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| 18:23 Uhr

Bürgeraktion
150 Unterschriften gegen Abriss

Bürger engagieren sich für den Erhalt der alten Dorfschule in Goschen. In dem Gebäude hatte es vor zwei Jahren gebrannt. Gegen den Abriss formiert sich jetzt Widerstand.
Bürger engagieren sich für den Erhalt der alten Dorfschule in Goschen. In dem Gebäude hatte es vor zwei Jahren gebrannt. Gegen den Abriss formiert sich jetzt Widerstand. FOTO: LR / Kühl
Goschen . Goschener Bürger wollen, dass die alte Schule im Dorf bleibt – Brandruine spaltet weiter die Gemüter.

150 Bürger setzen sich per Unterschrift für den Erhalt der alten Dorfschule in Goschen ein. In dem Gebäude hatte es vor zwei Jahren gebrannt, die Ruine soll nach einem mehrheitlichen Beschluss der Stadtverordneten abgerissen werden.

„Für den Erhalt und den Wiederaufbau unserer alten Dorfschule als Gemeindezentrum in Goschen – ein Container ist keine Alternative“: So lautet der Text zur Unterschriftensammlung, die in Goschen und angrenzenden Orten die Runde machte. Mehr als 140 Unterschriften haben Robin Kranich (28) und Sylvia Urban (33) schon zusammenbekommen. Die jungen Leute setzten sich für den Erhalt des Gebäudes ein, das Generationen von Goschenern als Dorfschule von innen kennengelernt haben. Weitere Nutzungen waren Kindergarten, Konsum, zuletzt Dorfgemeinschaftshaus mit Einliegerwohnung.

Der Abriss wurde bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich beschlossen. Weil der Abriss samt anschließender Entsiegelung der Fläche im Rahmen einer Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme für Windkraftanlagen geplant ist, wäre die Brandruine für die klamme Kommune Lieberose kostenneutral aus der Welt zu schaffen. Geplant ist, dem 48-Einwohner zählenden Dorf einen Versammlungscontainer anzubieten. Eine entsprechende Stellfläche auf dem Schulberg wurde schonmal testweise mit Hölzern abgesteckt.

Gegen den Abriss der alten Dorfschule und für deren Wiederaufbau als Dorfgemeinschaftshaus ist auch der Ortsbeirat Ulrich Domann. Das historische Gebäude einfach wegzureißen, hält er für ein Unding. Und die Containerlösung unbefriedigend: „36 Quadratmeter abzüglich Toiletten und einer Teeküche, das ist kein Ersatz für das Dorfgemeinschaftshaus!“

Ähnlich sehen es die Initiatoren der Unterschriftensammlung. Für Robin Kranich wäre ein Wiederaufbau für Gemeindezwecke Plan A. Falls dies nicht klappe, müsse alles dran gesetzt werden, das immer noch ansehnliche und ortsbildprägende Backsteinensemble zu retten, zum Beispiel, indem man es an einen Liebhaber veräußert. 

Diese Möglichkeit behält sich auch Lieberoses ehrenamtliche Bürgermeisterin Kerstin Michelchen offen. Wenn sich ein Investor finde, werde die Stadt das Grundstück „zu einem moderaten Preis“ anbieten. Der Investor müsse allerdings verpflichtet werden, das Haus zeitnah zu sanieren. Kerstin Michelchen glaubt, dass es schwierig sein wird, die Immobilie an den Mann oder an die Frau zu bringen. Dem widerspricht Robin Kranich. Bekannte von Dorfbewohnern und auch Externe hätten bereits Kaufinteresse signalisiert. Ein Verkauf ist für Kranich und seine Mitstreiter jedoch nur „Plan B“.

Ortsvorsteherin Petra Skodda hatte als Stadtverordnete für den Abriss gestimmt. Angesichts einer Kassenlage, die keine Sanierung aus kommunalen Mitteln zulässt, sei zu befürchten, dass sich die Ruine mehr und mehr zum Schandfleck im Ort entwickelt. Das wolle sie als Ortsvorsteherin vermeiden. Sie habe sich die Abstimmung nicht leicht gemacht, schließlich habe sie selbst den Kindergarten im Haus besucht: „Mein Herz hängt auch an dieser Immobilie!“, sagt Skodda. Um die alte Dorfschule zu retten, könne sie sich vorstellen, das Gebäudes an Privatleute zu veräußern und den Gemeinderaum dann gegen eine Pacht zu nutzen.

Der Stadtverordnete Peter Kossatz, der gegen den Abriss ist, will Einblicke in die Versicherungsunterlagen, um Haftungsfragen und Zahlungsansprüche im Zusammenhang mit dem Hausbrand zu klären. Auch wolle er die Gutachten, die nach dem Brand angefertigt worden waren, einsehen.

Als Vorsitzender der Fraktion Zukunft Lieberose will er in der Stadtverordnetenversammlung einen Grundsatzbeschluss zum Erhalt der Immobilie erzielen.

Neue Akzente für die Debatte über die Zukunft des Gemeindehauses erhoffen sich die Initiatoren der Unterschriftensammlung durch einen Blick in die Vergangenheit. Ein guter Anlass dazu sei das bevorstehende 500-jährige Dorfjubiläum. Bis dahin, so regt Robin Kranich an, sollen möglichst viele Dokumente zur Ortsgeschichte zusammengetragen werden. Damit, so hofft er, gerate auch die Dorfschule wieder stärker in das historische Bewusstsein. „Wir planen ein Klassentreffen. Hoffentlich ist bis dahin die Dorfschule, in die meine Oma gegangen ist, noch da!“