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| 11:14 Uhr

Leichardt-Konferenz
Aus dem Nähkästchen der Leichhardts geplaudert

Zur Vorführung der Multivisionsschau „Lost in Outback - Australiens Nationalheld aus der Niederlausitz“ von Donald Saischowa (r.) setzten die Zuschauer 3D-Brillen auf.
Zur Vorführung der Multivisionsschau „Lost in Outback - Australiens Nationalheld aus der Niederlausitz“ von Donald Saischowa (r.) setzten die Zuschauer 3D-Brillen auf. FOTO: Ingrid Hoberg
Goyatz. Auf der 13. Leichhardt-Konferenz am Schwielochsee ist Persönliches über den Australienforscher ebenso in den Fokus genommen worden wie die weitere Erforschung der historischen Fakten. Von Ingrid Hoberg

Ein prächtiger Dahlienstrauß begrüßte die Teilnehmer der Konferenz im Gasthaus Hafenterrassen in Goyatz. Das hätte wohl auch Ludwig Leichhardt gefreut, an dessen 205. Geburtstag am 23.Oktober bei diesem Treffen regionaler Leichhardtfreunde erinnert wurde. „Vorzüglich lieb ich die dunkelrot samtigen, ins violett neigend“, schrieb der Australienforscher 1841 aus Genf in einem Brief an seinen Schwager Friedrich August Schmalfuß in Cottbus. Im Garten an der Marienkirche in Zaue war zum 200. Geburtstag Leichhardts eine nachgezüchtete Dahlie gepflanzt worden, die seinen Namen trägt.

„Ich habe einige Knollen herangezogen. Wenn Sie alle mitmachen, haben wir vielleicht bald 100 Stück und könnten sie in einem Gartenfachmarkt ins Sortiment aufnehmen lassen“, sagte Rainer Hilgenfeld, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Schwielochsee und Nachfahre der angeheiraten Verwandtschaft der großen Familie Leichhardt. Mit einem QR-Code versehen, könnte die Dahlie den Name Ludwig Leichhardt bekannter machen. Denn noch immer gibt es in Deutschland Nachholebedarf im Vergleich zu Australien.

Unter dem Motto „Karl Leopold Hilgenfeld, Schwager Leichhardts, plaudert aus dem Nähkästchen“ zitierte Rainer Hilgenfeld aus Briefen der Familie, um Leichhardt vom Sockel des hehren Forschers auf den Boden des Mitmenschen zu holen. Interessante Bezüge stellten sich zum Vortrag von Udo Bauer her. Der leitende Archivar im Stadtarchiv Cottbus sprach über „Ludwig Leichhardt in der Philatelie“ und nahm ebenfalls Bezug auf den regen Briefwechsel, den es im 19. Jahrhundert in der Familie und im Freundeskreis gab, aber auch auf philatelistische Aspekte, die nicht beim Stempel und den Briefmarken endeten. Philatelie als Hilfswissenschaft, als Mittel zum Zweck für historische Forschung – so ordnete es Udo Bauer ein. „Die Forschung geht weiter“, betonte er.

Anekdoten und Betrachtungen um Ludwig Leichhardt hat Lothar Gosche in seinem Buch „Überraschende Wendungen“ angestellt. Als geborener „Leichhardtianer“ (laut Udo Bauer war Trebatsch ab 1. Dezember 1937 in „Leichhardt“ umbenannt worden, was nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder rückgängig gemacht wurde) beschäftigt er sich seit Jahrzehnten mit dem Naturforscher aus seiner Heimat. „In dem Buch werden viele Facetten vermittelt, auch Auseinandersetzungen mit den Mitmenschen nicht ausgespart“, stellte Bernd Boschan, Vorsitzender des Ludwig-Leichhardt-Arbeitskreises fest. In Vertretung von Lothar Gosche trug Britt Henning, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft in Trebatsch, kurzweilige Auszüge vor.

Mit 3D-Brillen auf den Nasen blickten die rund 50 Teilnehmer der Konferenz der ersten öffentlichen Aufführung der Multivisionsschau „Lost in Outback – Australiens Nationalheld aus der Niederlausitz“ von Donald Saischowa entgegen. Am Ende gab es viel Applaus für die eindrucksvollen Bilder vom fünften Kontinent, die der Cottbuser Dokumentarfilmautor zu einer stimmigen Komposition mit Eindrücken aus dem Spreewald, dem Leichhardt-Land, zusammengefügt hat. Bernd Boschan verwies darauf, dass es eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Filmemacher gibt und in Abstimmung mit der australischen Botschaft auch an einer überregionalen Präsentation gearbeitet werde. In der kommenden Saison soll die rund 25-minütige 3D-Schau in einem historischen Wagen der Spreewaldbahn in Goyatz an der Tourist-Info gezeigt werden – und so Brücken zwischen Epochen und Kontinenten schlagen.

Dieser mediale Höhepunkt fand eine Ergänzung in den Bildern von Horst Halling aus Teltow. Der gebürtige Österreicher hat seine Zeichnungen und Gemälde „3000 Meilen durch Down unter“ genannt und setzt sich mit der Kunst der Aborigines ebenso auseinander wie mit der Entdeckerpersönlichkeit Leichhardt.

Verliehen wurden zum fünften Mal Ludwig-Leichhardt-Preise. So für das Filmprojekt „Treffen sich zwei Forscher“, das von der Projektgruppe Kunst 8. Jahrgang der Ludwig-Leichhardt-Oberschule Goyatz im vergangenen Schuljahr realisiert worden war. Um ein kurzes Gespräch zwischen Humboldt und Leichhardt in Paris geht es in der von Abegail Limbaga und Leon Burdack präsentierten Arbeit. Beide nahmen dann den Preis, eine 3D-Druckversion der Leichhardt-Skulptur in Sydney, und einen Scheck über 400 Euro entgegen.

„Ludwig Leichhardt ist ein wichtiger Teil der gemeinsamen Geschichte zwischen Australien und Deutschland. Sehr gerne habe ich deshalb im Namen der australischen Botschaft an der 13. Leichhardt-Konferenz in Goyatz teilgenommen“, sagte Pressesprecherin Georgia Gilson gegenüber der RUNDSCHAU. „Wir von der Botschaft freuen uns sehr über das Engagement aller Beteiligten im Leichhardt-Land in Brandenburg.”