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| 18:28 Uhr

RUNDSCHAU-Sommertour
Zukunftsforschung für die Praxis

 Wie ein Kompaktschacht für eine Kleinkläranlage gefertigt wird, konnten die Sommertour-Teilnehmer beim Rundgang durch die Produktion verfolgen.  Foto: Keilbach
Wie ein Kompaktschacht für eine Kleinkläranlage gefertigt wird, konnten die Sommertour-Teilnehmer beim Rundgang durch die Produktion verfolgen. Foto: Keilbach FOTO: Birgit Keilbach
Rundschau-Sommertour in der Lausitzer Klärtechnik GmbH gab Einblick in spannende Projekte. Von Birgit Keilbach

Innovation wird bei der Lausitzer Klärtechnik GmbH (LKT) groß geschrieben. Das Unternehmen entwickelt und produziert seit mehr als 20 Jahren Anlagen für die dezentrale Abwasserreinigung. Kleinkläranlagen für Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Siedlungen, größere Anlagen für Betriebe zählen dazu. Pumpstationen für Schmutzwasser, Fettabscheideanlagen sowie Regenwassersammelbehälter gehören gleichfalls zum Portfolio des mittelständischen Unternehmens im Industriegebiet Luckau-Alteno. Die auf vier Produktionslinien gefertigten unterschiedlichen Anlagen werden in allen ostdeutschen Bundesländern, in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika vermarktet. „Export heißt nicht nur Produktverkauf, wir schulen auch die Leute vor Ort für die fachgerechte Wartung“, erläutert Geschäftsführer Michael Müller. In China fertige eine Partnerfirma die Betonteile, LKT liefere die Betriebstechnik. 303 Anlagen würden dort aktuell in einem ländlichen Gebiet installiert.

55 Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf aller Prozesse. Fünf junge Leute erhalten derzeit eine Ausbildung. „Wir bilden in den Berufen Fachkraft für Bürokommunikation, Maschinen- und Anlagenführer sowie Fachkraft für Abwassertechnik aus“, sagt Torsten Hansen. Bewerber hätten gute Chancen, nach erfolgreichem Berufsabschluss in der Firma beschäftigt zu werden.

Torsten Hansen leitet die Abteilung Forschung und Entwicklung. Drei innovative Projekte stellte er den Sommertour-Teilnehmern am Donnerstag vor. Das erste heißt FlexReha-Verfahren®, hat inzwischen Marktreife und der Firma sowie den Wissenschafts-Partnern an der BTU Cottbus-Senftenberg einen Innovationspreis eingebracht. Gemeinsam entwickelten die Forscher dieses innovative Verfahren, mit dem von Betonkorrosion betroffene Schächte mittels Leichtbaumaterial in kurzer Zeit effektiv saniert werden können. Der gesäuberte Schacht werde mit Textillagen ausgekleidet, die nach einem 3-D-Scan exakt zugeschnitten sind. „Dann kommt eine Folie darüber, und es wird ein Vakuum hergestellt. Am tiefsten Punkt beginnend wird flüssiges Harz eingebracht, das damit versetzte Textilgewebe schmiegt sich aufgrund des Vakuums überall an“, beschreibt Torsten Hansen den Prozess. Das Material härte schnell aus, und bereits am nächsten Tag sei der Schacht wieder nutzbar. Nicht nur der Zeitfaktor und dass alle Einbauten im Schacht verbleiben können, sei ein Vorteil. „Es kann auch im Winter angewandt werden.“ Heizdrähte würden eingefügt und erwärmt, damit das Harz geschmeidig fließt. Die Drähte könnten später zur Überwachung der Dichtigkeit genutzt werden. Anwendbar sei dieses Verfahren nicht nur für Abwasserschächte, sondern auch für die Sanierung von Silos, Güllebehältern sowie Biogasanlagen kann es genutzt werden. Seit Jahresbeginn bietet LKT das Verfahren an. Acht Aufträge für die Beschichtung von Neuanlagen in der Phase der Markteinführung stimmen Michael Müller optimistisch. Deutschlandweit gebe es rund 1,3 Millionen sanierungsbedürftige Abwasserschächte, zeigt er das Volumen auf.

 Am Musterschacht erläutert Torsten Hansen, Leiter Forschung und Entwicklung bei LKT, Walter Heinze und Horst Richter (v.l.)  die praktische Anwendung des FlexReha-Sanierungsverfahrens.
Am Musterschacht erläutert Torsten Hansen, Leiter Forschung und Entwicklung bei LKT, Walter Heinze und Horst Richter (v.l.)  die praktische Anwendung des FlexReha-Sanierungsverfahrens. FOTO: Birgit Keilbach

Gemeinsam mit der BTU forschen die LKT-Ingenieure inzwischen am nächsten Projekt. Ein Nährstoffzusatz soll es ermöglichen, dass die Mikroorganismen auch in solchen Anlagen kontinuierlich arbeiten, wo Abwasser nicht kontinuierlich anfällt oder in einseitiger Zusammensetzung ankommt. Das betreffe Anlagen in Raststätten, Jugendherbergen, auf Campingplätzen und weiteren Saisonbetrieben. Ein weiteres Projekt befasst sich damit, wie die Wärme des so genannten Grauwassers, zu dem Abwasser vom Duschen, Baden, Geschirrspülen und Wäschewaschen gehört, für die Beheizung eines Niedrigenergiehauses nutzbar gemacht werden kann. Umgekehrt gehe es darum, gespeichertes Regenwasser zum Kühlen zu verwenden. Dafür arbeitet LKT mit einem Weimarer Institut zusammen.

 Beim Rundgang durch die Fertigung erhielten die Sommertour-Teilnehmer praktischen Einblick in den Guss eines Kompaktschachtes für eine Kleinkläranlage.
Beim Rundgang durch die Fertigung erhielten die Sommertour-Teilnehmer praktischen Einblick in den Guss eines Kompaktschachtes für eine Kleinkläranlage. FOTO: Birgit Keilbach

„Diese Möglichkeit der Wärme­rückgewinnung finde ich interessant, mein Sohn plant gerade ein solches Haus“, sagte Horst Richter aus Beesdau.“ Es ist erstaunlich, wie automatisch hier alles geht“, sagte er nach dem Betriebsrundgang. „Es hat sich viel verändert. Die Technik wird immer besser“, war auch der Cahnsdorfer Walter Heinze beeindruckt.