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| 17:06 Uhr

Schüler-Austausch
Ein Lebewohl auf Zeit

Martin und Antonia haben gemeinsam mit ihren Gastschülern Maike und Tessa (v.l.n.r) den deutschen Alltag kennengelernt.
Martin und Antonia haben gemeinsam mit ihren Gastschülern Maike und Tessa (v.l.n.r) den deutschen Alltag kennengelernt. FOTO: Anja Brautschek / LR
Luckau. Zwei chilenische Austauschschüler haben acht Wochen am Bohnstedt-Gymnasium verbracht.

Mit Vorfreude werden am heutigen Freitag viele Schüler das Luckauer Bohnstedt-Gymnasium verlassen. Nachdem die Schüler am Vormittag ihre Zeugnisse entgegengenommen haben, steht nun eine Woche Winterferien an. Doch bei Antonia Sofia Riesco Saez und Martin Ignacio Suárez Carstens schwingt zum Ferienbeginn auch viel Wehmut mit. Sie müssen nun Abschied nehmen von ihren beiden Gastfamilien. Etwa acht Wochen haben die beiden chilenischen Schüler im Rahmen eines Schüleraustauschs in Luckau verbracht. Sie sind hergekommen, um ihre Deutschkenntnisse und die Grammatik zu verbessern und werden das Land mit vielen Erfahrungen wieder verlassen.

„Ich werde auch etwas traurig sein, wenn ich gehe. Ich habe mich schnell an alles gewöhnt“, sagt Antonia. Vor allem die Mentalität der Deutschen ist den beiden schon in den ersten Tagen aufgefallen. „Hier ist alles viel ordentlicher als in Chile. Es ist viel strukturierter“, erklärt Martin. Seine Erwartungen an Deutschland und den Bewohnern haben sich dabei erfüllt. In Chile besucht der Elftklässler eine Deutsche Privatschule in Valdivia. Durch Erzählungen der deutschen Lehrer und Mitschüler haben sie bereits einige Eindrücke von dem Land gewonnen. Für die beiden Austauschschüler war es jedoch das erste Mal in Deutschland. „Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Alle sind sehr nett und haben uns gut aufgenommen“, erzählt Martin.

In den vergangenen Wochen haben sie schon einiges erlebt. Großstädte wie Berlin oder Dresden haben sie gemeinsam mit ihren Gastfamilien bereist. In der kommenden Woche steht eine Rundreise durch Deutschland mit ihren chilenischen Klassenkameraden an, die bei Gastfamilien in der Region untergebracht sind. Dabei steht auch ein Abstecher nach Calau auf dem Programm. Es ist die Heimatstadt von Carl Anwandter, dem Namensgeber der deutschen Privatschule in Valdivia.

Antonia hat sich auch schon auf Schlittschuhen versucht und sich gemeinsam mit Gastschwester Maike Sikorski einen deutschen Kinofilm angeschaut. „Wir unterhalten uns aber auch viel auf Spanisch und Englisch. Antonia konnte mir viel beim Spanischlernen helfen“, erzählt Maike.

Doch schon nach wenigen Tagen haben sich Antonia und Martin an die Fremdsprache im Alltag gewöhnt. Für beide gehört Deutsch zum Schulalltag. Mit dem Kindergarten haben sie die ersten deutschen Wörter gelernt. Die ersten Tage in Deutschland waren für beide dennoch eine große Herausforderung. „Es war schon eine große Umstellung für mich. Doch ich habe mich schnell daran gewöhnt“, sagt Antonia. Auch Martin hat sein Deutsch in den wenigen Wochen erheblich verbessert, wie er selber sagt. Nur manche Fachbegriffe im Deutsch- oder Mathe-Unterricht sind noch schwer zu verstehen. „Doch die Lehrer hier sprechen sehr deutlich. Das macht es für uns einfacher“, sagt Antonia.

Das Bohnstedt-Gymnasium beteiligt sich seit vielen Jahren regelmäßig an Schüleraustauschen. Schüler aus Peru, Equador, Argentinien oder El Salvador haben dadurch den Schulalltag am Luckauer Gymnasium kennengelernt.

Die positiven Erfahrungen aus dem Schüleraustausch fließen bei Antonia und Martin nun auch in ihre Zukunftsplanung ein. Beide überlegen, für ein Studium nach Deutschland zurückzukehren. „Manche Fächer sind hier besser als in Chile. In Kunst zum Beispiel lernt man viel mehr“, sagt Antonia. Für die 16-Jährige ist das besonders hilfreich. Sie möchte Architektur oder Kunst studieren. Zudem sind die Kosten für ein Studium in Chile sehr hoch. „Ein Medizinstudium ist trotz Flüge und dem Drumherum in Deutschland fünf Mal billiger als in Chile“, rechnet Spanischlehrerin Andrea Martin vor. Auch Martin, der ein Informatik-Studium anstrebt, könnte sich deshalb eine Rückkehr vorstellen.

Erst einmal freuen sich beide jedoch auf ein Wiedersehen mit der Familie Ende Februar. Für Freunde und Familie nehmen sie auch einige Anregungen mit. „Die Deutschen sind wesentlich umweltbewusster“, erklärt Antonia. Einen bewussteren Umgang mit Wasser will sie auch mit nach Chile nehmen., wo im Alltag sehr viel davon verbraucht wird. „Es sind tolle Erfahrungen, die wir hier gemacht haben“, sagt Martin.