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Zwei Träume und ein glückliches Ende

Das große Glück bei Elisabeth Feltin gefunden: Hündin Mäusi.
Das große Glück bei Elisabeth Feltin gefunden: Hündin Mäusi. FOTO: Feltin
Langengrassau. Als Kind gab es für Elisabeth Feltin keinen größeren Wunsch als einen Hund – als Weggefährten und treuen Freund. 15 Jahre später kreuzten sich zwei Wege und Elisabeth Feltins Traum wurde wahr. Diese Geschichte mit Mäusi hat sie aufgeschrieben.

Im Sommer 2015 waren mein Freund und ich zu einem Tag der offenen Tür im Tierheim Langengrassau. Ich entdeckte dort einen kleinen Shar-pei-Mix.

Ein beigefarbener, sehr freundlicher Hund namens Christian. Ich wurde zum Gassi-Gänger. Ab und zu kam mein Freund auch mit spazieren. Doch desto öfter er mit kam den kleinen Mann die große Welt zu zeigen, interessierte er sich immer weniger für mich und immer mehr für meinen Freund. Die beiden waren ein Herz und eine Seele und ich etwas traurig. Deshalb beschlossen wir uns, einer anderen armen Seele mit Spaziergängen eine Freude zu machen, zwei Menschen, zwei Hunde - das passt doch super.

Die Tierheimbesitzerin machte sich auf in einen nahe liegenden Zwinger. Dann brachte sie uns einen unscheinbaren dunklen Hund, der sich in seiner dunklen Hütte versteckte. Die Besitzerin warnte uns jedoch vor, beim Vorbesitzer sei die Hündin immer abgehauen. Ihr fehlte ein Stück Zunge.

Vorsichtig und ängstlich näherte sich das Tier, die Rute tief unter den Bauch gezogen, geduckt und scheu. Ich kniete mich hin und ließ sie meine Hand beschnüffeln und dann taute sie auf. Also machten wir uns auf den Weg nach draußen, sie wurde richtig aufgeweckt und während unseres Spaziergangs immer lockerer, ihre Augen glänzten, ihr Wesen strahlte vor Freude. Der Hund aus dem Zwinger schien verschwunden zu sein. Sie wich mir die ganze Zeit nicht von der Seite. Da war es um mich geschehen.

Nun ging ich täglich mit ihr spazieren, immer länger, weiter. Im Hinterkopf zwar, sie wäre eine Ausreißerin, leinte ich sie beim zweiten Spaziergang ab. Nichts von abhauen. Das Wetter wurde nach ein paar Wochen immer unangenehmer, nasser und kälter. Da sie vorher auch ein Wohnungshund war, durfte sie nun nach drinnen in einen wettergeschützten Zwinger ziehen. Sie hielt sogar jeden Tag aus, bis ich kam, um mit ihr spazieren zu gehen, so sauber war sie. Eines Tages konnte ich nicht kommen. Die Tierheimbesitzerin berichtete mir, dass sie den ganzen Tag nur gejault hatte. Das zu hören, tat mir in der Seele weh.

Nach zwei Monaten nahmen wir sie zu einem Ausflug mit, einem Reitertag. Viele Menschen, Trubel, Lärm. Und da sah ich sie wieder, ihre Angst. Die Panik vor Männern, Stöcken, Gehhilfen, Tüten, Taschen, ich mag mir nicht ausmalen, was ihre Seele vorher wirklich durchstehen musste. Ihre verängstigten Augen und ihre Körpersprache erzählten Bände.

An dem Tag fuhren wir nicht zurück ins Tierheim, nein, nach langen Diskussionen mit meinem Freund nahm ich sie mit nach Hause. Ich konnte sie nicht dort lassen. Ihre Freude jeden Tag, wenn ich sie abholte, um ihr einen Moment Leben und Freundschaft in ihrem sonstigen tristen Dasein zu schenken, war unglaublich. Ich war nicht irgendjemand, ich war ihr wahr gewordener Traum. Trotz ihrer Leiden, die sie in ihrer Vergangenheit hat ertragen müssen, ihre Angst vor Menschen die ihr Schmerzen zufügten, war ich nun der Mensch, auf den sie immer gewartet hat. Nun war sie endlich zu Hause angekommen.

Zu Hause - da, wo man sie schätzt, sie liebt, ihr Geborgenheit schenkt, dort, wo sie ein fester Teil der Familie ist. Ihre rehbraunen fast goldenen Augen haben von da an nie wieder ihr Strahlen und den Glanz verloren. Dafür bin ich dankbar. Dankbar, dass sie diesen wunderbaren Menschen in mir sieht, der für sie ihre ganze Welt bedeutet. Nun lebt sie bei und mit uns, unsere Mäusi.