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| 02:43 Uhr

Zwischen Schutz und Korsett

Während einer Schulung haben sich die Landwirte in Duben über die neue Düngemittelverordnung informiert.
Während einer Schulung haben sich die Landwirte in Duben über die neue Düngemittelverordnung informiert. FOTO: Bauernverband
Duben. Die neue Düngemittelverordnung soll das Grundwasser schützen. Für Landwirte ist sie kompliziert. Bei Verstößen drohen ihnen Bußgelder. red/bt

Seit Anfang Juni ist eine neue Düngeverordnung in Kraft. Sie regelt detailliert, wie Bauern bundesweit ihre landwirtschaftlichen Kulturen auf Acker- und Grünland zu düngen haben. Bei Verstößen gegen die komplizierten Vorgaben drohen Landwirten hohe Bußgelder und empfindliche Kürzungen bei der Betriebsprämie.

Auch Brandenburger Landwirte müssen die verschärften Vorgaben der neuen Düngeverordnung flächendeckend umsetzen - und das bei teilweise deutlich weniger Handlungsspielraum als ihre Kollegen in anderen Bundesländern. "Brandenburg hat teilweise noch strengere Regelungen draufgesattelt und damit das Handlungskorsett für unsere Bauern noch fester gezurrt, als es die Düngeverordnung ohnehin schon vorsieht", kritisiert Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg. Bei vielen Landwirten in der Region stoße dies angesichts im bundesweiten Vergleich sehr geringer Tierbestände auf Unverständnis, denn von regional zu hohen Aufkommen an organischem Dünger ist das Flächenland Brandenburg kaum betroffen.

Neben umfassenden Dokumentationspflichten steigt künftig auch der Beratungsbedarf, um die neue Düngeverordnung fehlerfrei umsetzen zu können. "Ohne eingehende fachliche Beratung drohen zahlreiche Fallstricke, die für Landwirte teuer werden können", erklärt Lorenz. Aus diesem Grund fand kürzlich eine erste Schulung für Landwirte statt, in der Referent Thorsten Mohr vom Landesbauernverband die über 180 Teilnehmer auf mögliche Stolpersteine hinwies. "Letztlich muss jeder Handgriff bei der Düngung penibel schriftlich dargelegt und über Jahre aufbewahrt werden, so dass stets eine Nachverfolgbarkeit gegeben ist."

Nach seiner Einschätzung mache jedoch nicht nur der steigende bürokratische Aufwand den Bauern zu schaffen. Ihr immer kleiner werdender Entscheidungsspielraum und die mangelnde Berücksichtigung guter fachlicher Praxis seien ein Problem. "Durch die starren Vorgaben gehen Freiheit und Flexibilität in den Entscheidungen zunehmend verloren. Wertvolle Erfahrungen der Landwirte vor Ort zum Schutz von Kulturpflanzen und Natur bleiben auf diese Weise ungenutzt", erläutert er.

Was ist denn neu an der Verordnung?

Die neue Düngeverordnung wurde in Deutschland im Zuge der europaweiten Angleichung und Umsetzung von Wasser- und Düngungsrichtlinien erlassen. Sie enthält bundeseinheitliche Maßgaben, in welchen Zeiträumen und bei welchen Witterungsbedingungen keine Dünger gleich welcher Art ausgebracht werden dürfen, welche Ausbringungstechnik einzusetzen ist und wie Gewässer und Biotope zu schützen sind.

Künftig müssen Landwirte zunächst ohne Unterschied zwischen ökologischen und konventionellen Betrieben den Stickstoff- und Phosphatbedarf ihrer Kulturen in einem eindeutigen Berechnungsverfahren ermitteln. Anschließend ist darzulegen, wie sie diesen Bedarf unter Berücksichtigung von Bodenqualität, vorherigen Düngungsmaßnahmen sowie weiteren Kriterien decken wollen. Dabei dürfen sie nur in Höhe der berechneten Mengen sowohl organischen Dünger (Stallmist oder Gülle) als auch mineralische Düngemittel anwenden. Zum Abschluss jeden Jahres müssen die gedüngten Nährstoffmengen den Erträgen in einer Bilanz gegenübergestellt und nachgewiesen werden, dass mehrjährig bestimmte Grenzwerte nicht überschritten werden. Brandenburg hat dabei die wenigen länderspezifischen Ausnahmeregelungen, die die Düngeverordnung zulässt, dazu genutzt, die maximal zulässigen Stickstoffgaben im Herbst von grundsätzlich vorgesehenen 60 Kilogramm je Hektar auf 40 Kilogramm herunterzuschrauben.