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Zurück in die Goldenen Zwanziger

Ein Trio des Rufus Temple Orchestra erwies sich als würdiger Ersatz und ließ die Zeit des Charlston und Swing im Bahnhof Jamlitz aufleben.
Ein Trio des Rufus Temple Orchestra erwies sich als würdiger Ersatz und ließ die Zeit des Charlston und Swing im Bahnhof Jamlitz aufleben. FOTO: Seiffert
Jamlitz. Die 4. Jamlitzer Sonntagsmatinée war offensichtlich verhext. Friederike Seiffert

Erst klappte der Termin im August nicht, dann sprang die Band ab und dann noch das Sturmtief Xavier: Der Veranstaltung wurden im wahrsten Sinne des Wortes eine Menge Bäume in den Weg gelegt. Doch was die rund 50 Zuhörer dann am Sonntagvormittag erlebten, entschädigte nicht nur die Ohren, sondern auch die Organisatoren vom Justus-Delbrück-Haus und Arteffekt Jamlitz, die mit all der Unbill zu kämpfen hatten.

Die Gäste wurden in die Goldenen Zwanziger zurückversetzt, in die Zeit, als die Nachtklubs, Bars und Großkinos boomten oder der Charlston, Swing und Jazz von Amerika nach Europa hinüberschwappten.

Ein Trio von Berufsmusikern aus dem sonst fünfköpfigen Rufus Temple Orchestra begeisterte das Publikum. Sie brillierten mit Kompositionen von Louis Amstrong bis Duke Ellington. Manch Titel wie z.B. "The Sunny Side oft the Street" spiegelte bereits das Ende der 20er-Jahre wider. Eingedenk des Veranstaltungsortes war es Musikern auch ein Anliegen, mit einem Klezmerstück auf den Spielort einzugehen. Stilgerecht im Nadelstreifenanzug und Schnauzer der 1920er verschmolz Johannes Böhmer mit seiner Trompete und dem Cornet. Genauso wie Bastian Duncker an der Klarinette und dem Alt-Saxofon machte er zudem von seiner Stimme Gebrauch. Beide wurden begleitet durch Max Leiß, der mal eben für die Jamlitzer Sonntagsmatinée den Stammspieler gewandt am Kontrabaß vertrat.

Das Berliner Trio spielte mehrere Zugaben und bot zwei Stunden Sorglosigkeit und Vergnügen. Ob Hot Jazz, ob Swing "die können gerne bis heute Abend weiter spielen", so ein Zuhörer aus Jamlitz.