man muss mit dem Trend gehen und im Blick behalten, was der Kunde will“, sagt Miriam Schubert, die nicht wie Bruder Marc und die Eltern ins Gastgewerbe einstieg, sondern als selbstständige Unternehmensberaterin tätig ist.

Als Edgar Schubert verkündet, dass er sich mit dem Tag der Übergabe der Geschäfte an seinen Sohn vollends aus dem Betrieb zurückziehen werde, müssen sowohl Marc als auch Miriram Schubert schmunzeln. Marc Schubert: „Von der älteren Generation kann man viel lernen. Ich möchte gar nicht, dass mein Vater ab dem Tag der Übergabe nicht mehr im Restaurant ist.“ Seine Schwester Miriam Schubert ergänzt: „Natürlich sehen wir Jüngeren manche Themen anders als die Eltern.“

Das trifft zum Beispiel auf die Restaurantbewertungen im Internet zu, die in Summe dem Restaurant eine eher mittelmäßige Qualität bescheinigen. Während Edgar Schubert bemängelt, dass die Beurteilungen unrealistisch seien und man sich nicht dagegen wehren könne, sieht seine Tochter das Thema etwas anders. „Kritik ist für uns Anlass zur Verbesserung. Man muss abwägen, wie man selbst das Kritisierte sieht. Was die einen alt finden, ist für uns womöglich traditionell. Wir wollen den ,Goldenen Löwen’ aber modernisieren.“ Etwas Nostalgiegefühl wollen sie in den Gasträumen aber auf jeden Fall erhalten, da ist sich die Familie einig.