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| 19:15 Uhr

Wanderung zum Ursprung
Zützener auf Entdeckungsreise

Auf die Spuren ihrer Vorfahren haben sich die Zützener am Samstag mit einer Wanderung zum Horstberg begeben. Die Autos blieben stehen und alles wurde per Hand zum Picknick auf dem historischen Burgvorplatz getragen.
Auf die Spuren ihrer Vorfahren haben sich die Zützener am Samstag mit einer Wanderung zum Horstberg begeben. Die Autos blieben stehen und alles wurde per Hand zum Picknick auf dem historischen Burgvorplatz getragen. FOTO: Birgit Keilbach
Zützen. 1000 Jahre Siedlungsgeschichte von Zützen stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt.

Mit einer Slawenwanderung haben sich die Zützener am Samstag auf die Spuren ihrer Vorfahren begeben. Sie wanderten sie vom Gutshof bis zum Horstberg, einer früheren slawischen Burganlage.

An verschiedenen Stationen brachte Michael Petschick den rund 80 Wanderern Erkenntnisse aus historischen Quellen und Ergebnisse archäologischer Ausgrabungen zur Siedlungsgeschichte nahe. Die anschaulichen Informationen an mehreren Stationen entlang des Weges vermittelten eine Vorstellung davon, wie die Landschaft von Eiszeiten geprägt wurde und sich durch menschliches Einwirken im Verlauf der Jahrhunderte gewandelt hat. Erst durch die gezielte Entwässerung, die etwa ab 1840 durch einen Kanal erfolgte, konnte die Erde mit dem Pflug bewirtschaftet und als Ackerland genutzt werden.

Zur Zeit der slawischen Besiedlung herrschte hier eine Sumpflandschaft vor. Die schützende Burganlage sei auf einer Talinsel errichtet worden, erläuterte Michael Petschick. Die leichte Erhebung des Horstberges ist noch erkennbar. „Die Slawen bauten sieben bis acht Meter lange Langboote, mit denen sie bis zu einer Tonne Material und Menschen durch die Sumpflandschaft bewegen konnten“, blickte er in die Geschichte. Über Land habe es nur einen Zugang zur Burg gegeben, aus Richtung des heutigen Naturschutzgebietes Zützener Busch.

Ein wenig nachempfinden konnten die Wanderer diese Verhältnisse. Denn das letzte Stück bis zur früheren slawischen Siedlungsanlage mussten sie durch teilweise völlig durchnässten Boden zurücklegen. Bänke, Tische, Kuchenbretter und weitere Dinge fürs Picknick wurden getragen. Rot-weiße Absperrbänder kennzeichneten den Standort der Burg und den Umriss eines der Grubenhäuser, die sich die Slawen im Vorfeld der Burg gebaut hatten. „Ein Beispiel für so eine Siedlung ist im Heimatmuseum in Dissen aufgebaut“, sagte Michael Petschick. Dass der Horstberg bereits vor den Slawen als Siedlungsplatz diente, belegten archäologische Untersuchungen sowie beim Beackern des Geländes immer wieder an die Oberfläche gelangte Gegenstände.Mit 180 Metern Durchmesser sei sie eine der größeren Burganlagen in der Niederlausitz gewesen.

Passend zum Thema hatten sich einige Zützener historische Kostümen angezogen, darunter drei Generationen der Familie Dänschel. „Wir dachten uns, gucken wir mal, was unser Fundus hergibt“, erzählt Wilma Dänschel. Während die Männer sich als Bauern kleideten, einen Karren schoben und Kiepen trugen, hatte sie sich eine Spitzenbluse von der Urgroßmutter angezogen und mit Haube und Schürze das historische Kostüm komplettiert. Außerdem hatte die Familie für das Picknick den Reisigbackofen angeheizt und darin mehrere frische Hefekuchen gebacken, die schon auf dem Weg zum Rastplatz verführerischen Duft verströmten.

Weitere Köstlichkeiten fürs Picknick steuerten die anderen Wanderer bei. Etliche davon wollten den historischen Ort überhaupt erst einmal kennenlernen. „Es war schon erstaunlich, wie viele nicht wussten, wo der Horstberg liegt. Umso schöner ist das große Interesse, und dass so viele mitgekommen sind“, berichtete „Burgfräulein“ Bianca Kreutz, die stolz darauf ist, eine Ur-Zützenerin zu sein. „Bis ins Jahr 1840 habe ich die Familiengeschichte erforscht.“ Anita Quandt hingegen kennt den Horstberg schon aus der Schulzeit. „Wir haben als Schüler in den 1950er Jahren oft einen Wandertag hierher gemacht, die Geschichte erfahren, Stullen gegessen und Hagebutten gesammelt“, erinnert sie sich. Lebendige Heimatkunde habe das Lehrerehepaar Irmgard und Hans Dietzel ihnen damals vermittelt, ergänzte sie.

Auf die Spuren ihrer Vorfahren begaben sich die Zützener am Samstag mit einer Wanderung zur früheren Slawenburg auf dem Horstberg (im Hintergrund). Einige von ihnen hatten sich dafür in passende Kostüme gekleidet.
Auf die Spuren ihrer Vorfahren begaben sich die Zützener am Samstag mit einer Wanderung zur früheren Slawenburg auf dem Horstberg (im Hintergrund). Einige von ihnen hatten sich dafür in passende Kostüme gekleidet. FOTO: Birgit Keilbach
(bkh)