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Luckau wagt Neues
Leere Läden werden Ateliers

Die goldene Nähmaschine von Künstlerin Dorothea Neumann stand 2016 im Schaufenster eines leeren Luckauer Geschäftes. Mit Kunst im Stadtbild hatte die Spektrale damals den Anfang gemacht. 2018 zieht die gesamte Schau ins Freie und leere Läden werden zu Ateliers.
Die goldene Nähmaschine von Künstlerin Dorothea Neumann stand 2016 im Schaufenster eines leeren Luckauer Geschäftes. Mit Kunst im Stadtbild hatte die Spektrale damals den Anfang gemacht. 2018 zieht die gesamte Schau ins Freie und leere Läden werden zu Ateliers. FOTO: Ingvil Schirling
Luckau. Zur Spektrale startet Luckau landesweites Modellprojekt. Noch Ladenflächen gesucht.

Mit dem Spektrale-Projekt „Creativstandort Luckau“ wagt die Stadt einen Feldversuch, der Luckau im besten Sinne wieder in die landesweiten Schlagzeilen bringen und  Modellcharakter für andere haben kann. Die Idee dahinter erklärt Spektrale-Kurator Herbert Schirmer, Kunst- und Kulturmanager aus Lieberose, so: Für drei Monate, von Ende Juni bis September, sind junge Künstlerinnen und Künstler eingeladen, in der Gartenstadt zu wohnen und zu arbeiten. Die jungen Leute, Studenten und Meisterschüler der Kunstakademien  Berlin, Dresden und Halle (Saale), werden in leeren Altstadtläden Ateliers auf Zeit beziehen, sich bei der Arbeit über die Schulter schauen lassen und in den Schaufenstern die Werke zeigen, die in Luckau entstehen.

Finanziell unterstützt wird das Vorhaben dem Kurator zufolge von „Kulturland Brandenburg“, von der Sparkassenstiftung sowie vom Landkreis Dahme-Spreewald. Das Geld sei gesichert, auch Interesse bei jungen Künstlern sei da.

Bis zu sieben können es werden, die in unterschiedlichen Metiers tätig sind: von der Fotografin und der Malerin über einen Objektbauer aus Japan bis zum Modedesigner. Alle seien Anfang, Mitte 20 mit viel Lust, Neues zu probieren, so der Kurator.

Ob die Idee aufgeht, hängt aber auch von der Bereitschaft der Luckauer ab, ausreichend leere Ladenflächen zur Verfügung zu stellen. Noch werden Flächen an der Hauptstraße und der Langen Straße gesucht.

Die Stadt und die Macher der Spektrale setzen darauf, dass erfolgreich fortgeführt werden kann, was mit kleinen Anfängen zur vergangenen Spektrale 2016 begann. Damals hatten drei Künstler bereits Werke in Fenstern an Markt und Hauptstraße gezeigt, blickt Spektrale-Projektleiterin Anika Meißner von der Kreisverwaltung zurück. „Diesmal aber geht es um eine neue Stufe. Kunst wird zum Erlebnis, sie wird begehbar und aktiv“, sagt sie. Optimal wären Läden, die durchs Schaufenster freien Einblick in den Raum geben. Denkbar wären aber auch getrennte Räume zum Arbeiten und Ausstellen. „Wir sind flexibel, gehen auf Wünsche der Eigentümer ein“, erklärt Herbert Schirmer. Kleine Wohnungen gegen Aufwandsentschädigung können ebenfalls gern noch angeboten werden, fügt er an.

Die Anregung für das Projekt stammt vom Lübbener Maler und Bildhauer Franz Rentsch, der 2014 gemeinsam mit Marietta Thier den Spektrale-Kunstpreis gewann und 2016 in der Jury saß. Bei Bürgermeister Gerald Lehmann rannte er  offene Türen ein. Auch für Thomas Schäfer, zuständiger Amtsleiter für Gewerbe und Tourismus, liegen die Vorteile auf der Hand. Rund 20 Läden stehen in der Altstadt  leer. „Auf den Lorbeeren der Landesgartenschau 2000 hat sich Luckau womöglich zu lange ausgeruht. Wir müssen immer wieder neue Reize setzen, um Gäste anzulocken und die Stadt zu beleben“, sagt er.

Die Chancen, Luckau als guten Ort für Kunst und Kultur bekannt zu machen, stehen gut. Mit dem Teilprojekt „Creativquartier“ ist die Stadt offizieller Partner der brandenburger Kulturlandkampagne 2018. „Luckau wird sich bei der landesweiten Auftaktveranstaltung im Mai in Neuzelle präsentieren und Bestandteil einer großen landesweiten Werbung sein“, sagt Anika Meißner. Herbert Schirmer bringt einen weiteren guten Grund zum Mitmachen ein: „Womöglich verlieben sich Menschen, die als Touristen wegen der Kunst kommen, in einen leeren Laden, und es findet sich eine neue Nutzung.“

Konktakte für Angebote und Anfragen: Stadt Luckau, Telefon 03544 594183, oder Kurator Herbert Schirmer: 0336 712216.